Gian Gilli muss über die Bücher «Das gibt mir zu denken!»

Der Chef de Mission zieht seine Olympia-Bilanz und sagt, was ihn am meisten bewegt hat.

  • Publiziert: 13.08.2012
  • Nicole Vandenbrouck, London
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Gian Gillis sportliche Bilanz: «Wir haben die fünf bis sieben geforderten Medaillen klar nicht erreicht. Vom Ziel, Platz 25 im Nationenranking, sind wir weit entfernt. Da müssen wir uns fragen, ist diese Zielsetzung strategisch noch richtig? Im Vergleich zu Peking mit 13 Diplomen sind wir mit sechs in London auch da schlechter geworden. Das spielt in der Sportentwicklung insofern eine Rolle, weil es uns zeigt, wie nahe wir der Weltspitze sind. Uns erstaunt auch die Diskrepanz zwischen den Selektionsresultaten und jenen an Olympia. Wir haben zu viele Ränge zwischen 20 und 40.»

Seine grösste Enttäuschung: «Die Tatsache, dass am Tag X nur 50 Prozent ihre Bestleistung abrufen konnten. Das hat mich wirklich erstaunt. Das ist der Punkt, der mich am meisten beschäftigt und mir zu denken gibt. Eine Medaille mehr oder weniger, das ist Zahlenspielerei. Aber nicht alle Massnahmen zu ergreifen, um dann am Tag X bereit zu sein, ist für mich nicht begreiflich.»

Sein bewegendster Moment: «Nebst den Medaillen gab es einen Moment, in dem ich sehr betroffen war. Als mir die beiden Fechter Max Heinzer und Fabian Kauter nach ihrem Ausscheiden gegenüber gestanden haben. Weltklasse-Athleten, die völlig traumatisiert sind von ihrem Scheitern. Die auch nach zwei Tagen noch nicht völlig realisiert haben, was passiert ist und es sich nicht erklären konnten. Nach einer Viertelstunde war ihr Wettkampf vorbei und alles ist zusammengebrochen. Diesen Menschen und ihrem Frust zu begegnen, das war eindrücklich.»

Sind Sie zufrieden mit der Schweizer Olympia-Ausbeute?»

Beliebteste Kommentare

  • Renato  Bern , Bern
    Was wollt ihr noch mehr? Mit dieser Amateursportförderung liegt einfach nicht mehr drin. Die meisten Sportler müssen nebenbei noch ganz normal Arbeiten, nicht wie in anderen Nationen wo sie sich 100 Prozent auf den Sport konzentrieren können.
  • Bjoern  Aeschlimann , Latterbach , via Facebook
    Sogar das kleine Neuseeland hat viel mehr geboten. Dort ist es halt noch eine Ehre für das Land zu kämpfen. 13 Medaillen! 5 Gold 3 Silber und 5 Bronze mit 4.4 Millionen Einwohner.

Alle Kommentare (33)

  • Rolf  Zurbuchen , Rüti , via Facebook
    das kommt halt so, die höchsten arbeitszeiten in ganz europa, dazu die ewige ausrede "ah die kleine Schweiz"! Dazu rote karten im fussball und ein Cancelara der die Strecke nicht kennt!!! Da müssen wir uns was einfallen lassen, den die anderen Nationen schlafen nicht!
    • 14.08.2012
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  • thomas  steffel
    sport und musik hat in der schweiz keinen stellenwert. spitzensportler sein wird noch immer nicht als beruf angesehen, sondern als hobby. solange sich an dieser einstellung nichts ändert, ändert sich auch im medaillenspiegel nichts. mangelnder stolz und mangelnde disziplin für sein land an einer olympiade teilzunehmen tragen sicher auch das seine bei. das grösste problem ist meines erachtens jedoch, dass in den schulen immer weniger gemacht wird, trunstunden gestrichen werden und die kids volkommen verweichlicht werden. es kann ja nicht sein, dass heutzutage die hälfte der schüler keine purzelbaum mehr kann oder die kletterstange hoch kommt...alles ein resultat dieser antiautoritären auswüchse der letzten 30 jahre.
    • 13.08.2012
    • 17
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  • Sandro  Bamert , via Facebook
    Schon mal darüber nachgedacht, dass die Schweiz auch sehr viel Geld in den Wintersport investiert? Andere Länder können alles in die Sommersportarten einsetzen, was eine noch bessere Förderung und Vorbereitung ermöglicht. "Euer Geld" sollte euch zu schade sein, weil es in andere unnötige Orte gebuttert wird, anstatt in den Sport. Von Touristen zu sprechen, ist einfach respektlos gegenüber den Athleten, welche tausende von Stunden in Vorbereitung und Training gesteckt haben. Jeder Athlet hat ganz bestimmt alles gegeben was er konnte während dem Wettkampf. Bei Cancellara z.B war Pech dabei. Nicht jedem Athlet kann am Tag X alles klappen! Ich glaube viele Schweizer haben einfach viel zu hohe Erwartungen, weil sie alles glauben was in den Medien steht. Vielleicht einfach mal die Medien-Brille absetzen, und das ganze "nüchtern" betrachten.
    • 13.08.2012
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  • joe  briski
    Barcelona war der Tiefpunkt der Schweizer Medaillenausbeute, was wohl viele vergessen haben, seitdem gehts doch langsam wieder aufwärts. Dass wir eine Wintersportnation sind geht in diesem Medaillenspiegel vergessen. Wir sind immer noch viel besser als Oesterreich, was ein schwacher Trost ist. Im Schulsport wird vieles verpasst an sportlicher Grundausbildung, welches später zugute kommen könnte in Trendportarten, welche zunehmend ins olympische Programm aufgenommen werden.
    • 13.08.2012
    • 12
    • 2
  • Luca   Yildiz , Binningen
    Der schwächste Schweizer Sportler an der Olympia war mit Abstand MEHMEDI!
    • 13.08.2012
    • 30
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