Nach Tomizawas Todes-Sturz Tom Lüthi brach in Tränen aus

  • Publiziert: 05.09.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Martin Arn

SAN MARINO - Schwarzer GP-Sonntag in San Marino: Shoya Tomizawa (19) wird nach einem Sturz überfahren und stirbt.

Es läuft die 12. Runde der Moto2-Klasse. Bei Tempo 200 rutscht das Hinterrad des Japaners Shoya Tomizawa plötzlich weg. Der 19-Jährige verliert die Kontrolle über seine Maschine, schlittert über den Asphalt. Die hinter ihm fahrenden Alex de Angelis und Scott Redding können nicht ausweichen, überfahren den Japaner gleich doppelt.

Tomizawa erleidet schwerste Frakturen des Brustkorbs, einen Schädelbruch, innere Blutungen. Er bleibt reglos auf der Rennstrecke liegen. Sein Herz setzt aus. Die Ärzte versuchen ihn an der Unfallstelle wiederzubeleben: Erfolglos. Tomizawa stirbt um 14.20 Uhr im Krankenhaus von Riccione.

Der Italiener Alex de Angelis ist schockiert: «Ich habe alles versucht, um nur das Motorrad und nicht ihn zu erwischen», sagt er mit zitternder Stimme: «Ich bin unendlich traurig.»

Der Schweizer Tom Lüthi (24), der ein paar Plätze hinter dem Japaner fuhr, hatte vom Unfall zuerst kaum etwas mitbekommen: «Ich sah die gelben Flaggen, die Gefahr signalisieren, und habe Tempo herausgenommen, damit ich mir die Reifen nicht an einem Trümmerteil kaputt fahre. Trotzdem flog ein Teil an mein Bein und an meinen Kotflügel. Nach dem Rennen musste ich gleich zur Podiumszeremonie und habe all die bedrückten Gesichter gesehen. Was passiert ist, überschattet meine Freude über den dritten Platz.»

Nach der Siegerehrung bricht Lüthi in Tränen aus, unfähig etwas zu sagen.

Völlig geschockt zieht sich Tomizawas Schweizer Teamkollege Dominique Aegerter (19) in sein Motorhome zurück. Tomizawa stand wie Aegerter beim schweizerisch-französischen Team Technomag-CIP unter Vertrag. Die Chassis für die Motorräder stammen von Suter Racing Technology aus Zürich.

Die beiden Schweizer Lüthi und Aegerter verstanden sich blendend mit Tomizawa. Der Japaner sei jederzeit für einen Spass zu haben gewesen.

Experten sagten ihm eine grosse Karriere voraus. Das erste Rennen der Saison hatte Tomizawa gewonnen: Schon da wies der junge Japaner aber darauf hin, wie gefährlich Motorradsport ist: «Es kann so viel passieren, man kann ganz schnell schwer stürzen.»

Die Fahrer sind fassungslos. Superstar Valentino Rossi: «Wenn so etwas passiert, ist alles andere nicht mehr wichtig.» Der deutsche Stefan Bradl: «Das ist, wie wenn ein Familienangehöriger stirbt.»

Jacques Cornu, der frühere Schweizer GP-Fahrer (1980-1990), sagt zu BLICK: «Leider gehören schwere Stürze zu diesem Sport. Zum Glück sind sie seltener geworden. Zu meiner Zeit gab es praktisch jede Saison einen tödlichen Unfall.»

Es ist der erste Todesfall in der Motorrad-WM seit April 2003, als der Japaner Daijiro Kato nach einem Sturz beim GP von Suzuka starb.

Für den Motorradsport geht eine schwarze Woche zu Ende: Vor wenigen Tagen war der 13-jährige US-Nachwuchsfahrer Peter Lenz in Indianapolis tödlich verunglückt.

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