Cancellaras Absturz nach Doping-Vorwürfen «Ich bekam zehn Kilo Übergewicht»

Mit Olympia-Gold im Zeitfahren kehrt Fabian Cancellara 2008 triumphal aus Peking zurück. Kurz darauf gerät seine Welt aus den Fugen.

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Ausgerechnet in Belgien, wo Fabian Cancellara als Ästhet im Rennsattel und Athlet alter Schule besonders verehrt wird, platzt am 29. September 2008 eine Bombe. Die belgische Zeitung «La Dernière Heure» veröffentlicht eine Liste von Sportlern, denen der Gebrauch des Epo-ähnlichen Blutdoping-Mittels Cera vorgeworfen wird. Darunter: Cancellara.

Der Tiefschlag kommt wenige Wochen nach seinem Triumph an den Olympischen Spielen in Peking mit Gold im Zeitfahren und Bronze im Strassenrennen (wegen nachträglicher Disqualifikation des Zweiten Rebellin erhält er später Silber). Da scheint sein Glück noch perfekt – auch privat, nachdem er zwei Jahre zuvor seine Jugendliebe Stefanie geheiratet hat und Vater von Töchterchen Giuliana geworden ist.

Doch von einem Tag auf den anderen ist er nicht mehr gefeierter Star, sondern Buhmann. «Ich war es nicht gewohnt, in den Medien schlecht dargestellt zu werden. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte, da die Vorwürfe auch nicht der Wahrheit entsprachen», erzählt Cancellara in der Biografie über seine schwerste Zeit.

Obwohl sich die Vorwürfe bald als haltlos erweisen, zieht sich der damals 27-Jährige zurück, stellt gar seinen Beruf in Frage. «Ich war schon immer sehr sensibel. Hinzu kam, dass ich genug vom Radsport hatte. Ich informierte mein Team, dass ich bis zum Ende der Saison nicht mehr mittrainieren würde, und sagte sogar die WM ab.»

Das fehlende Training bleibt nicht ohne Folgen. «Nach dem Winter hatte ich ernsthaftes Übergewicht, es waren beinahe zehn Kilogramm mehr.»

Im Frühjahr 2009 kämpft er sich zurück – und fährt stärker denn je: Tour-de-Suisse-Sieger, Etappensieger an Tour und Vuelta und zum dritten Mal Zeitfahr-Weltmeister. Einzig der Titel im Strassenrennen bleibt ihm an der Heim-WM in Mendrisio (und in den Folgejahren) verwehrt. «2009 habe ich das Regenbogentrikot verspielt. Ich gebe niemand anderem die Schuld dafür. Ich war stark, aber nicht schlau.» Doch er zieht die richtigen Lehren.

Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 12.11.2016
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6 Kommentare
  • Walter  Roth aus Birsfelden
    04.11.2016
    Herr Cancellara. Danke für ihre sportlichen Erfolge. Mich überzeugen sie leider nicht. Ihre ewigen hin und her`s haben mir den glauben an einen ehrlichen Sportler genommen. sie sind zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen !! Tut mir leid. ;)
  • Koni  Kadir , via Facebook 03.11.2016
    Übergewicht bekommt man meistens, wenn man Medikamente absetzt oder zu sich nimmt. Zurück zieht man sich, wenn man es bemerkt. Bücher schreibt man dann nach einer Karriere, wenn die Geschichte korrigiert werden muss. Die ganze Geschichte kommt einem schräg rein. Tatsache ist, wer die Substanzen nicht hatte, fuhr hinter her. Punkt.
    • Roger  Iseli 04.11.2016
      Ich habe jahrelang als Volksläufer 6mal die Woche trainiert und mindestens ein Rennen pro Woche gelaufen. Mein Gewicht war damals bei 182 cm 69 kg. Dann hatte ich gesundheitliche Probleme und privat Stress. Innert 6 Monaten stieg mein Gewicht auf 81 kg! Medis waren für mich nie ein Thema, aber die Essgewohnheiten blieben gleich auch ohne Training. Soviel zum Ihren Text.
  • Daniel  Sitter 03.11.2016
    So sehr ich mich als Schweizer Radsportfan über seine schon fast übermenschliche Aufholjagd in Peking und die Titel an den Klassikern gefreut habe, würde ich so leid es mir tut, für einen sauberen Cancellara nicht mehr die Hand ins Feuer legen. Wenn nach dieser Olympiade EPO Gerüchte ins Spiel kamen, finde ich die Motordoping Anschuldigungen nach den Klassikersiegen noch viel offensichtlicher. Jeder kann sich auf Youtube mit der Eingabe von "Cancellara" und "Motor" selbst ein Bild davon machen.
    • Hugo  Stiglitz aus Frankreich
      03.11.2016
      Tja, das kann man wohl schwierig belegen. Aber Tatsache ist, dass die Radfahrer nicht beleidigte Leberwurst spielen sollten, sondern die Leute verstehen sollten, dass da bei Spitzenleistungen Zweifel aufkommen, nach allem was da passiert ist. Nur schon an der Tour, wenn ein Froome am Ende der Bergetappe nachlassen muss, damit der Abstand nicht zu gross wird zum Zweiten..
    • Oliver  Schlatter 03.11.2016
      Herr Sitter, Cancellara hatte immer wieder schlechte Resultate und am Berg war er immer schlecht und verlor viele Minuten auf den Tagessieger. Darum glaube ich, dass er sauber war. Bei Froome, Contador etc frage ich mich einfach immer, wie sie am Berg den anderen locker davon fahren. Gleichzeitig sind sie gleich schnell im Zeitfahrenk wie Cancellara, Martin etc die deutlich kräftiger gebaut sind.