Olympiasieger Steve Guerdat über sein Pferd des Lebens Geniesse die Pension, Nino!

Gold-Wallach Nino wird am Sonntag aus dem Turniersport verabschiedet – bleibt aber im Leben von Steve Guerdat (34). «Ohne ihn wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin.»

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 «Zeit, den Fans reinen Wein einzuschenken» Ex-Manager fordert Klarheit...
2 Ex-Coach Becker über Djokovic-Out «Das verändert alles komplett!»
3 Nach Uhren-Gala in Genf Was läuft da zwischen Lima und Hamilton?

Sport

Immer informiert - Abonnieren Sie den BLICK Sport Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK Sport News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden

Die tiefe Bindung und das blinde Vertrauen zwischen Pferd und Reiter in Worte zu fassen, ist schwierig. Steve Guerdat sagt es so: «Mein erster Gedanke am Morgen und mein letzter am Abend gehören Nino.» Täglich frühmorgens in seinen Stall in Herrliberg zu kommen und zu wissen, dass ihn sein Herzenspferd erwartet, sei wunderschön.

Jetzt geht die Karriere von Nino zu Ende. Am Wochenende in Genf kommt er zu seinem letzten Einsatz. Und geht nach dem GP in Pension. Schon jetzt blickt Olympiasieger Guerdat ­etwas wehmütig zurück. «Mit Nino am Strand von La Baule oder auf der Allmend in Frauenfeld zu galoppieren, ist unvergesslich. Unsere Zeit war voller Glücksmomente.» Und solche werden das Leben des 34-Jährigen weiterhin bereichern.

Kein Abschied

Denn auch nach dem Rückzug von Nino aus dem Spitzensport bleibt die Bindung zwischen Guerdat und Nino eng. Der 15-jährige Wallach verbringt seinen Ruhestand bei Guerdat. «Nino verabschiedet sich von Turnieren, aber ich muss mich nicht von ihm verabschieden», sagt der Jurassier glücklich. Ein dauerhaftes Adieu wäre Guerdat schwergefallen.

Vor sechs Jahren zog Nino in seine Box auf dem Rütihof. Anfänglich beschrieb ihn sein Reiter als übermütig, heute als gelassener. «Aber kaum sieht er das erste Hindernis, ist er hellwach und mutig.» Das Duo harmonierte rasch. Nino kämpft für Guerdat, Guerdat setzt den Gold-
Wallach aus Rücksicht behutsam ein. Nino – ein Phänomen, ein Genie. Die Superlative sind irgendwann ausgegangen.

Guerdat weiss: «Ohne Nino wäre ich nicht der Reiter, der ich jetzt bin. Und ich wäre nicht da angelangt, wo ich jetzt bin.» Zwei erfolgreiche Olympia-Teilnahmen mit demselben Pferd sind so selten wie speziell.

Nach seiner Stute Jalisca Solier (16), mit der er zu Team-EM-Gold (2009) und Team-Olympia-Bronze (2008) gesprungen war, hinterlässt nun Nino des Buissonnets die tiefsten Hufspuren im Herzen des sensiblen und ehrgeizigen Guerdat.

Jalisca Solier blieb nach ihrem Rückzug aus dem Sport 2013 am CSI Genf ebenfalls in Herrliberg, musste jedoch nur sechs Wochen später nach einem Weideunfall eingeschläfert werden. Calvaro (17), das bis heute wohl bekannteste Schweizer Springpferd, behielt Willi Melliger nach dessen Verabschiedung im Februar 2003 auch in seinem Stall im solothurnischen Neuendorf, musste ihn aber im selben Jahr einschläfern.

Ausreiten werden sie weiterhin

Guerdat denkt wenige Tage vor seinem letzten Auftritt mit Nino noch nicht an dessen Derniere. Er hat sich entschieden, den Wallach aus dem Spitzensport zu nehmen. Um ihn keinem Verletzungsrisiko mehr auszusetzen. Würde ihm etwas passieren, er könnte es sich nicht verzeihen.

