Werni: «Habe 240 kg gedrückt»

  • Publiziert: 21.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

Der beste Schweizer Kugelstösser aller Zeiten, Werner Günthör, war im Blick.ch-Chat! Kugel-Werni sprach über den Überflieger Usain Bolt, seine neue «Karriere» als Eishockey-Spieler und seinen Rekord im Bank-Drücken.

Hansruedi Bärtschi, BE: Sehr geehrter Herr Günthör: Habe ihren Meisterwurf auf Blick Online gesehen. Sie scheinen ja noch immer in Topform. Was und wieviel Sport machen Sie noch?

Werner Günthör: Im Winter spiele ich viel Eishockey. In einem Lehrerteam in Lyss absolviere ich Trainings. Ab und an machen wir auch Teststpiele gegen andere Seniorenteams. Ich bin Center – aber mit wenig Erfolg. Ich muss in Zukunft mehr Tore schiesssen.

Frauchiger Patrick, Volketswil: Hallo Werni, was ist deine Meinung zu den heutigen Kugelstössern? Könntest du es mit denen heute noch aufnehmen? Zumal die alle ja nicht an deine besten Weiten herankommen...

Werner Günthör: Wenn ich es heute noch mit anderen Kugelstossern aufnehmen könnte, dann wäre ich an den Olympischen Spielen in Peking dabei. Wenn man nicht täglich trainiert, nimmt die Leistung rapide ab. Das Kugelstossen ist interessanter geworden, weil die Spitze breiter ist. Grössere Weiten kann man nur erreichen, wenn man die Regeln ändern würde. Man könnte beispielsweise aus dem Diskus-Ring stossen. Dann würde dank der Drehstoss-Technik gegen 24 Metern erreicht werden. Das behaupte ich jetzt mal.

Hügi Seppe, Basel: Guten Tag Herr Günthör: Haben Sie nach dem Nichtgewinnen einer Medaille in Barcelona geheult? Anonsten Danke noch für Ihre erbrachten Leistungen für das Kugelstossen!

Werner Günthör: Ja, ich habe geheult. Nicht weil ich verloren habe, sondern weil ich von mir selber enttäuscht war. Ich konnte am Tag X meine Leistung nicht abrufen.

Susanne, Wohlen: Bist du noch zu haben?

Werner Günthör: Ich bin seit 15 Jahren mit Nadja verheiratet. Muss Dich also enttäuschen!

Würgler Timo, Bolligen: Hallo Herr Günthör, habe gelesen, dass sie die Kugel immer noch weiter als alle anderen Schweizer stossen können. Reizt es sie nicht, nochmal schnell Schweizermeister zu werden?

Werner Günthör: Wenn man einmal an der Weltspitze gewesen ist, dann ist ein SM-Titel nicht mehr so reizvoll. Zudem habe ich diverse Schweizermeistertitel errungen, gegen 15. Ausserdem könnte es für die Jungen demotivierend sein, wenn ich mit meinen 47 Jahren noch mitstossen würde.

Würgler Timo, Bolligen: Juckt es sie nicht, wenn sie die Athleten in Olympia sehen in den Fingern? Geben Sie es zu, Sie würden am Liebsten mitmachen!

Werner Günthör: Wegen den Emotionen würde ich gerne noch einmal dabei sein. Der Trainingsaufwand ist aber dermassen gross. Die Kugelstosser in Peking sind viel Jünger als ich. Es gäbe eine Senioren-Weltmeisterschaft, wo ich vom Alter her besser hinpassen würde.

Strickler Paul, Au-Wädenswil: Ich war damals in Barcelona live vor Ort und habe Dich aus nächster Nähe gesehen; auch wie es Dir schlecht erging! Mein Kollege und ich waren totale Fans von Dir und dem Kugelstossen und haben nichts verpasst. Ja ich denke Du warst den Tränen nahe – wir übrigens aber auch!! Heute noch Fan von Dir.

Werner Günthör: Lieber Paul. Schön, dass Du damals dabei warst. Mir geht es in der Zwischenzeit wesentlich besser. Ich hoffe, Dir auch? Es ist natürlich schön, treue Fans zu haben.

Mario, Oberland: Sali Werner, soeben hat Jamaika die 4x 100m gewonnen mit neuem Weltrekord!!! Wie erklärst du dir die Leistung von Bolt?

Werner Günthör: Als Aussenstehender ist das ganz schwierig zu beantworten. Ich weiss nicht, was Bolt in seiner Jugend geleistet hat, wie er trainiert hat. Es ist fast beängstigend, wie schnell dieser Mensch ist. Er hängt die starke Konkurrenz locker ab. Bolt ist ein Überflieger.

Fabian, St. Gallen: Hallo Werni, warum ist die Schweiz in der Leichtathletik allgemein zu wenig konkurrenzfähig?? So viel ich weiss sind in Peking vielleicht eine Hand voll Leichtathleten dabei...

Werner Günthör: In der Leichtathletik braucht es zeitlich einen enormen Aufwand, um sich überhaupt Chancen auszurechnen, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen. Es fehlt an der Unterstützung für die Athleten (Ausbildung, Sponsoren, Betreuung, Infrastruktur, Trainer etc). Je nach Disziplin muss der Athlet die physischen Vorraussetzungen mitbringen. Nicht einfach, in unserem kleinen Land.

