Wegen positiver Dopingprobe Dieses Zückerchen kostet Muff ein Vermögen

Spuren von Schmerzmitteln im Pferde-Urin. Werner Muff wird der Schweizer Meister-Titel 2015 aberkannt. Wiehert da der Amtsschimmel?

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Werner Muff feiert im September 2015 den Schweizermeister-Titel im Springreiten. Doch seine Freude wird getrübt: Bei Wallach Pollendr werden minimalste Restspuren von Tramadol gefunden. Einem Schmerzmittel aus der Humanmedizin.

Getreu der (veralteten) Null-Toleranz-Regel will der Verband handeln, ihn disqualifizieren, sperren und büssen. Obwohl laut Muff klar ist, dass dieser Nanogramm-Wert nichts mit Leistungsförderung zu tun haben kann.

«Ich war baff!», erinnert sich Muff, «die Beweislast lag bei mir.» Einfach hinnehmen will der 42-Jährige die Konsequenzen nicht. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Er kämpft. Das Problem: Die technischen Fortschritte sind so gross, dass Spuren heute bis auf zwölf (!) Kommastellen messbar sind. Als die Null-Toleranz-Regel eingeführt wurde, war dies nicht so.

Deshalb scheut Muff weder Kosten noch Mühen, um zu beweisen, dass es sich um eine unbeabsichtigte Kontamination handelt. Weil ihn sein Rücken plagt, schluckt Muff selber regelmässig das beanstandete Tramadol.

«Ich achte immer auf einen vorsichtigen Umgang mit den Pferden», betont Muff. Im Wissen, dass es nicht viel braucht, damit Spuren des Medikamentes in den Pferdekörper gelangen können. Dass es aber so wenig ist, überrascht ihn.

«Wenn ich das Schmerzmittel einnehme, meinem Pferd einen Zucker gebe und es dabei meine Handfläche mehrmals abschleckt, reicht das schon!» Restspuren gelangen so in den Pferde-Urin. Weil diese Erklärung so abenteuerlich tönt, macht Muff genau diesen Test. Und wird in seiner Theorie bestätigt. Gestützt auf ärztliche Atteste geht Muff gegen den Verbandsentscheid vor. «Das hat mich ein Vermögen gekostet!» Eine Zahl nennt er nicht, redet aber von einem sechsstelligen Betrag.

Plötzlich kommt der Verband Muff entgegen und bietet vor dem Friedensrichter einen Vergleich an. Mit der Begründung, dass es sich um einen lange andauernden Expertenstreit handeln würde – dessen Kosten am Ende die Verliererpartei zahlen müsste. Der Verband schlägt vor, von Sperre und Busse abzusehen und nur die Disqualifikation zu belassen.

Muff wählt dieses kleinere Übel, «weil mich der Fall 15 Monate lang mental belastet hat und ich ihn so schnell wie möglich abhaken wollte». Es bleibt die Frage, ob hier der Amtsschimmel gewiehert hat.

Das sagt der Verband

Beim Vergleich kommt der Verband Werner Muff einerseits entgegen, dennoch bleibt die nachträgliche Disqualifika-tion bestehen. Weshalb? «Das Reglement schreibt klar vor, sobald Substanzen gefunden werden, muss eine Disqualifikation erfolgen», erklärt Thomas Räber, Präsident der Sanktionskommission des Verbandes. Daran halte man sich.

Publiziert am 21.12.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
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