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Die Nachricht von Federers Verletzung schockierte gestern. Sie überraschte sogar seine grössten Fans. Einige von ihnen erklären ihr Unverständnis unverhohlen auf Federers Homepage. «Wir Fans verstehen es schon deshalb nicht, weil seit Wochen auf dieser Seite und von dir in jedes Mikrofon erzählt wurde, du seist topfit. Schade.» Der Frust der Eingefleischten. Federer sagt, er habe die Beschwerden vom vergangenen Herbst nie ganz auskurieren können. Sein Coach Severin Lüthi erklärte: «Es hat ihn in Melbourne nicht behindert, aber er hat es gemerkt.»
Vor den Australian Open tönte es jedoch anders. Federers Statements vor dem Turnier waren eindeutig. «Ich fühle mich so, wie ich mich vor diesem Turnier fühlen möchte», sagte er etwa. Oder: «Ich bin fit und in viel besserer Verfassung als letztes Jahr.»
Eine reine Vorsichtsmassnahme
Gerade, weil Federer in den vergangenen Jahren im Davis-Cup die Startrunde jeweils ausliess, gilt es die Fragezeichen der Fans zu beantworten, die Irritation aufzuklären. Auf BLICK-Anfrage reagierte Federer gestern via Mediensprecherin. «Es ist eine reine Vorsichtsmassnahme. Aber diese Pause ist wichtig, damit ich wieder topfit werde nach dem harten letzten Jahr. Die Entscheidung hat nichts mit dem Davis-Cup zu tun. Es ist schade, dass es ihn trifft.»
Ist das Training ungenügend?
Wie es gesundheitlich tatsächlich um den Weltstar steht, kann man nur erahnen. Denn ein offizielles medizinisches Bulletin war nicht zu erhalten. Der reputierte Zürcher Physiotherapeut Adrik Mantingh, der früher mit der Mittelstrecklerin Maria Mutola und nun mit 400-Meter-Star Sanya Richards zusammenarbeitet, kennt die Problemzonen. «Die Schwierigkeit ist die Stabilität zwischen Schultergürtel und Beckenbereich. Es geht darum, mit der inneren Muskelkette zu arbeiten. Meiner Meinung nach ist er da zu wenig fit.» Federer müsse erst lernen, wie man damit arbeite. Mantingh befasste sich schon mit Federers Trainingsmethoden, sah sich Videos davon an – und ist nicht restlos von dessen Training überzeugt. Gerade wegen seiner technischer Überlegenheit sei es möglich, dass gewisse Dinge vernachlässigt würden. Etwa eine funktionelle Stabilität zu erreichen. «Wenn sie noch ganz jung sind, ist das okay. Doch werden sie älter, wird es zum Problem.» Die Pausen, sagt Mantingh, täten zwar gut, würden aber das Problem nur verzögern.
Grosse körperliche Belastung
Federer hat mit 27 Jahren bereits 777 Einzel- und 183 Doppel-Partien in den Knochen. Rechnet man dies auf seine zehnjährige Karriere um, macht dies knapp 100 Partien pro Saison. Dazu Trainings und Flüge quer durch die Zeitzonen. Ein mörderisches Programm. «Der Tennissport ist in dieser Hinsicht schon sehr intensiv, weil das ganze Jahr Saison ist und sie keine Ruhepausen haben», sagt Mantingh, «aber wenn man vernünftig trainiert, sollte es machbar sein.»
In Indian Wells will Federer im März wieder mittun. Bis dahin müssen seine Physiotherapeuten und Konditionstrainer Pierre Paganini die richtigen Schlüsse gezogen haben, falls es mit der diesjährigen Jagd auf die Nummer 1 noch etwas werden soll.