Scheich Maktoum und die Doping-Farce

  • Publiziert: 06.08.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Nicole Vandenbrouck
play Scheich Maktoum, der Herrscher von Dubai, mit seiner Ehefrau: Prinzessin Haya. (AP)

Pferdenarr Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum wird wegen Doping mit 3600 Franken «bestraft». Der Grund: Seine Frau ist die Präsidentin des Reit-Weltverbands.

Es ist ein Stoff für ein Drama aus tausendundeiner Nacht. Prinzessin Haya (34), Präsidentin des Weltreitverbandes, kündigt an, den Kampf gegen Doping mit höheren Strafen anzupacken. Gleichzeitig läuft bereits ein Doping-Verfahren – ausgerechnet gegen ihren Ehemann, Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum, den allmächtigen Herrscher von Dubai.

Prinzessin Haya tritt während der Untersuchungen in den Ausstand. Ein weiser Entscheid, dem nun aber ein verblüffendes Urteil folgt.

Busse von 3600 Fränkli für den Scheich

Der Herrscher von Dubai wird rückwirkend für sechs Monate gesperrt und bekommt eine Busse von 3600 Fränkli aufgebrummt. «Für ihn wären auch 50000 Franken nicht einschneidend gewesen», kommentiert der Schweizer Equipenchef Rolf Grass. Er stuft die Strafe für Maktoums Tat als «viel zu harmlos» ein.

Wofür muss Scheich Maktoum 3600 Franken zahlen? Er ritt Anfang Jahr zwei Distanzrennen (120 km) mit seinem Pferd Tahhan, das positiv auf mehrere Doping-Substanzen getestet wurde. Auch Scheich-Sohn Hamdan Bin Mohammed sass schon auf einem gedopten Pferd.

Pferdetrainer für ein Jahr gesperrt

«Die Araber waren schon öfter in Dopingfälle involviert. Wiederholungstäter sollten härter angefasst werden», so Grass. «Zwölf bis 24 Monaten versprach Prinzessin Haya. Das würde notorische Sünder abschrecken.» Der 60-jährige Scheich ist kein Profi-Distanzreiter, deshalb werde ihn die Sperre bis am 3. Oktober kaum belasten.

Das Absurdeste am lächerlichen Urteil: Der Pferdetrainer des Scheichs, Abdullah Bin Huzaim, wird für ein Jahr gesperrt. Dies obwohl Prinzessin Haya ausdrücklich betont, dass der Reiter die verantwortliche Person ist und bleibt. «Sonst sähe es so aus, als wollte ich meinen Mann schützen», sagt die jordanische Königstochter in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung». Mit Samthandschuhen angefasst wird er trotzdem.

Wo ist unsere Olympia-Medaille?

Ein weiterer Doping-Fall ist allgegenwärtig. Equipenchef Rolf Grass wird ständig auf das noch fällige Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Lausanne (CAS) angesprochen. Im Dezember 2008 bekam die Schweizer Equipe die Olympia-Bronzemedaille zugesprochen – den Norwegern wurde sie aberkannt.

Die A-sowie B-Probe des Pferdes von Tony André Hansen waren in Hongkong positiv. Doch Hansen zog den Fall ans CAS weiter. Eine erste Anhörung wäre im Frühjahr geplant gewesen. Sie wurde aber verschoben, weil die Richter umbesetzt werden mussten und neue Beweismittel aufgetaucht waren. Der neue Termin: 26. und 27. Oktober. «Ich zweifle langsam aber sicher an der Neutralität», so Equipenchef Rolf Grass.
play Prinzessin Haya von Jordanien, Präsidentin des Welt-Reitverbands. (Reuters)