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Der Schweizer Radsport blieb in den letzten «Börsen-Turbulenzen» resistent: starke Leistungen an Olympia mit Medaillen und Diplomen, keine Doping-Skandale. Aber wie siehts international aus? Der Radsport steht nicht am Abgrund – er ist abgestürzt! Die letzten Episoden mit den neuen Enthüllungen war einfach eine zu viel. Gestern gestand der Österreicher Bernhard Kohl unter Tränen, dass er gedopt habe, um dem Druck standhalten zu können.
Zu viel für Veranstalter: Das Stuttgarter Sechstagerennen streicht die Segel. Zu viel für möchtegern-saubere Teams: Gerolsteiner bestreitet ab sofort keine Rennen mehr, steigt aus. Zu viel für treue Fans. Sogar mir als Kind des Radsports ist es verleidet, in vielen Gesprächen diesen Sport zu verteidigen.
Dabei würde es gar nicht viel brauchen, um den Radsport zu retten. Die Lösung: Bei einem Dopingfall eines Fahrers darf sein Team zwei Monate nicht starten.
Diese Regeländerung würde den Radsport schnell sauber machen! Doch niemand aus dem Milieu will diese Regel.
Stellen Sie sich vor: Ein Fahrer bereitet sich vier Monate auf Paris–Roubaix vor. Während der Vorbereitung hat er eine Vermutung, dass ein Teamkollege dopt. Er muss alles unternehmen, damit dieser aufhört, sonst ist sein eigenes Saisonziel in Gefahr. Die Fahrer sind also aus Angst, Verantwortung zu übernehmen, gegen die geschilderte Regeländerung.
Stellen Sie sich vor: Ein Team kann einen gedopten Fahrer nicht fristlos feuern und kurz darauf einen andern engagieren. Es müsste dafür sorgen, dass seine Fahrer sauber sind, sonst dürfte es bei wichtigen Rennen nicht starten. Also sind auch die Teams gegen solch eine Regel, auch sie müssten Verantwortung übernehmen.
Doch: An einer Rundfahrt kann kein Fahrer dopen, ohne dass es teamintern jemand – Masseur, Arzt oder Zimmerkollege – merkt. Bis jetzt war dies allen egal, sie wurden ja nicht in die Mitverantwortung gezogen. Nur der erwischte Fahrer musste ganz alleine seine Strafe absitzen.
Eine kleine Regeländerung – und 99 Prozent der Fahrer würden sich nicht mehr dopen. Aber mir scheint, dass der Radsport erst soweit ist, wenn es keinen einzigen Fan und keinen Sponsor mehr auf dieser Welt gibt.
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Rolf Järmann (r.) neben Tony Rominger an der Tour de Suisse 1997. (Sven Thomann)