Mit Nino ausreiten, das möchte Guerdat aber noch so viele Jahre wie möglich. Denn auch nach dem Karriereende muss dieses Spitzenpferd beschäftigt und umsorgt werden. Alles andere würde Nino nicht glücklich machen. Und Guerdat erst recht nicht.

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 12.01.2017
teilen
teilen
0 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden

Neueste Videos

10 Kommentare
  • Tashunka  Blue aus Watt
    09.12.2016
    Steve Guerdat ist ein wahrer Tier, sprich Pferdefreund durch und durch.
    Er zeigt Herz und behaltet sein Supertier bei sich und gönnt ihm einen schönen Ruhestand...Im Gegensatz die Schlächter vom Osten die massenweise Pferde nach Italien auf den Schlachthof führen..
    ohne Wasser und Stundenlager Reise ohne Pause...verrückt !!!
  • Melissa  Baumann 09.12.2016
    Ich bewundere diesen Mann: Erstens weil er nicht habgierig ist und dass er das Pferd als seinen treuesten Freund ansieht und nicht nur als Geldquelle. Solche Freundschaften gibt es selten unter Menschen, da viele nur schauen wie sie von anderen profitieren können. Möge den beiden noch eine lange Freundschaft bevorstehen.
  • Peter  Wyss 09.12.2016
    Ich kenne die Reiterszene an der Goldküste persönlich sehr gut... es gibt da sicherlich schwarze Schafe. Aber der Steve gehört da nicht dazu. Der Stall ist vorbildlich gehalten. Dass sein Pferd bei ihm bleiben kann ist ihm hoch anzurechenen. Die meisten erfolgreichen Reiter stellen ihre Goldpferde im Jura ab. Danke Steve.... im Namen Deines Siegerpferdes NINO!
  • Landre  Marb , via Facebook 09.12.2016
    Das sind über viele Generationen an Menschennähe gezüchtete Stammbäume. Wir verwechseln ja unsere geliebten Hunde und Katzen auch nicht mit Wölfen und Wildkatzen.
    Dressierte Pferde in formgerechter Haltung instaurieren ein sehr intime und aufbauende Beziehung mit gutgesinnten Menschen.
    Und Nino hat nicht nur den Pferdeliebhaber viele emotive Momente geschenkt, sondern hat mit seinem Team auch unsere Schweiz als Image propositiv gepflegt.

    Danke an Nino mit Team!
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    09.12.2016
    Ich sehe die ganze Reiterei mit Skepsis. Ob das Pferd den Reiter genauso lieb hat wie umgekehrt? Während ein Pferd mit Decke überm Rücken allein in seiner Stallbox stehen muss, feiert der Eigentümer lustig daheim mit seiner Familie Weihnachten etc. Und das Pferd wurde zum Wallach. Lustig fürs Pferd, der Reiter hat noch alles dran. Dem Pferd wärs wohl auch lieber und es könnte frei mit anderen über die Prärie rennen.
    • Susanne  Reich 09.12.2016
      Habe ich auch schon gedacht. Man nimmt dem Tier praktisch alles weg, zwingt ihm seinen Willen auf und erwartet, dass es dabei glücklich ist. Jetzt sind Tiere die vernünftigeren Menschen: sie machen aus einer Situation das Beste oder sie kennen nichts Anderes und geniessen die Ausritte und dass man sich mit ihnen beschäftigt, weil sie doch viel eingesperrt sind, auch im Laufstall. Ich liebe Tiere sehr und ich finde, wir könnten vieles besser machen.
    • Landre  Marb , via Facebook 09.12.2016
      Frau Reich. Bei gewissen Einstellungen sollte man dann aber zur Kohärenz auch (zumindest) auf Poulet, Fleisch, Fisch, Eier, Wolle, etc. verzichten oder dann bei jeglicher alltäglichen Beschaffung selbständig sein. Ansonsten wird man schnell unbewusst selber zum krassen Täter. Bleiben wir bei Tieren doch besser nur bei der Haltung, denn "Tierhaltung" gibt es schon seit Jahrtausenden...