Simona De Silvestro
Simona De Silvestro (21): «Wenn du abfliegst, kannst du nur noch die Augen schliessen und hoffen. Und schon machts peng! Meinen schlimmsten Unfall hatte ich Ende August dieses Jahres bei den Atlantic Championships, einen Tag vor meinem 21. Geburtstag. Beim Rennen in Kanada, in Mosport, ist bei Tempo 220 vorne rechts die Aufhängung gebrochen. Der Aufprall, halb in den Reifenstapel, halb in die Mauer, war ziemlich heftig. Ich hatte aber Glück und konnte ohne Verletzung, ohne eine Schramme, ohne irgendein Wehwehchen aussteigen. Ärgerlich war nur, dass ich durch den Unfall letztlich den Meistertitel verpasste.»
Tom Lüthi
Tom Lüthi (23) erzählt: «Mein spektakulärster Sturz war wohl jener in Motegi beim GP von Japan 2005. Es passierte in der letzten Runde just vor der Zielgeraden. Als ich im Kampf um den Sieg nochmals beschleunigte, rutschte das Hinterrad weg. Ich flog über den Lenker, die Maschine überschlug sich mehrmals. Hinter mir folgte der Spanier Sergio Gadea. Er konnte nicht mehr ausweichen, fuhr mir über die Füsse und prallte dann direkt in meine Honda. Ich hatte Glück im Unglück, renkte mir die Schulter aus und erlitt Prellungen, wurde aber auf Rang 2 gewertet. Eine Woche später gewann ich den GP von Malaysia.»
Marc Surer
Marc Surer (58): «Es passierte 1986 in der Hessen-Rallye, einem Lauf zur Europameisterschaft. Bei einer Kurve kam das Auto von der Strecke ab und prallte mit Tempo 200 in zwei Bäume (siehe Video unten). Der erste Baum schlitzte den Tank auf, wodurch das Auto in Brand geriet, der zweite Baum riss den Wagen in zwei Teile. Ich erinnere mich, wie ich meine Beine im Freien sah und es unangenehm warm wurde. Irgendwie konnte ich mich noch selber aus den Gurten befreien. Hätte ich das Bewusstsein verloren, wäre ich erbrannt. Wie mein Co-Pilot Michel Wyder. Die nächsten Erinnerungen habe ich erst wieder ans Spital, in dem ich zweieinhalb Wochen im künstlichen Koma lag, mit 30 Brüchen. Später kehrte ich an die Unfallstelle zurück, sah den Randstein, den ich vorher touchiert und der das Unglück wohl verursacht hatte. Das war wichtig für die Aufarbeitung. Den Unfall spüre ich heute noch jeden Tag. Aber auch die Dankbarkeit für ein zweites Leben.»
Karl Wendlinger
Karl Wendlinger (40): «Ich kann mich an nichts erinnern. Weder an den Unfall noch an die Stunden zuvor. Ich erinnere mich noch an das Abendessen am Tag vor dem Crash und dass ich danach noch ferngesehen habe. Ich erinnere mich an Imola 1994, den GP, an dem Ayrton Senna und Roland Ratzenberger tödlich verunglückten und ich im Rennen Vierter geworden bin. An meinen eigenen Unfall, zwei Wochen später im Training von Monaco, habe ich aber keine Erinnerung, keine einzige. Ich habe deb Unfall später am Fernsehen angeschaut, habe gesehen, wie ich im Sauber-Mercedes in der Hafen-Schikane seitlich in die Streckenbegrenzung prallte. Ich wollte nichts verdrängen. Ich wollte wissen, was genau passiert ist. Ich erfuhr, dass ich mit dem Kopf – damals war das Cockpit noch niedrig – anschlug, Hirnprellungen erlitt und danach in ein 19 Tage dauerndes künstliches Koma versetzt wurde. Aber den Grund, der zum Unfall führte, kenne ich bis heute nicht genau. Peter Sauber hat alle Daten offengelegt. Die ganze Telemetrie ist ausgewertet worden. Über das Warum kann ich aber nur spekulieren.»