Die Tellerwäsche-Karriere von Ferdy National (✝97) Küblers Weg vom Bauernknecht zum Tour-Sieger

Ein Leben zwischen Krieg und Strasse, zwischen Kampf, Krampf und Triumph. Ferdy Kübler geht als der grösste Schweizer Sportler des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein.

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Ferdinand Kübler, geboren am 24. Juli 1919 in Mar­thalen im Zürcher Weinland, schrieb Schweizer Sport­geschichte. Der erfolgreichste Schweizer Radrennfahrer aller Zeiten, der populärste Schweizer Sportler des 20. Jahrhunderts bestritt trotz sechs verlorener Kriegsjahre mit 850 Füsilier-Aktivdiensttagen 3200 Rennen und feierte 400 Siege.

Elfmal war er Schweizer Meister auf der Strasse, der Bahn und im Querfeldein, dreimal gewann er die Tour de Suisse, dreimal die Auszeichnung für den weltbesten Strassenprofi, 1950 die Tour de France, Gold, Silber und Bronze an Weltmeisterschaften und fast alle wichtigen europäischen Überlandrennen.

Ferdy Kübler, einst wie ein Verdingbub ausgenütztes mausarmes Bauernknechtli, wurde im zweiten Leben mit Ehrungen, Lobpreisungen und Awards aller Art überhäuft, nur zum «Schweizer Sportler des Jahres» reichte es ihm zu seiner grossen Enttäuschung nie.

Nach damaliger Usanz entsprach ein profaner Profisportler, der für seine Leistung schnödes Geld kassierte, nicht den hehren Idealen von Turnvater Jahn.

Erstes Rennrad vom Mund abgespart

Ferdy Küblers Tellerwäscher-Karriere führte vom Marthaler Bauernhof Buck (Monatslöhnli 20 Franken) über den Männedorfer Bäckermeister Schneebeli (30 Franken plus Kost und Logis) an die noble Zürcher Bahnhofstrasse zu Bijoutier Barth (120 bis 150 Franken). Arbeitsweg Marthalen–Zürich retour: 84 km – sechsmal wöchentlich. Auf einem alten Damengöppel.

Sein erstes Rennrad, Marke Imholz, 550 Franken, sparte sich Ferdy vom Munde ab, denn für das frugale Mittagessen gab er selten mehr als 90 Rappen aus. Jahrelang hiess Küblers Küchenchef Schmalhans.

Der Zweite Weltkrieg behinderte das Geldverdienen, und allzu oft vergass der mit einem überschäumenden Temperament ausgestattete Draufgänger ob der schnellen Beine seinen Kopf. Wie zum Beispiel 1949 während der Tour de France.

Der von den Franzosen als Tour-­Favorit hochgejubelte «Aigle d’Adliswil» verlor seine Flügel, mutierte zum «Fou pédalant» und brach am Grossen Sankt Bernhard jämmerlich ein. Der «Nebelspalter» reimte: «Wildes Rudel, Schlauch an Schlauch. Jubel, Zweifel, kalte Schauer. Kübler plötzlich Schmerz im Bauch, Katastrophe, Landestrauer.»

Ein Jahr später hatte Willensmensch Kübler nicht mehr Schmerz im Bauch, sondern Grips im Kopf, und er gewann die Tour de France. Damit lancierte er im Alter von 31 Jahren, wenn sich andere Athleten schon aufs Dasein im Sportstöckli vorbereiten, seine ganz gros­se Laufbahn (oder Fahrbahn).

Ferdy Kübler siegte und siegte und siegte – bis zu jenem 21. Oktober 1957, als er sich im Zürcher Hallenstadion vor 12 551 Zuschauern vom Spitzensport verabschiedete.

Nach einer Episode als Directeur sportif und dem Skilehrer-Intermezzo in Arosa, St. Moritz und Davos, wo er seine zweite Frau Christina kennenlernte, begeisterte sich der 73-Jährige 1992, betreut von Bob-Olympiasieger Hausi Leutenegger, für 18 Löcher. Ferdy national schaffte es als alter Junggolfer bis Handicap 21, scheiterte indes ebenso unwiderruflich am Hole-in-one wie 1955 am verhassten Mont Ventoux.

Beides fuchste ihn zeitlebens. Auch die ihm nach dem Tour-de-France-Triumph vom Gemeinderat versprochene Adliswiler Ehrenbürgerschaft blieb dem Ehrenbürger von Buenos Aires versagt. Und in Sachen Strassennamen führt Ferdys 1964 verstorbener Erzrivale Koblet dank dem Oerliker «Hugo Koblet-Weg» 1:0.

Der Rückstand lässt sich aber aufholen, selbst wenn kaum damit zu rechnen ist, dass Zürichs Bahnhofstrasse, wo Ferdys Aufstieg begann, in «Ferdinand Kübler-Allee» umgetauft wird.

*Kein Reporter kannte «Ferdy National» besser als Sepp Renggli. Leider ist der ehemalige Sportchef des Schweizer Radios DRS im Januar 2015 verstorben. Da es niemand besser schreiben kann, bringen wir hier ein wunderbares Porträt, das Renggli einst für den BLICK verfasst hat.

Publiziert am 30.12.2016 | Aktualisiert am 30.12.2016
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1 Kommentare
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    30.12.2016
    Hut ab, solche Sportler gibts nicht viele. Der Ferdy hat es mit viel Talent, Beharrlichkeit, Wille, Gesundheit, Glück und dem richtigen Riecher geschafft, an die Weltspitze zu gelangen.