Belgier feiern Fäbu mit Gala Cancellara schenkt Fans zum Abschied ein Bier aus

Am Morgen eine achtseitige Extra-Beilage in Belgien grösster Tageszeitung. Abends mit 6200 zahlenden Zuschauer ein voller Velokessel in Gent. Fabian Cancellara erlebt eine Abschieds-Gala wie noch kein Schweizer Sportler vor ihm.

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Seit Donnerstag ist Fabian Cancellara (35) in Belgien. Zum letzten Mal als Rennfahrer. Auf Abschiedstournee. «Krass... was hier alles abgeht», meldet er spätabends mit einem SMS. Er war auf der Buchmesse in Antwerpen. Für den Berner ein Novum – und auch ein grosser Erfolg.

Sein Buch «Fabian Cancellara» ist seit ein paar Tagen im Handel – und schon in den flämischen Top 10. Selbst Autor Guy Van den Langenbergh staunt: «Was war das für ein Rummel um Fabian. So was habe ich in meinem Heimatland noch nie erlebt.»

Fabian Cancellara kann sich in kein Café setzen. Sofort wird er erkannt, umringt. Er lacht: «Auch eine Sonnebrille nützt nichts.» Küsse von älteren Frauen, Schulterklopfer von Männern. Für die Flamen ist Cancellara einer der ihren, ein Superstar.

Das Radsport-Museum in Oudenaarde wirbt mit der «Schatzkammer von Fabian». Sein Fanklub («Spartacus», 4000 Mitglieder) hat dort auch das Stammlokal. Am Donnerstag ist er auch noch Gast in der TV-Sendung «Van Gils & Gasten».

Das flämische Duo Clouseau überrascht ihn mit dem Lied «Jij bent een Flandrien» («Du bist ein Flandrien»). Da heisst es auch: «Auf Papier bist du ein Schweizer, aber sprichst unsere Sprache. Du bist nicht arrogant, immer willkommen in unserem Land, denn du bist ein Flandrien.»

Der Mythos des «Flandriens» verkörpert den unerschütterlichen Rennfahrer. Ein Kämpfer, der weder Regen, Wind noch Kälte scheut – und nie aufgibt. Cancellara gibt die Blumen weiter: «Rennen in Flandern haben eine einzigartige Atmosphäre. Ein Volksfest. Die Zuschauer sind fachkundig. Respektieren deine Leistung, auch wenn du nicht gewinnst.»

Am Samstagabend haben sie ihn im Velodrom «Het Kuipke» in Gent zum letzten Mal siegen sehen. Bei der grosse Abschiedsshow unter dem Motto «Ciao Fabian» ist unter anderen dabei: Sir Bradley Wiggins (36), der Tour-Sieger von 2012 und siebenfache Bahn-Weltmeister.

Gegen ihn setzt sich Fabian im Verfolgungsfinale über 2 km durch. Die ausverkaufte Halle bebt. 6200 Zuschauer haben zwischen 21 und 28 Euro Eintritt bezahlt, um den dreifachen Flandern-Sieger (2010, 2013, 2014), Triumphator von Paris-Roubaix (2006, 2010, 2013) und Gewinner des GP Harelbeke (2010, 2011, 2013) ein letztes Mal in Rennhosen zu sehen.

«Ich habe gespürt, wie mir in Belgien die Herzen zufliegen»

Natürlich fehlt auch der Allergrösste nicht. Eddy Merckx (71) kommt direkt aus Valencia. Auch Fabians Schweizer Fan-Club ist mit 50 Mitgliedern im Stadion. «Ich habe einmal mehr gespürt, wie mir in Belgien die Herzen zufliegen», sagt Fabian Cancellara.

Aber er weiss auch: «Ich bin Einzelsportler. Ich bin allein gekommen – und ich gehe auch allein.» Am Morgen schon hat Belgiens Zeitung «Het Nieuwsblad» den Schweizer mit einer achtseitigen Beilage «Ciao Fabian» geehrt. «Was soll ich da noch sagen», meint ein Fabian Cancellara mit nassen Augen. Es sind Momente, die er nie vergessen wird.

Das Stadion in Gent feiert ihn weit über Mitternacht mit TV-Szenen, Siegen und Niederlagen, Interviews und einer Live-Band. Fabian Cancellara geht vor Mitternacht. Er ist müde. Kommt seit seinem Olympia-Gold in Rio kaum mehr zur Ruhe.

Am Mittwoch wird er in Zürich an der Swiss Cycling Night geehrt. Tags darauf findet im Ringier-Pressehaus die Buch-Vernissage «Fabian Cancellara – Radrennfahrer und Familienmensch» statt. Krass, es läuft auch in der Schweiz weiter.

Publiziert am 13.11.2016 | Aktualisiert am 17.11.2016
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