Zerini,Lola,Offenbach: Jessica,Friedberg:Wenn du dich von Käse-kreckern oder Marzipanbällchen entscheiden würdest was würdestu lieber naschen xD?

Werner Günthör: Nichts da. Wenn schon süss, dann Schweizer Schoggi.

Hügi Seppe, Basel: Mit was haben Sie früher trainiert, dass die Kugel auch noch heute noch am weitesten fliegt? Mit Kühen oder Felsen?

Werner Günthör: Als Kind hab ich Steine in den See geworfen, tonnenweise! Heute würde der Umweltschutzverband sicher einschreiben :-)

Ischcrauer us Bieu: Hey Werni, bisch bereit für d Hockeysaison??? Hoffe du bisch flissig am trainiere ds Peking...wie isch d Stimmig ds Peking u wie gfauts dir??? Gruess Stefu

Werner Günthör: Ich bin in Biel, nicht in Peking. Das Eishockey-Training und eine seriöse Vorbereitung war mir wichtiger als China. Schliesslich wollen wir Euch auch in dieser Saison vom Eis putzen...

Ischcrauer us Bieu: Ohne Fleiss kein Preis Werni....usem Handglänk isch es ja scho sehr guet, eifach dr körperisatz füt no chlei ;o)...

Werner Günthör: Wir wollen ja keine Schwerverletzten wegen übertriebener Härte auf dem Eishockeyfeld :-)

Strickler Paul, Au-Wädenswil: Haben Sie noch Kontakt zu heute aktiven Kugelstössern; und mit Ihren ehemaligen Konkurrenten wie Timmermann/Beyer, etc.?

Werner Günthör: Zu Udo Beyer habe ich seit Jahren Kontakt. Wir treffen uns regelmässig. Er wohnt in Potsdam, er ist dort immer noch sehr populär. Udo ist ein sehr liebenswürdiger Mensch.

Fritz Müller, Luzern: Guten Tag Herr Günthör. Vermissen sie eigentlich ab und zu Ihre Zeit als Profissportler?

Werner Günthör: Die Erinnerungen an meine Aktiv-Zeit sind wunderbar. Der Druck, der auf meinen Schultern gelastet ist, war nicht immer angenehm. Darauf kann ich gut verzichten.

daniela friedli, biel: wie finden sie die leistung unserer sportler ?

Werner Günthör: Die Schweizer haben in Peking grundsätzlich sehr gute Leistungen abgegeben. Wir haben immerhin sechs Medaillen geholt (mit dem Reiten). Es zählen aber nicht nur die Medaillen, sondern auch die Diplome und die persönlichen Bestleistungen. Das darf man nicht vergessen.

Justin Credible Basel: Hey Werni, mich würde wunder nehmen, wieviel Kilo du Bandrücken kannst?

Werner Günthör: Mein Rekord liegt bei 240 Kilos. Kürzlich hab ich für mich während einer Wartepause einen Test gemacht. Ich kam auf 160 Kilos – es wäre aber mehr möglich gewesen, wenn ich nicht alleine gewesen wäre.

Daniela Grünig, Seftigen: hallo werni – an dieser stelle möchte ich dich ganz herzlich grüssen! ich hoffe du kennst mich noch (hatte vor ein paar jahren jeden MI-nachmittag in magglingen speertraining)

Werner Günthör: Hallo Daniela, klar kenne ich Dich noch. Hoffentlich geht es Dir gut? Meld Dich doch, wenn Du wieder einmal in Magglingen bist.

bruno hofmatt, baldegg: hallo günthör, wie wärs mit der olympiade? könntest locker die goldmedaille holen mit ein bisschen training, wir schweizer haben sowiso nichts bessers am start also komm mach dich heiss fürs jahr 2012 london ;)

Werner Günthör: Wenn es so einfach wäre, würde ich 2012 in London an den Start gehen. Keine Frage. Nach einer Bandscheiben-OP ist der Rücken aber leider nicht mehr so belastbar. Eine Olympia-Teilnahme ist auch keine Touristenreise.

Daniela Grünig, Seftigen: leider bin ich nicht mehr so oft in magglingen anzutreffen – werfe nach meinem kreuzbandriss im 2005 nicht mehr!

Werner Günthör: Wir können in der Leichtathletik immer gute Werfer-Trainer gebrauchen!

Schnyder Andy Bäretswil: Sali Werni Wenn ich der aktuelle Schweizermeister im Kugelstossen wäre, würde ich Dir meine Medaille zusammen mit einer Flasche Weisswein überbringen und mit Dir anstossen.

Werner Günthör: Und noch ein Fondue dazu.

Blick.ch-Sportchef Micha Zbinden besuchte Werner Günthör in einem Schulzimmer der Fahrschule Richard an der Bahnhofstrasse in Biel. «Kugel-Werni» chattete während einer Stunde und beantwortete die Fragen der Leser. Lesen Sie hier das vollständige Chat-Protokoll!

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Das sagt «Kugel-Werni» nach dem Chat:

Das war mein erster Chat überhaupt. Es hat mir Spass gemacht. Ich werde zum Olympia-Abschluss am Montag auf Blick.ch noch einmal bloggen. Au reservoir, Werner.

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