Der Nächste bitte: Riis gesteht

  • Publiziert: 25.05.2007, Aktualisiert: 14.01.2012

KOPENHAGEN – Jetzt purzeln die Doping-Geständnisse früherer Radprofis. Als nächster hat Bjarne Riis, Tour-de-France-Sieger 1996, seine EPO-Beichte abgelegt.

Täglich ein paar neue reumütige Sünder: Was Harald Schmidt in seiner Show als Gag präsentierte – alle zehn Minuten ein neues Geständnis aus dem Haus Telekom – wurde von der Realität überholt.

Heute hat sich der Däne Bjarne Riis als inzwischen siebter Radprofi zu einem Geständnis durchgerungen: Der Sieger der Tour de France von 1996 gab in Kopenhagen zu, dass auch er sich mit EPO gedopt hatte.

Riis (43) ist derzeit Leiter des dänischen Teams CSC und damit Boss unseres Zeitfahr-Weltmeisters Fabian Cancellara. Der heutige CSC-Teamchef gab zu, von 1993 bis 1998 Epo genommen zu haben.

Riis gestand seinen Sportbetrug sachlich, kühl und offenbar ohne Reue. «Jetzt ist die Zeit gekommen, die Karten auf den Tisch zu legen. Ich habe Epo genommen. Das war Teil meines Alltags. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung», sagte der Däne und ergänzte: «So war die Zeit nun einmal damals. Ich war Radsportler zu den Bedingungen, die es damals gab. Ich bin froh, dass die Bedingungen heute nicht mehr so sind.»

Er habe die Doping-Präperate damals selbst gekauft und eingenommen, sagte Riis weiter und nahm dabei die damaligen Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid in Schutz: «Es tut mir leid, dass sie nun blossgestellt werden. Sie waren dafür zuständig, um auf unsere Gesundheit zu achten und das alles nicht Überhand nimmt.»

Wie Erik Zabel riskiert Riis nicht, dass ihm die Erfolge aus jener Zeit aberkannt werden, als er seine Leistung manipuliert hatte. Die Verjährungsfrist von acht Jahren ist längst abgelaufen.

Riis soll Gelbes Trikot zurückgeben

AIGLE – Der Weltsportradverband UCI hat den geständigen Doping-Sünder Bjarne Riis aufgefordert, sein Gelbes Trikot vom Tour-de-France-Sieg 1996 zurückzugeben. Zwar könne der dänische Exprofi nicht mehr sanktioniert werden, erklärte die UCI heute. Doch rief sie den 43-Jährigen auf, das «Symbol seines Sieges» zurückzugeben.

Riis hatte auf seiner Pressekonferenz bereits gesagt: «Mein Trikot liegt in einem Karton bei mir zuhause. Ihr könnt es abholen. Ich habe meine Erinnerungen für mich allein.» Nach den Geständnissen der Ex-Team-Telekom-Fahrer ermunterte die UCI andere Profis, die gedopt haben, nun ebenfalls auszupacken. Das Gesetz des Schweigens sei gebrochen und jeder müsse nun die Konsequenzen seines Handelns tragen.

Ullrich gegen Überstellung von Beweismitteln

Jan Ullrich hingegen behauptet immer noch, eine blütenweisse Weste zu haben. Ullrichs Rechtsanwälte haben beim Bundesgericht in Lausanne Einsprache gegen den Entscheid der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes in Bellinzona eingelegt. Diese hatte festgelegt, dass Beweismittel aus einer Razzia in Ullrichs Anwesen in Scherzingen an die deutsche Justiz überstellt werden können.

Die Bonner Staatsanwältin Monika Ziegenberg, deren Behörde im Zusammenhang mit der Affäre um Dopingarzt Fuentes gegen den früheren Radprofi ermittelt, bestätigte den Einspruch.

21 Monate Suspension gegen Basso?

Die Antidoping-Kommission des italienischen Olympischen Komitees (CONI) beantragt gegen Ivan Basso eine Suspension von 21 Monaten. Die Angelegenheit ist zur Erledigung an die Disziplinarkommission des italienischen Radsportverbandes übergeben worden. Die Sperre wird aufgrund von Bassos Geständnis beantragt, in die «Operacion Puerto» verwickelt zu sein.

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