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H1N1 — die Schweinegrippe. Alle reden davon. Herr Rihs, haben Sie Angst?
Andy Rihs: Nein, ich habe keine Angst. Schliesslich habe ich gute Kollegen, die Ärzte sind. Und ein grosser Teil von ihnen sagt, die Schweinegrippe sei wie jede andere Grippe. Ich verstehe allerdings die Unsicherheit in der Bevölkerung. Denn rund um die Schweinegrippe gabs nicht gerade die schlauste Kommunikation.
Lassen Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen?
Nein, das mache ich nicht.
Ist ja eigentlich verständlich. Sie leiden schliesslich an einer ganz anderen Krankheit: dem Velo-Virus.
Genau, und da wäre sowieso jede Impfung nutzlos. Ich brauche das Velofahren für mein Leben. Velofahren ist für mich nicht bloss Sport, sondern – wie für Millionen andere – eine ganze Lebensphilosophie. Velofahren ist eine Sportart, die einem mental extrem hilft.
Das müssen Sie genauer erklären.
Meine besten Flow-Prozesse habe ich auf dem Velo. Ich habe beim Velofahren schon mehr Lösungen und Antworten gefunden als in allen Konferenzräumen. Das hat sicher mit der Sportart zu tun: Man rollt ständig vorwärts, der Kopf wird durchlüftet. Man wird dabei sehr klar – emotional und rational, ein guter Mix. Für mich ist Velofahren Meditation.
Wie sieht denn Ihr Alltag als «Velo-Profi» aus?
Wenns geht, setze ich mich mindestens zwei Stunden aufs Rad. Auch dieses Jahr sinds über 7000 Kilometer. Als 95-Kilo-Brocken komme ich noch jeden Berg hinauf. Nur einen nicht mehr: den Pragelpass vom Muotathal her. Das habe ich einmal gemacht – nie wieder. Da ists so steil, dass du umfällst, wenn du anhältst.
Und womit dopen Sie sich beim Velofahren?
(Rihs lacht) Ich bin ein Geniesser: mit einem Glas guten Wein oder mit einem feinen Essen. Im Ernst: Auf meine Ausfahrten nehme ich nicht einmal isotonische Getränke mit, sondern meist bloss Sirup und Traubenzucker, für den Fall, dass ich am Anschlag bin. Wenn es nötig ist, kann ich ja auch einmal absteigen und fünf Minuten Pause machen.
Ihr Velo-Virus kommt Sie weit teurer zu stehen als die Impfung gegen die Schweinegrippe. Vor einer Woche haben Sie Cadel Evans, den Strassen-Weltmeister von Mendrisio, für Ihr BMC-Profi-Team verpflichtet.
Ein schöner Überraschungscoup. Als Cadel vor ein paar Wochen Interesse gezeigt hat, konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Andy Rihs kommt also wieder auf die grösste Radsport-Bühne, wo Sie vor 2006 mit dem Phonak-Team schon einmal waren?
Ja, das ist mein Traum. Und mit dem BMC-Racing-Team sind wir jetzt auf gutem Weg. Neben Cadel Evans fährt künftig auch der Weltmeister von 2008 für uns, Alessandro Ballan, und der aktuelle US-Meister, George Hincapie. Mit Marcus Burghardt und Karsten Kroon haben wir starke Junge. Zusammen mit ambitionierten Schweizern und jungen Amerikanern ergibt das einen optimalen Mix. BMC ist wohl in «no time» zum stärksten Klassiker-Team geworden.
Kostet Sie aber auch sehr viel Geld. Bei Phonak haben Sie einst von 10 bis 15 Millionen Franken pro Jahr gesprochen. Ist das auch jetzt wieder so?
Die Grössenordnung stimmt. Obwohl wir noch keine ProTour-Lizenz haben, bezahlen wir Löhne, wie sie in den ProTour-Teams üblich sind. Allerdings fliessen nicht die ganzen Millionen in Cash, das sind vielleicht 70 Prozent. Der Rest sind Sachleistungen wie Velos, Bekleidung, Trainer und Staff.
Sind Sie also eine Art «Mini-Bertarelli»? Der Genfer Milliardär leistet sich Alinghi als Spielzeug — bei Andy Rihs ists ein Velo-Team.
Nein, ein «Mini-Bertarelli» bin ich sicher nicht. Es stimmt auch nicht, dass das BMC-Racing-Team mein persönliches Spielzeug ist. Neben dem Hörgeräte-Business bin ich seit 1997 auch in der Fahrrad-Branche aktiv. Die BMC-Räder sind High-End-Produkte. Und die verkaufen wir auf dem globalen Markt. Und um dieses Produkt bekannt zu machen, brauche ich auch ein erfolgreiches Profi-Team. Rad-Team oder Velofabrik? Das eine oder das andere gibts für mich nicht, beides funktioniert nur zusammen. Für den globalen Markt ergeben sich interessante Business-Synergien.
Wie viele Fahrräder verkaufen Sie denn?
Im Moment rund 100 000 jährlich – BMC und Bergamont zusammen. Dank unserem Profi-Team soll sich die Zahl in den nächsten drei Jahren verdoppeln.
Und dafür wollen Sie auch zurück in die Tour de France?
Genau, ursprünglich stand die Tour erst für 2011 auf unserem Plan. Aber jetzt, dank Cadel Evans, ist die Situation anders. BMC-Racing will schon 2010 bei der Tour dabei sein. Das ist auch geschäftlich wichtig. Denn 60 bis 70 Prozent der gesamten medialen Abdeckung des Radsports läuft rund um die Tour de France.
Sie reden immer noch wie ein riesiger Velo-Fan. Genau so wie Sie das zu Phonak-Zeiten getan haben.
Das stimmt, ich bin ein riesen Velo-Fan. Mehr sogar: Ich bin ein Velo-Maniac – ein Süchtiger.