Die Tour ist nach Verbier 2009 wieder in der Schweiz zu Gast. Den Zielort Pruntrut kommt das teuer zu stehen.
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Der letzte Schweizer Startort: Leader Contador posiert am 21.7.2009 in Martigny mit einem Bernhardiner.
(Reuters)Heute werden die Zuschauer im Jura staunen. Über die verrückte und laute Werbekolonne. Dreiviertel der kunstvoll hergerichteten Fahrzeuge würden in der Schweiz bei der Automobilkontrolle durchfallen.
Einige Autofahrer werden die Welt nicht mehr verstehen. Das 1. Infanterie-Regiment der Garde Républicaine, das sonst den französischen Staatspräsidenten bewacht, sichert mit 47 Mann ihrer Motorrad-Eskadron die Tour de France. Und die Dienstpistole ist während des Rennens auf Mann. Nicht wenige werden meckern. «Die Franzosen haben uns mit einer grossen Arroganz überfallen – geblieben ist viel Abfall.» Und so ganz unrecht haben sie nicht. Die Tour de France kann sich fast alles erlauben. Ihr wird im Ausland jeweils der rote Teppich ausgelegt.
Kämpfen muss das heimische Rennen, die Tour de Suisse. Es ist kaum möglich, die Strassen zehn Minuten vor dem Eintreffen der Rennfahrer abzusperren. Ist die grosse Tour de France zu Gast, dann funktioniert alles – mindestens drei Stunden vor Ankunft des Trosses wird hermetisch abgeriegelt!
18 Monate hat das lokale Organisationskomitee für diesen Sonntag gearbeitet. «Seit August 2011 alle drei Wochen drei bis vier Stunden», erzählt OK-Präsident Jean-Claude Salomon. «Wir haben 25 Kommissionen gebildet. Vom Ziel-Team bis zum Abfallkommando.»
Die Jurassier hoffen auf schönes Wetter, weil die Etappe in ihrer ganzen Länge in 60 Ländern live übertragen wird. Rund 90 Kilometer führt diese 8. Etappe über Schweizer Boden. «Wir erwarten bis zu 120 000 Zuschauer», sagt Salomon. «Allein bis zu 40 000 rund um den Zielbereich.»
Im November 2006 haben sich die Pruntruter beim Tour-Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) beworben. «230 andere Städte hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits für eine Etappenankunft gemeldet», erinnert sich Salomon. Doch die Jurassier mussten nicht so lange warten wie Verbier – zwölf Jahre mussten sich die Walliser gedulden, bis sich die Tour 2009 die Ehre gab.
Die Tour de France braucht das Geld. Muss die Löcher der nicht so lukrativen Rennen wie Paris– Nizza und der Spanien-Rundfahrt stopfen. Während ein französischer Etappenort für eine Ankunft 100 000 Franken zahlen muss, verlangt A.S.O. von Pruntrut 250 000 Franken. Das OK muss für diesen einen Tour-Tag insgesamt 1,4 Millionen Franken aufwerfen. Zum Vergleich: Der Prolog und die erste Etappe kostete Lüttich 4,6 Millionen Franken, 1,5 Millionen gingen allein an die Tour-Organisation.
Und die wollen nicht nur Geld, die sagen auch, wo es durchgeht. Paris wollte ein Maximum an Steigungen auf dem helvetischen Boden. Streckenbauer Dominique Bonnemain nahm die Rampe zwischen Glovelier und Saulcy in den Parcours. 5000 Meter mit bis zu 15 Steigungsprozenten – Fabian Cancellara wird keine grosse Freude haben.
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