Springreiterin Clarissa Crotta Ein Hengst reicht ihr!

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Nicole Vandenbrouck

Als kleines Mädchen schlief sie bei ihren Pferden, jetzt steht die 31-jährige Tessiner Springreiterin Clarissa Crotta mit der Schweizer Equipe im Rampenlicht.

«Ich liebe meine Pferde. Deshalb kämpfen sie so für mich.» Davon ist die Tessiner Springreiterin Clarissa Crotta überzeugt. Vor einem Jahr am CSI Zürich sprang Crotta mit Westside ins internationale Rampenlicht: Mit dem fünften Platz im Weltcupspringen gelang ihr im Hallenstadion die grosse Überraschung. Den elfjährigen Belgier-Fuchs ritt die 31-Jährige da erst seit sechs Wochen.

Dass Crotta im letzten Sommer den Sprung ins Schweizer Championatskader geschafft hat, verdankt sie einerseits dem Basler Unternehmer Stephan Stamm. Er stellt ihr momentan vier Top-Pferde zur Verfügung: Westside, Magnus Romeo (der einzige Hengst, seit Juni 2009), Made in Margot (seit Februar 2009) und U2 (seit Anfang 2007).

Und andererseits? Christina Liebherrs Pech war Clarissa Crottas Glück. Liebherrs No Mercy zog sich Ende Juni 2009 beim CHIO Aachen eine schwere Sehnenverletzung zu, die traurigerweise das Karrierenende für den Ausnahmewallach bedeutete. Deshalb rutschte Crotta in die Schweizer Equipe.

Mit jungen Pferden ritt Crotta auf nationaler Ebene. Als Juniorin und Junge Reiterin (bis 21 Jahre) nahm sie an sieben Europameisterschaften teil und gewann mit ihren ersten Turnierpferden Rocky und Bellezza zweimal EM-Bronze. «Sie waren meine ersten Wegbegleiter», erzählt Crotta, «sie bedeuten mir unheimlich viel.» Rocky und Bellezza – beide 27-jährig! – geniessen ihren Lebensabend auf der heimischen Weide des Pensions- und Handelsstalls von Clarissas Vater Edio in Giubiasco.

Daher Clarissas Liebe zu Pferden und zur Reiterei. «Aber ich war eine schlechte Tochter für einen Pferdehändler», erinnert sich das älteste von drei Crotta-Kindern. Schalk blitzt in ihren Augen auf. Sie habe als kleines Mädchen oftmals nicht verstehen wollen, wenn ihr Vater ihre geliebten Pferde weiterverkaufen wollte. «Als ich einmal mitbekommen hatte, dass mein Papa Rocky einem Kunden zeigen wollte, habe ich seine Box mit Ketten verriegelt und verschlossen und den Schlüssel mit in die Schule genommen.»

Ob dieser Erinnerung muss Crotta lauthals lachen. Unzählige solcher Anekdoten gäbe es. «Ich war kein braves Mädchen.» Immer wieder musste Mutter Clarita Klein Clarissa nachts im Stall suchen, weil sie sich zu einem der Pferde in die Box schlafen gelegt hatte.

Aus dem eigensinnigen Mädchen ist eine selbstbewusste Frau geworden. Als temperamentvoll und direkt beschreibt sie sich. «Manchmal sage ich zu direkt, was ich denke. Dafür kann ich morgens immer in den Spiegel schauen», so Crotta. Einzig ihre sensible Seite zeigt die Leseratte nicht gerne. «Obwohl es manchmal nur ein falsches Wort für Tränen braucht.» Aber dann ziehe sie sich sofort in eine stille Ecke zurück.

Crotta ist single

Nebst den Pferden ist ihre Familie die grosse Liebe der geschiedenen Singlefrau. Doch nicht nur das Turnierleben erschwert ein regelmässiges Wiedersehen. Clarissa zog Ende November 2008 ins solothurnische Härkingen und mietete sich im Stall von Willi Melliger (56) in Neuendorf ein. Der vierfache Europameister betreut die Springreiterin seither.

«Dank seiner Hilfe habe ich mich technisch enorm verbessert.» Crotta ist von Melligers Palmarès beeindruckt, «nur ein Viertel seiner Siege würden mir schon reichen», witzelt sie. Und er beschreibt seinen Schützling als mental starke Kämpfernatur, für die es das Grösste ist, mit Bruder Flavio (31) an denselben Turnieren zu starten, wie aktuell am CSI Basel. «Er ist ein Spassvogel », beschreibt sie. Und eben ein Stück Familie.

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