Cancellara zum Dopingfall Schleck: «Das ist ein Desaster!»

Dopingsünder Fränk Schleck verschickt Unschulds-SMS. Sein Anwalt glaubt an Vergiftung. Teamkollege Fabian Cancellara ist geschockt.

  • Publiziert: 09.46 Uhr, Aktualisiert: 10.04 Uhr
  • Von Hans-Peter Hildbrand

Fränk Schleck (32) war an der Tour de France gedopt. Das Team hat ihn ausgeschlossen. Mediensprecher Philippe Maertens ist plötzlich der wichtigste Mann des Teams RadioShack. «Es liegt nun an Fränk, eine Erklärung zu finden», kommuniziert er. In der Apotheke des Teams gebe es das Mittel Xipamid jedenfalls nicht.

Schleck wird am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, positiv auf das Abführmittel getestet, mit der geringen Menge von 100 Picogramm (100 billionstel Gramm). Xipamid steigert die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren. Dopingmittel werden so schneller aus dem Körper eliminiert oder «verdünnt».

Die Doping-Nachricht hat Teamkollege Fabian Cancellara (31) geschockt. Er kennt Fränk Schleck sehr gut, fährt seit 2006 mit ihm in den Teams CSC, Saxo-Bank, Leopard Trek und RadioShack. «Ich kann nicht nachvollziehen, was mit Fränk passiert ist», sagt Fabian Cancellara. «Für ihn, für den Radsport und das ganze Team ist diese anormale A-Probe schlicht ein Desaster.»

RadioShack ist durch interne Streitereien, Verletzungen, Formschwächen, juristischen Zoff und den Dopingfall Fränk Schleck am Boden. Teambesitzer Flavio Becca, den die luxemburgische Justiz der Veruntreuung verdächtigt, muss für ein Defizit von 13,1 Millionen Euro geradestehen.

Am Sonntag wird die B-Probe analysiert. Dann will Fränk Schleck bei der Polizei Klage gegen Unbekannt einreichen. Sein Anwalt Albert Rodesch spricht von Vergiftung. Schleck selbst verschickt seit gestern vorsorglich in ganz Luxemburg SMS. Mit der Bitte, an seine Unschuld zu glauben. Bruder Andy (27) ist von der Unschuld seines Bruders überzeugt: «Ich habe 110 Prozent Vertrauen in meinen Bruder.» Er bestätigt, dass sein Bruder zum Zeitpunkt der Probe nicht unter dem Einfluss einer medizinischen Behandlung gestanden habe.

Während im normalen Leben jeder als unschuldig gilt, ehe er verurteilt ist, ist es im Radsport umgekehrt. Einer, der mit Doping erwischt wird, muss seine Unschuld beweisen. Ob Schleck verurteilt wird, ist offen. Die schlimmste Strafe aber hat er schon: In Luxemburg glaubt ausser seiner Familie kaum jemand an seine Unschuld.

Beliebteste Kommentare

  • Armella  Heller Baltensperger , via Facebook
    Seit Jahren kann ich mir nicht vorstellen, dass es auf normale Art und Weise möglich ist, während Tagen solche Leistungen auf dem Velo zu erbringen. Doping-Arten sind der Kontrolle immer um einen Schritt voraus.
    Wenn Schleck wirklich Medis benötigt hätte wegen seinen Nieren, so kann das vorgängig mit der Dopingkontrolle besprochen werden. Jetzt versucht er, als Unschuldslamm dazustehen.
    Immer wieder komisch, die ganzen Sachen mit Medis wegen angeblichen Erkrankungen etc.
    Wer weiss, was bei Armstrong auch abgelaufen ist!
    So geht der ganze Velosport vor die Hunde!
  • gerber  rolf
    Und immer wieder diese unglaublichen Ausreden .....

Alle Kommentare (12)

  •   Stuber Oliver , Niederbipp
    ich glaube nicht das schleck das nötig häte sich zu dopen er wahr auch sonst schon sehr gut und ich glaube an seine unschuld.
    • 28.07.2012
    • 1
    • 3
  • Peter   Hofmann , Dürtnen
    Es ist Naiv zu glauben, dass diese Leistungen mit Isostar oder ähnlichem zu bewältigen sind.
    • 21.07.2012
    • 6
    • 4
  • Willi  Meier-Jucker
    Cancellara kann nicht nachvollziehen,was mit Schlecki passiert ist.Dass dieser geschockt ist,das glaube ich schon.Wer sieht schon gerne einen Freund in der Tinte sitzen.Machen wir uns doch nichts vor.Fast jeder weiss oder ahnt was im Radsport vor sich geht und die meisten verschliessen die Augen.Was ich nicht weiss macht mich nicht heiss...
    • 21.07.2012
    • 4
    • 7
  • Constantin  Sarner , Allschwil
    Warum tut Fabian Cancellara so überrascht und schockiert? Er weiss doch ganz genau, was im Radsport abgeht.
  • Carlo  SCHNEIDER
    Operation Puerto in Spanien - Beim Dopingartzt Fuentes standen auch Spieler von Real und Barça, oder Tennis Topspieler auf der Liste, weitergefahndet wurde aber nur bei den Radfahrern. Ausreden brauchten die Ersteren nicht mal zu suchen. Wenn bei einem Fussball-EM Finalisten die halbe Mannschaft wegen Manipulationsskandal unter Verdacht steht, stellt anscheinend niemand sich Fragen.
    • 20.07.2012
    • 34
    • 4
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