Dopingsünder Fränk Schleck verschickt Unschulds-SMS. Sein Anwalt glaubt an Vergiftung. Teamkollege Fabian Cancellara ist geschockt.
Fränk Schleck (32) war an der Tour de France gedopt. Das Team hat ihn ausgeschlossen. Mediensprecher Philippe Maertens ist plötzlich der wichtigste Mann des Teams RadioShack. «Es liegt nun an Fränk, eine Erklärung zu finden», kommuniziert er. In der Apotheke des Teams gebe es das Mittel Xipamid jedenfalls nicht.
Schleck wird am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, positiv auf das Abführmittel getestet, mit der geringen Menge von 100 Picogramm (100 billionstel Gramm). Xipamid steigert die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren. Dopingmittel werden so schneller aus dem Körper eliminiert oder «verdünnt».
Die Doping-Nachricht hat Teamkollege Fabian Cancellara (31) geschockt. Er kennt Fränk Schleck sehr gut, fährt seit 2006 mit ihm in den Teams CSC, Saxo-Bank, Leopard Trek und RadioShack. «Ich kann nicht nachvollziehen, was mit Fränk passiert ist», sagt Fabian Cancellara. «Für ihn, für den Radsport und das ganze Team ist diese anormale A-Probe schlicht ein Desaster.»
RadioShack ist durch interne Streitereien, Verletzungen, Formschwächen, juristischen Zoff und den Dopingfall Fränk Schleck am Boden. Teambesitzer Flavio Becca, den die luxemburgische Justiz der Veruntreuung verdächtigt, muss für ein Defizit von 13,1 Millionen Euro geradestehen.
Am Sonntag wird die B-Probe analysiert. Dann will Fränk Schleck bei der Polizei Klage gegen Unbekannt einreichen. Sein Anwalt Albert Rodesch spricht von Vergiftung. Schleck selbst verschickt seit gestern vorsorglich in ganz Luxemburg SMS. Mit der Bitte, an seine Unschuld zu glauben. Bruder Andy (27) ist von der Unschuld seines Bruders überzeugt: «Ich habe 110 Prozent Vertrauen in meinen Bruder.» Er bestätigt, dass sein Bruder zum Zeitpunkt der Probe nicht unter dem Einfluss einer medizinischen Behandlung gestanden habe.
Während im normalen Leben jeder als unschuldig gilt, ehe er verurteilt ist, ist es im Radsport umgekehrt. Einer, der mit Doping erwischt wird, muss seine Unschuld beweisen. Ob Schleck verurteilt wird, ist offen. Die schlimmste Strafe aber hat er schon: In Luxemburg glaubt ausser seiner Familie kaum jemand an seine Unschuld.
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