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Die Rad-Weltmeisterschaft in Mendrisio ist seit gut einer Stunde vorbei. Cadel Evans (Aus) heisst der neue Weltmeister, Fabian Cancellara wird «nur» Fünfter. «Fabian war heute der stärkste im Feld. Er hat Fehler gemacht. Er wird sie nicht mehr machen», erklärt mir Frank Vandenbroucke (34). Mit seinen blauen Augen schaut er mich an, fleht förmlich. «Bitte, kritisiere Cancellara nicht zu heftig. Er ist ein toller Junge.»
«VdB», wie sie ihn in Belgien nennen, gibt mir die Hand. «Ich weiss, wovon ich spreche.» Er war Belgiens Hoffnung im Radsport, sollte grösser werden als die Legende Eddy Merckx. Doch Frank Vandenbroucke sorgt nur noch mit Doping- und Alkohol-Affären sowie privaten Problemen (Selbstmordversuch, Scheidung) für Schlagzeilen. In seiner Autobiografie «Ich bin nicht Gott» gesteht er, mit Epo gedopt zu haben.
Für Belgiens Medien ist er der böse Star. «Er hat zu schnell gelebt, um die Vergiftung des Erfolges zu bemerken», schreibt «Le Soir».
Frank geht ein paar Schritte, dreht sich nochmals um. «Aber jetzt freue ich mich auf meine Ferien.» Ein paar Tage später fliegt er nach Senegal, will sich in einem «Club Med» erholen. Seine Mutter Chantal Vanruymbeke ruft er nach seiner Ankunft an. «Er war ganz fröhlich. Ich schwebte wie auf Wolken, dass wir nach zehn harten Jahren unseren Sohn zurückgewonnen hatten.»
Später bezieht er sein Hotel. Geht mit seinem Freund, dem belgischen Radfahrer Fabio Polazzi, in die Stadt zum Abendessen. Später besucht er die Bar «L’étage». Setzt sich zu zwei Frauen. Schäkert, macht Komplimente.
Die Prostituierte Seynabou Diop findet ihn sympathisch. «Er sagte mir, dass er mich schön finde, mich heiraten und mit nach Belgien nehmen wolle. Er sei oft in den Zeitungen. Wenn ich ihn begleiten würde, würde auch ich ein Star. Ich dachte, dass er ein berühmter Fotograf sei. Ich war bereit, ihn zu heiraten.»
Keinen Sex mit der Prostituierten
Später begleitet Diop den Rad-Star zum Hotel «La Maison Bleue». Der Radprofi habe sich nicht gut gefühlt und sie gebeten, am Swimmingpool auf ihn zu warten. Die Prostituierte, die später wegen des Diebstahls von zwei Mobiltelefonen und Bargeld verhaftet wird, sieht um 4 Uhr morgens nach Vandenbroucke. Findet ihn im Zimmer. «Er schlief sitzend auf dem Bett. Sein Kopf war zwischen den Beinen, auf seinen Füssen war Erbrochenes.»
Am Nachmittag kommt sie wieder, entdeckt zusammen mit dem Hotelier die Leiche. «Frank lag auf dem Bett. Er war tot», sagt sie der Zeitung «Het Laatste Nieuws». «Daneben lag ein Beutel mit Drogen, einer Spritze und einem Teelöffel. Aber ich habe nicht gesehen, wie er die Drogen genommen hat.» Sie beteuert, den Toten nicht bestohlen zu haben. «Ich wäre verrückt, einen Toten zu fleddern.»
Frank Vandenbroucke war ein Showman, färbte sich immer wieder die Haare. Am 12. Oktober erlag er einer Lungenembolie.- Reuters