Linda Züblin Der Engel und das Biest

  • Publiziert: 28.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Carl Schönenberger
play Ganz lieb: Linda Züblin und ihre Rottweiler-Hündin Mira bekommen nicht einmal im kühlen Bodensee kalte Füsse. (Benjamin Soland)

Wer ist der Engel, wer das Biest? Siebenkämpferin Linda Züblin (22) und ihre neuneinhalb-jährige Rottweiler-Hündin Mira fühlen sich in beiden Rollen wohl. Auf und neben dem Sportplatz.

Schauspielerin oder Polizistin. «Das sind als Kind meine Berufsträume gewesen», erzählt die junge Frau ganz cool. Keines von beidem hat sie schliesslich gepackt. Linda Züblin sitzt im Büro ihres Arbeitsplatzes in Bronschhofen TG. Im Geschäft für PC-Zubehör, der Krommess + Roth AG, einem Betrieb ihres Vaters, schmeisst Linda die Buchhaltung. «Löhne, Rechnungen, Mahnungen. Ich habe alles im Griff, dabei bin ich in der Schule in diesen Bereichen gar kein Hirsch gewesen.»

Anlauf auf Olympia-Limite

Vor allem aber hat Linda noch einen zweiten Job: Siebenkämpferin. Als solche unternimmt sie am Wochenende in Götzis ihren ersten Anlauf auf die Olympia-Limite für Peking. 6000 Punkte sind gefragt. «In den letzten Wochen habe ich mich ein paar Mal geärgert», sagt Züblin. «Da haben mich Leute angesprochen und mir gesagt, die fünf Punkte, die mir gegenüber der letztjährigen Bestmarke für Olympia noch fehlen, könne ich doch einfach packen. Dass ich dafür aber zuerst die 5995 Zähler wiederholen muss, das ist für alle selbstverständlich. Für mich nicht.»

Da wurde Linda zum Biest, zog sich kurzfristig mit einem Trainingslager in Portugal aus dem Verkehr.

Kein Engel an Wettkämpfen

In den Wettkämpfen will Züblin aber der Engel sein. Die standesgemässen blonden Locken dafür hat sie ja. Und um den Engel zu geben, braucht Linda nicht einmal auf ihren einstigen Berufstraum, die Schauspielerei, zurückzugreifen. «Wenn mich die Zuschauer anfeuern, dann habe ich das Gefühl, als Engel über die Hürden zu fliegen», sagt sie.

Wie himmlisch sie nach einem Exploit jubeln kann, hat die 1,71 m grosse und 57 kg schwere Thurgauerin schon mehrmals bewiesen.

Genau diese Rolle ist in der Siebenkampf-Szene momentan ohnehin gefragt. Wer soll nach dem Rücktritt der schwedischen Mehrkampf-Königin Carolina Klüft den Funken ins Publikum werfen? Rein sportlich kann das Züblin zwar nicht – 7000 Punkte sind für sie jenseits von Gut und Böse – aber als Entertainerin im Stadion ist Linda allemal gut.

«Ich will Leistung zeigen»

Züblin mag sich aber nicht mit der Spassmacher-Rolle begnügen. «Ich will Leistung zeigen», sagt sie. Und wie konsequent sie das tut, weiss ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sarah am besten. «Wenn es ernst gilt, wird Linda zur Wildsau», sagt Sarah. Auch sie arbeitet im Geschäft ihres Vaters. Auch sie ist Leichtathletin, Werferin. Sarahs Zwillingsbruder Andreas ebenfalls, er dominiert den Schweizer Zehnkampf-Nachwuchs.

Der Engel und das Biest. Wenn Linda drei Tage vor dem Götzis-Auftritt mit ihrer Rottweiler-Hündin am Hafen von Kreuzlingen spaziert, könnte man meinen, die Rollenverteilung sei klar. Doch die attraktive Herrin mit ihren breiten Sportlerinnen-Schultern siehts anders. «Mein Rottweiler ist ein extrem liebes Tier. Ein bisschen wie ich. Am liebsten spielt und frisst Mira nämlich.» Hündin Mira spielt für Linda noch eine andere zentrale Rolle. «Wenn ich zu zappelig bin, gehen wir zusammen spazieren.»

Linda Züblin, zwar Siebenkämpferin statt Polizistin. Aber zur Polizei hat sie dennoch eine starke Bindung. «Ich weiss nämlich jeden Morgen, weshalb mich mein Wecker so früh aus den Federn reisst», sagt Züblin und lacht. «Ich muss nämlich ins Büro gehen, damit ich jeden Monat meine Bussen bezahlen kann.» Und Parkbussen, fügt sie an, habe sie wohl erst eine gehabt. Den Rest «verdienen» die Radarkästen.

Engel und Biest – auch in ihrem pfeilschnellen, gesponserten Alfa Romeo Brera übernimmt Linda problemlos beide Parts. «In letzter Zeit fahre ich aber vermehrt mit dem Tempomat», sagt sie. Den kann sie auf dem Sportplatz ausschalten.

Mehrkampf-Mekka Götzis

Die Mehrkampf-Weltelite mit Linda Züblin, Simone Oberer und David Gervasi sind am Samstag und Sonntag im Vorarlberg.

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