Bronze-Fabian von Emotionen überwältigt Schlaflos in Peking

  • Publiziert: 10.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Hans-Peter Hildbrand
play Posterboy: Es ist bloss ein Bild der grossen Mauer hinter Cancellara – aber die Medaille ist echt. (Sven Thomann)

Kein Champagner. Und doch sah Fabian Cancellara (27) so aus, als er hätte er die Nacht durchgemacht.

Es waren die Emotionen, die ihn im Bett hin- und herwälzen liessen. «Ich bin überglücklich», war Cancellaras erster Kommentar im olympischen Dorf. Das «Glücklichsein» sah man ihm nicht an. Einen Tag nach seiner Bronzemedaille im Strassenrennen musste man seinen Worten glauben. Seine Augenlider waren dick ge-schwollen, er sah müde aus, das Gähnen musste er unterdrücken.

«Ich konnte einfach nicht schlafen. Die grosse Müdigkeit, die Hitze, die Emotionen», erklärte der Berner. «Die letzten zwei Rennstunden gingen mir immer wieder durch den Kopf.» Er war im Strassenrennen vielleicht nicht der Stärkste, aber sicher der Cleverste. Im Finale war er nicht über das Renngeschehen informiert gewesen. «Radio-Tour war miserabel, der Funk mit dem zu weit hinten fahrenden Materialwagen schlecht. Ich musste auf mein Gefühl vertrauen.»

Und er tat es. Er fuhr die letzte lange Steigung in seinem Rhythmus hoch. Wurde von Alejandro Valverde (Sp) und Paolo Bettini (It) abgehängt, dann schloss er wieder auf. «Wollte ich die Lücke zur Spitze schliessen, musste ich attackieren.» Die letzten 5000 Meter fuhr er deshalb wie ein Zeitfahrer. «Das war riskant. Doch diese eine Chance nutzte ich perfekt. Insofern habe ich alles richtig gemacht.» Als Einzelkämpfer – er war nach dem Ausfall von Michael Albasini (Schlüsselbeinbruch) allein im Schweizer Team – schaffte er das Kunststück Bronze.

Der Regen gestern in Peking war für ihn ein Glücksfall. Chinesische Spezialisten feuerten keine 1100 Raketen mehr mit Silberjodid in die Regenwolken. So wie am Samstag während der Eröffnungsfeier, um das Nationalstadion trocken zu halten. Damit brachten sie die Wolken ausserhalb von Peking künstlich zum Abregnen.

Der Regen reinigte die Luft und drückte die Temperaturen um zehn Grad nach unten. Cancellara sass gestern nicht auf dem Velo. «Ich blieb im Zimmer, schlief, schaute andere Sportarten am Fernseher und schlief wieder ein.»

Die unmittelbare Vorbereitung für das Zeitfahren («Hole ich nicht Gold, dann habe ich versagt.») beginnt er am Montag: Mit einem zweistündigen Training auf dem Parcours. «Da werde ich Material und die Übersetzungen testen.»

Am Tag vor dem Rennen wird er noch zwei, drei Stunden hinter dem Motorrad Tempo fahren. «Ich weiss, ich bin in Form. Hitze und Feuchtigkeit habe ich im Griff. Und hole ich Gold, so nehme ich gerne eine weitere schlaflose Nacht auf mich.»

Top 3

1 Sie läuft schneller, als man ihren Namen lesen kann!bullet
2 Lewis: «Nur ein Dummkopf stellt keine Fragen»bullet
3 Bei Miss Speer bleibt jeder Speer spitzbullet

Sport