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Wenger beim Schnellkrafttraining mit der «leichten» Hantel. (Benjamin Soland)
Es ist 19 Uhr, Tatort: Matten bei Interlaken. Im Trainingscenter «Go Sports» ertönen aus den Radioboxen Heavy-Metal-Klänge. Kilian Wenger und seine Trainingskollegen Matthias Glarner, Simon Anderegg und Ruedi Roschi stemmen richtig schweres Metall in Form von Hanteln in die Höhe.
Angetrieben werden die «bösen» Burschen aus dem Berner Oberland von ihrem Trainer Roland Fuchs. Der Übungsleiter packt zum Einwärmen jedem seiner Athleten das eigene Körpergewicht auf die Hantel, im Fall von Wenger sind das 100 Kilo.
Der König meistert diese Aufgabe nit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Fuchs lächelt zufrieden und ist felsenfest überzeugt: «Kilian hat sein Potenzial noch längstens nicht ausgeschöpft. Bis zum nächsten Eidgenössischen 2013 kann er noch viel stärker und schneller werden.»
Seit einem Jahr ist Fuchs für das Kraft- und Konditionstraining des neuen Überschwingers verantwortlich. Wenger profitiert dabei von einem gewaltigen Know-how, das sich der Meiringer Fitness-Guru auch als Konditions-Trainer im hohen Norden angeeignet hat: «Als der Berner Oberländer Thomas Stauffer vor ein paar Jahren Cheftrainer der schwedischen Ski-Nati wurde, hat er mich als Konditionstrainer mitgenommen. In dieser Zeit habe ich unter anderen die besten Trainer der schwedischen Gewichtheberszene kennengelernt. Und die haben mir einige Geheimnisse anvertraut, die ich jetzt an meine Schwinger weitergeben kann.»
Kilian sucht Rat bei Ex-Königen
Weil Schweden in Zeiten des Kalten Krieges ein Ort des Austausches zwischen den USA und der Sowjetunion war, landete enorm viel Know-how der beiden Supermächte im Land der Elche. Kein Wunder, dass beim eidgenössischen «Elchtest» in Frauenfeld aus der Trainingsgruppe von Roland Fuchs nicht nur Wenger überzeugte. Auch Glarner und Anderegg erkämpften den begehrten eidgenössischen Kranz.
Natürlich will sich keiner auf diesen Lorbeeren ausruhen. Der neue Schwingerkönig will sogar noch einen Gang höher schalten. Wenger zu Sonntagsblick: «Wenn ich den Schwingsport so dominieren will, wie das Jörg Abderhalden über zehn Jahre hinweg getan hat, muss ich noch kompletter werden.»
Und sein Trainer weiss ganz genau, wo er den Hebel ansetzen will: «Ich werde in der nächsten Zeit mit Kilian vor allem an seiner Koordination und an seiner Schnelligkeit arbeiten. Diesbezüglich gibt es noch viel zu tun.»
Viel zu tun hat Wenger auch abseits vom Sport. Der 20-Jährige wird im Moment von Fan-, Sponsoren- und Medien-Anfragen überflutet. Weil er wissen wollte, wie man mit einem solchen Andrang am besten umgeht, hat er nach dem Eidgenössischen zwei Ex-Könige im Toggenburg aufgesucht. «Ich habe Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer besucht, weil ich von ihnen wissen wollte, wie sie damals mit ihrer neuen Rolle als Schwingerkönig umgegangen sind. Die beiden haben mir einige gute Ratschläge gegeben. Sie haben mir aber auch gesagt, dass bei ihnen kein derart extremer Rummel entstanden ist, wie das jetzt bei mir der Fall ist.»
Die 8 Gänge jeden Tag als Video
Obwohl ihm dieser Rummel manchmal zu schaffen macht, möchte Wenger sein neues Leben als Zwilchhosen-Adeliger nicht mehr missen: «Ich habe etwas geschafft, was nur ganz wenigen gelingt. Und ich schaue mir noch heute mindestens einmal am Tag meine acht Gänge von Frauenfeld auf Video an. Beim Anblick dieser Bilder kriege ich immer noch jedes Mal eine wohltuende Hühnerhaut.»
Seinen Widersachern dürfte ein unschöner kalter Schauer über den Rücken laufen, wenn sie daran denken, dass sie es in Zukunft mit einem noch stärkeren Schwingerkönig zu tun bekommen werden…