Sie stiehlt den Reitstars die Show Hoppe, hoppe, Hingis

  • Publiziert: 15.01.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Nicole Vandenbrouck

Wenn die Amateurin Martina Hingis reitet, wer interessiert sich da am CSI Basel noch für die Welt- und Europameister?

So ein Auftritt hat hier niemand sonst beim CSI in Basel am Starttag. Als die ehemalige Schweizer Tennis-Queen zum Interview ins Medienzentrum kommt, bringen sich die Fotografen in Position. Hingis hautnah. Und sympathisch. Sie ist der bewunderte Star. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, dass die 29-Jährige hier «nur» in der Amateur-Kategorie am Start ist.

Hingis nimmt den Trubel schmunzelnd zur Kenntnis: Auf der morgendlichen Autofahrt nach Basel hört die Hobby-Springreiterin im Radio ihren Namen. Sie wird als Starterin beim CSI im gleichen Atemzug genannt wie die Stars Ludger Beerbaum, Jos Lansink und Kevin Staut.

Mit der Aufmerksamkeit geht sie viel entspannter um als früher im Tennis-Zirkus. Denn im Springreitsport steht für Hingis nicht der Ehrgeiz im Vordergrund. «Ich musste mich während meiner Tennis-Karriere oft genug beweisen. Meine Ambitionen hier sind damit nicht vergleichbar.» Platzierungen sind Nebensache. Hingis hat Spass an der Sache. Reiten ist ihre Passion. «Ich möchte einfach in der Amateur-Klasse gute Concours reiten.»

Der CSI Basel ist seit November 2009 und dem Ablauf ihrer zweijährigen Doping-Sperre (minimalste Kokain-Rückstände im Blut) die dritte internationalen Springkonkurrenz, an der Martina Hingis teilnimmt. Sie startete schon in San Remo und Paris.

In Paris stürzte sie spektakulär von ihrer elfjährigen Belgier Stute «Whisky’s Bon Ami». Ein Bild, das um die Welt ging. «Dass ich mich in der nächsten Prüfung mit dem gleichen Pferd noch auf den Rängen drei und sechs klassiert habe, darüber hat dann niemand mehr berichtet.»

Doch sie ist relaxed, nimmts mit Humor. «Nicht von Whisky fallen!», gibt sie als Ziel für den CSI Basel an. Tatsächlich schafft sie das schon in der ersten Prüfung mit Leichtigkeit und Eleganz. Und das soll auch heute und morgen so bleiben, denn am Sonntag wird Hingis in Berlin von Lindsay Davenport zu einem Tennis-Exhibition-Match herausgefordert. Dafür will sie fit sein.

«Im Tennis kann ich mich auf mein eigenes Können verlassen», sagt sie, «beim Springreiten muss ich dem Pferd vertrauen.» So beschreibt die Amazone ihre Faszination für diesen Sport. Die Springreitfamilie und der Tennis-Zirkus – zwei komplett verschiedene Welten. Dank ihrer Tennis-Millionen kann Hingis der zweiten Leidenschaft in ihrem Leben frönen. Und strahlt dabei pures Glück aus.

play «Meine Ambitionen hier sind nicht vergleichbar mit jenen im Tennis.» Martina Hingis (EQ)