Olympiasieger strampelt an der Tortour für einen guten Zweck Mitternachtsfahrt mit Cancellara

  • Publiziert: 22.08.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Hans-Peter Hildbrand (Text), Patrick B. Krämer (Fotos)

Ein Teamzeitfahren mit Fabian Cancellara um Mitternacht. Oder wenn Wirtschaftsbosse schon im Sommer Weihnachten haben.

Am Montag früh werden die drei CEOs Dominique Schärer (37, PlanBMedia), Jürg Kallay (48, Swiss Private) und Georges Kern (45, IWC) wieder in ihren Kommandozentralen sitzen. Hundemüde zwar, aber mit leuchtenden Augen. Sie haben die Tortour, das härteste Radrennen der Schweiz, erfolgreich überstanden.

Sie sind die 1000 km (15000 Höhenmeter) rund um die Schweiz gefahren. Non-Stop, Tag und Nacht. Und sie schwärmen von einem Erlebnis, das keiner kaufen kann. Sie sind im gleichen Team (Laureus 2) gefahren wie Cancellara.

Der Berner Radprofi ist die Lokomotive der drei CEOs. Ihr Stratege. Ein väterlicher Freund, der ihnen die Angst vor Schmerzen nimmt. Sie motiviert. Fabian Cancellara weiss: Das Team ist nur so stark wie das schwächste Glied. Er, der erfolgreiche Radprofi fährt mit «Bürohockern» durch die Schweiz.

Der weltbeste Classique-Jäger hält seine Teamkollegen in Schwung. Er stellt Bestzeiten auf seinen drei Streckenabschnitten auf. Auf der Fahrt von Disentis nach Airolo über den Lukmanier und den Gotthard nimmt er seinen Gegnern fast eine halbe Stunde ab.

«Ich bin voll gefahren», sagt Cancellara. «Und ohne eine Verkehrsregel gebrochen zu haben.» Fährt er mit der Tour de Suisse über diese Pässe, kann er in den Abfahrten stets die Ideallinie fahren. «Aber an der Tortour muss ich mich an die Verkehrsregeln halten, darf keine Sicherheitslinie überfahren.» Sonst wird er mit Strafminuten gebüsst.

Auf dem Velo wie in Trance

Der Berner ist begeistert von diesem Event. Das Rennen kittet. «Jeder geht an seine körperliche Leistungsgrenze.» Er muss seine Kollegen bremsen. «Einige waren nervös, gar hyperaktiv.» Er spielt Velo-Fahrlehrer. Zeigt, wie man richtig am Hinterrad fährt. Nimmt den «Bürolisten» die Angst. «Mit ihm nachts am Hinterrad durchs Wallis zu blochen, ist sensationell», schwärmt Jürg Kallay. «Du vergisst Zeit und Raum, bist wie in Trance.»

Fabian Cancellara schmunzelt. «Es ist fast wie in einem Pfadilager.» Auch für ihn ist die Tortour ein Erlebnis. Sie erinnert ihn an frühere Zeiten als Anfänger. Nichts von einem Luxus-Bus, in dem er sich gemütlich duschen kann. «Wir schlafen kaum und machen Katzenwäsche.» Er will nächstes Jahr wieder mitmachen. Schliesslich ist er als Botschafter für die Laureus-Stiftung unterwegs, die seine sportliche Leistung in ein soziales Engagement umsetzt.

«Uhren-Napoleon» Georges Kern war schon beim ersten Mal mit einem Team dabei. Er ist mit IWC Sponsor und Partner des Events. Hell begeistert hat er seine Wirtschaftskollegen für den mörderischen Sporttrip motiviert.

Während er noch ein paar Tage über müde Beine klagen wird, sitzt Cancellara am Montag schon wieder auf dem Velo. Er bereitet sich für die Spanien-Rundfahrt (ab 28. August) vor.

Sieger fuhr 34 1/2 Stunden

Die Tortour ist ein Nonstop-Radrennen rund um die Schweiz. Am Start sind 30 Solofahrer und über 50 Mannschaften. Das Rennen (rund 1000 km) wurde am Donnerstag in Neuhausen gestartet. Als erster Solofahrer war gestern Jure Robic (Sln) im Ziel. Seine Siegerzeit: 34 Stunden und 32 Minuten – Schnitt: 29,04 km/h!

Die «Allianz-Amateure»

Während sich alle Tortour-Teams mit Velo-Stars verstärken, bildet eine Mannschaft die Ausnahme: Das Team der Allianz fährt ausschliesslich mit Amateuren, darunter dem CEO Allianz Schweiz, Manfred Knof, dem CEO der Sachgeschäfte in Deutschland, Severin Moser, sowie drei weiteren Geschäftsleitungsmitglieder. Ihr Ziel: den guten Zweck des Rennens erfüllen und ins Ziel kommen. Und dafür haben die «Versicherer» viel und hart trainiert.

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