Am 23. Juli wird Swiss Olympic entscheiden, wer bei der Eröffnungsfeier die Schweizer Delegation anführen darf. Der Teppich ist für Roger Federer ausgerollt. Doch er will nicht.
Der Schweizer Missionschef Gian Gilli hat letzte Woche das Profil des Fahnenträgers definiert. Es müsse eine Person sein, die die Schweiz am besten repräsentiert. «Sie braucht internationales Palmarès, Renommee und sie muss verfügbar sein», sagte Gilli.
Auf dieses Profil passt eigentlich nur Tennis-Star Roger Federer. Der 30-Jährige hat die Fahne aber schon in Athen 2004 und in Peking 2008 getragen. Mehrmals in den letzten Wochen hat der Baselbieter betont, dass er nun darauf verzichten wird. Federer möchte einem anderen Athleten die Chance geben.
Doch wer könnte die ehrenvolle Aufgabe am Abend des 27. Juli überhaupt übernehmen? In Frage kommen aus dem 102-köpfigen Swiss-Team in London nur ganz wenige Schweizer Sportler.
Marathon-Läufer Viktor Röthlin (37), Tennis-Spieler Stan Wawrinka (27), Kunstturnerin Giulia Steingruber (18) oder Fussball-Team-Captain Diego Benaglio (28) mit dem perfekt passenden Spitznamen «Big Ben» gehören zu den meistgenannten Anwärtern.
Bei Benaglio stellt sich das Problem, dass die Fussballer am Donnerstagabend (26. Juli) in Newcastle bereits ihr erstes Spiel austragen und am Freitag nach Coventry weiterreisen, wo sie am Sonntag erneut spielen. Ein Abstecher nach London ist praktisch ausgeschlossen.
Als mögliche Kandidaten aus den Traktanden fallen Mountainbiker Nino Schurter und Triathletin Nicola Spirig. Sie werden erst nach der Eröffnungsfeier nach London reisen, weil ihre Wettkämpfe später anstehen. Ebenfalls nicht in die Kränze kommen wird Fabian Cancellara. Der Rad-Profi startet am folgenden Tag um 10.00 Uhr ins Strassenrennen und wird sich am Vortag nicht die Beine in den Bauch stehen.
Doch vielleicht überlegt es sich Roger Federer doch noch einmal anders. Denn der internationale Tennis-Verband ITF hat mit den Olympia-Organisatoren eine Vereinbarung getroffen.
Diejenigen Tennis-Spieler, die Fahnenträger sind, müssen nicht schon am Samstag, wenn das Olympia-Turnier beginnt, auf den Court. Dazu zählen unter anderem die Stars Rafael Nadal (Spanien), Novak Djokovic (Serbien), Maria Scharapowa (Russland) oder Agnieszka Radwanska (Polen). (rib)
| Jahr | Ort | Athlet | Sportart |
| 1948 | London | Armin Scheurer | Leichtathletik |
| 1952 | Helsinki | Walter Lehmann | Kunstturnen |
| 1956 | Melbourne | keine CH-Teilnahme | |
| 1960 | Rom | August Hollenstein | Schiessen |
| 1964 | Tokio | Peter Läng | Leichtathletik |
| 1968 | Mexiko | kein Fahnen-Träger | |
| 1972 | München | Urs von Wartburg | Leichtathletik |
| 1976 | Montreal | Christian Kauter | Fechten |
| 1980 | Moskau | kein Fahnen-Träger | |
| 1984 | LA | Christine Stückelberger | Reiten |
| 1988 | Seoul | Cornelia Bürki | Leichtathletik |
| 1992 | Barcelona | Daniel Giubellini | Turnen |
| 1996 | Atlanta | Stefan Schärer | Handball |
| 2000 | Sydney | Thomas Frischknecht | Mountainbike |
| 2004 | Athen | Roger Federer | Tennis |
| 2008 | Peking | Roger Federer | Tennis |
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