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Natacha Gachnang – schneller als Vettel!

Sie sollte die erste Frau in der Formel 1 werden: Natacha Gachnang, Rennfahrerin aus dem Welschland. Die Realität sieht mittlerweile anders aus.

  • Publiziert: 06.11.2008, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Interview: Daniel Leu

Madame Gachnang, Sie unterschrieben 2003 mit Willi Weber einen Zehn-Jahres-Vertrag. Gilt dieser Kontrakt noch?

Nein, wir haben unsere Zusammenarbeit schon vor zwei Jahren beendet. Es hat nicht gepasst, deshalb gingen wir unterschiedliche Wege.

Ist damit auch Ihr Formel-1-Traum geplatzt?

Ganz sicher nicht. Die Formel 1 bleibt mein Ziel. Zurzeit fahre ich in der spanischen Formel 3 für das Team von Adrian Campos. Er ist in den 80er-Jahren selber Formel 1 gefahren und hat nach seiner Aktivkarriere mit vielen Nachwuchstalenten zusammengearbeitet.

Der Deutsche Sebastian Vettel hat den Sprung in die Formel 1 schon geschafft. Er gilt als Shootingstar der Saison. 2004 fuhren Sie in der Formel BMW gegen ihn. Haben Sie ihn gelegentlich geschlagen?

In den Rennen der Formel BMW war er leider immer vor mir klassiert. Er siegte in 18 von 20 Rennen. Das ist eine beeindruckende Quote. Bei Testfahrten war ich aber mal vier Zehntelsekunden schneller als er. Ich kann also behaupten: Ich schlug Vettel!

War schon damals zu sehen, wie gut Vettel ist?

Ja, er ist ein sehr guter Fahrer, der wenige Fehler macht und konzentriert arbeitet. Er fuhr aber auch immer in sehr starken Teams und hatte die besten Ingenieure und Mechaniker um sich. Ich war 2004 leider nicht im besten Team. Deshalb lassen sich unsere Resultate nicht miteinander vergleichen. Im Motorsport brauchst du einen starken Rennstall. Selbst ein Ayrton Senna wäre ohne gute Teams nie so erfolgreich gewesen. Um Erster zu werden, muss bei dir und deinem Umfeld alles stimmen.

Oft wurde höhnisch gesagt, Ihre grösste Stärke sei Ihr Geschlecht. Nur deshalb hätten sich Niki Lauda und Willi Weber für Sie engagiert. Wie deuten Sie solche Aussagen
rückblickend?

Ich dachte früher auch, es sei im Motorsport ein Vorteil, eine Frau zu sein. Das stimmt aber nicht. Im Gegenteil, es ist manchmal auch ein Nachteil. Die Leute glauben nicht, dass es als Frau möglich ist schnell zu sein. Sie trauen dir das nicht zu. Deshalb brauchst du immer gute Resultate. Du musst über eine längere Zeit beweisen, dass du schnell und konstant Autorennen fahren kannst.

Wären Sie deshalb gelegentlich lieber ein Mann?

Nein, das dann doch nicht. Ich mag die Herausforderung, als Frau gegen Männer anzutreten und sie zu schlagen. In dieser Saison ist mir das oft gelungen. Ich belege in der spanischen Formel 3 momentan den dritten Rang. Damit bin ich zufrieden.

Diese Rennklasse ist eine Nachwuchsserie. Nur wer vorne mitfährt, hat Aufstiegschancen. Was kommt bei Ihnen im nächsten Jahr?

Zurzeit stecke ich mitten in Verhandlungen. Ich würde diesen Winter gerne in der GP2 Asia fahren. Das wäre ein weiterer Schritt nach oben. Die logische Fortsetzung danach wäre die GP2 in Europa.

Und dann die Formel 1?

Ja, darauf hoffe ich noch immer. Auch wenn der Weg dorthin noch sehr weit ist. Doch ich bin davon überzeugt, dass ich es schaffen kann. Sonst könnte ich ja gleich zu Hause bleiben und meine Karriere beenden. Sollte ich es in den nächsten beiden Jahren in die GP2 in Europa schaffen, ist die Formel 1 möglich.

Ihr Cousin Sébastien Buemi steht bei Red Bull vor dem Formel-1-Einstieg. Sind Sie gelegentlich neidisch auf ihn?

Nein, ich freue mich für ihn. Er würde die Chance verdienen, denn er arbeitet seit Jahren hart für dieses Ziel. Sébastien ist mindestens genauso schnell wie Sebastian Vettel.

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Sebastian Vettel 2004 über seine damalige Konkurrentin Natacha Gachnang

«Ich mag ihr die Aufmerksamkeit der Medien gönnen. Für ein Mädchen ist sie wirklich sehr gut. Ich spüre in unserer Rennserie überhaupt keinen Neid gegenüber ihr. Aber tauschen mit ihr möchte ich nicht, ich bin viel lieber ein Junge.»

Das komplette Interview im Sportmagazin

Lesen Sie im Sportmagazin mehr zu ihrem ehemaligen Manager Willi Weber, Nikki Lauda und wie das Verhältnis mit Vettel abseits der Rennstrecke war.

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