Die rollende Epo-theke

  • Publiziert: 24.05.2007, Aktualisiert: 03.01.2012
  • von Marc Winter

BONN – Das Radteam T-Mobile versucht die Flucht nach vorne. Ex-Sprint-König Erik Zabel und Sportchef Rolf Aldag gestehen Epo-Doping ein. T-Mobile macht als Sponsor weiter.

Auf einer teilweise emotionalen Pressekonferenz, vom ZDF live übertragen, gestanden die ehemaligen Telekom-Fahrer und Zimmerkollegen Rolf Aldag und Erik Zabel Doping mit dem Blutmedikament Epo ein.

Aldag sagte, dass er ab 1995 über Jahre hinweg gedopt habe, während Zabel eine «einmalige Kur» im Jahr 1996 «beichtete». Zabel erwähnte zudem, dass er unter starken Nebenwirkungen gelitten habe.

Beide Fahrer erklärten ihre wettbewerbsverzerrenden Machenschaften mit dem Druck im Team. Sie hoben hervor, dass man kaum erwischt werden konnte. Aldag: «Wir dopten, weil wir es konnten. Die Wahrscheinlichkeit, nicht erwischt zu werden, ist noch immer sehr sehr hoch.»

Mehr als vor der Öffentlichkeit schämte sich Aldag gegenüber seinen Teamkollegen. Er sagte, er spritzte sich in eine Tätowierung am Oberarm, damit man keine blauen Flecken sah.

Erik Zabel, Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France 1996 bis 2001, ist noch immer aktiv beim Milram-Team. Er fürchtet auch die Konsequenzen seines Geständnisses nicht: «Ich gab mein bisheriges Leben an der Garderobe ab.»

Zabel ist der erste noch aktive Fahrer, der sich zu Doping bekennt. Ob ihn das Milram-Team weiter beschäftigen wird, steht noch nicht fest. Ein Rücktritt des Berliner Sprinterkönig ist aber anzunehmen.

Als Motivation, jetzt an die Öffentlichkeit zu treten, gab Zabel seinen Sohn an. Er rang mit den Tränen, als er sagte: «Mein Sohn fährt selber Rad. Ich sehe die Leidenschaft und möchte nicht, dass die Jungs in eine ähnliche Situation geraten wie ich selbst.»

Beide Rennfahrer sagten aus, das Epo von Jef dHont erhalten zu haben. Angeblich wussten sie weder etwas über andere Fahrer im Team, noch wollten sie etwas über die Rolle von Walter Godefroot sagen, den damaligen Sportlichen Direktor von Telekom oder über Jan Ullrich, der nach wie vor eisern Dopingkonsum abstreitet.

In der Causa Ullrich gab es aber noch Bewegung. Nachdem sein Anwalt Peter-Michael Diestel noch am Vormittag die Aussage getroffen hatte, «ein Auspacken bei Jan Ullrich gibt es in diesem Sinne nicht. Ullrich brauchte bei seinem grossen Talent nicht zu dopen», war er wenige Stunden später nicht mehr sein Anwalt...

Ullrichs Manager Wolfgang Strohband bestätigte der «Bild»-Zeitung, Ullrich habe Diestel das Mandat entzogen. Und was sagt Diestel? «Es gab Meinungsverschiedenheiten. Ich habe mein Mandat niedergelegt. Wer was anderes behauptet, den verklage ich.»

Udo Bölts: «Gelogen und betrogen»

Als dritter Ex-Telekom-Fahrer outet sich «Chrampfer» Udo Bölts als Dopingsünder. Er gestand dies schon am Mittwochabend am Fernsehen. «Ich habe Epo probiert und meine Erfahrung damit gemacht», sagte der 40-Jährige in der ARD. «Nach dem schlechten 95er-Jahr habe ich 1996 damit angefangen, um in der Tour-Mannschaft dabei zu sein und 1997 wieder aufgehört.»

Bölts bedauerte, dass er «gelogen und betrogen» habe, aber «ein Mensch macht Fehler». Er habe die Blutdopingpräparate vom belgischen Betreuer Jef dHont bekommen.

Bölts ist heute neben dem bereits geständigen Christian Henn als sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner engagiert.

Im Lauf der Woche hatten bereits die beiden früheren Telekom-Profis Bert Dietz und Christian Henn Epo-Doping zugegeben. Auch die Mannschaftsärzte von der Uni-Klinik Freiburg, Andreas Schmid und Lothar Heinrich, sind inzwischen geständig.

Auch CSC-Chef Riis will sich zu Doping äussern

Im Zuge der Doping-Geständnisse von Fahrern des ehemaligen Telekom-Rennstalls will sich jetzt auch der frühere Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis erklären. Der heutige Teamchef des dänischen CSC-Rennstalls hat für Freitag (16.30 Uhr) in Lyngby bei Kopenhagen zu einer Pressekonferenz geladen, in der er zur aktuellen Doping-Diskussion Stellung nehmen will. Riis war wie viele seiner ehemaligen Telekom-Teamkollegen vom früheren Mannschaftsmasseur Jef dHont beschuldigt worden, Mitte der 90er Jahre mit Epo gedopt zu haben. In der Radsport-Szene hatte der Däne den Spitznamen «Mister 60 Prozent», was auf seinen angeblich extrem überhöhten Hämatokritwert hinweisen sollte.

Top 3

1 Walliser Tages-16. Tschopp schnuppert am Giro an den Top Tenbullet
2 De Gendt gewinnt Hammer-Etappe Giro-Leader Rodriguez baut Vorsprung ausbullet
3 Platz 14 im Zeitfahren Cancellara sucht noch seine Formbullet

Rad