Neben den Maschinen aus Osteuropa ist Jessica Ennis (26) ein «Finöggel». Weil ihre Leistungen im Siebenkampf dennoch riesig sind, trägt sie für Olympia die Last der britischen Gold-Hoffnung. Beim Mehrkampf in Götzis zeigt sie mit neuem persönlichen Rekord, was Sache ist. 6906 Punkte - britischer Rekord und weltweit die Nummer 7 aller Zeiten.
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Pech für Simon Walter, der von einer Fersenprellung behindert wird. (Keystone)
Seit Ennis 2009 in Berlin Siebenkampf-Weltmeisterin wurde, ist die 1,65 m kleine und 57 kg schwere Britin auf der Insel das Gesicht von London 2012. Ennis da - Jessica dort. Sie lacht von über-lebensgrossen Postern, von Cover-Seiten zahlreicher Hochglanz-Magazine, bei TV-Werbung für Adidas, BP, Powerade oder Olay via Fernsehschirm in die Stuben. Sie hat Auftritte als Uhren-Botschafterin von Omega und tritt bei Fashion-Partys in extravaganten Labels von Victoria Beckham oder Alexander McQueen auf. Wenn Ennis in England in einem Restaurant erscheint, ist der Rummel so gross wie beim Fussball-Heiligen David Beckham.
So ist Ennis ist in den letzten drei Jahren Millionärin geworden - nicht in den Stadien.
Aber wie bloss soll sich die zierliche Frau auf ihren Olympia-Coup konzentrieren? Dafür sorgt Trainer Toni Minichiello, der sie sportlich umsorgt, seit Jessica 11-jährig war. Und daheim in Sheffield ihr Verlobter Andy Hill, ein Bau-Ingenieur, sowie ihr brauner Labrador Myla. Bei ihnen holt sie Ruhe, Ablenkung und die Kraft fürs tägliche Training. Zum hohen Erwartungsdruck der ganzen Nation sagt Jessica nur: «Da bin ich doch keine Ausnahme. Jeder gute Sportler träumt vom Olympiasieg, erst recht, wenn die Spiele im eigenen Land sind.»
Am Samstag und Sonntag gibt Ennis beim Mehrkampf-Meeting in Götzis (Ö) sportlich den Tarif an. Vor Olympia will sie den körperlich überlegenen Konkurrrentinnen aus der Ukraine, Weissrussland und Russland zeigen, wer die Chefin ist. Zehn schreibende Journalisten von «Sun» bis zur «Times», Radio- und TV-Teams von BBC lassen sie dabei keinen Moment aus den Augen.
Jessica nützt die Gelegenheit, den Yellow-Press-Schreiberlingen eins zurückzugeben. Ennis sei zu fett und zu schwer geworden, hatten die in den letzten Tagen grosslettrig verbreitet. «Stimmt alles nicht», sagt Trainer Minichiello. Und Jessica zeigt, dass es Muskeln sind und nicht Fett.
12,81 Sekunden im Hürdensprint zum Auftakt, 1,85 m im Hochsprung, 14,51 m mit der Kugel, 22,88 Sekunden über 200 m, 6,51 m Weitsprung, 47,11 m Speer und 2:09,00 Minuten über 800 m. Mit 6906 Punkten hat die britische Olympiagold-Hoffnung deutlich gezeigt, dass sie die Erwartungen Anfang August erfüllen will. In vier der sieben Disziplinen war sie in Götzis besser denn je.
Der Schweizer Zehnkämpfer Simon Walter strich beim Mehrkampf-Meeting in Götzis (Ö) frühzeitig die Segel. Eine Fersenprellung hatte den Zürcher zur Aufgabe gezwungen. Als Sieger im Mehrkampf-Mekka liessen sich Hans van Alphen (Be) und Jessica Ennis (Gb) feiern.
Walter hatte sich die Blessur bereits vor einer Woche in Landquart zugezogen. In Götzis wog dieses Handicap zu schwer. Nach einem verhaltenen Start folgte im Hochsprung, der vierten Disziplin, ein Nuller. Am Ende des ersten Tages entschied sich der Schweizer zur Aufgabe. Walter ist mit seinem Bestleistung aus dem Vorjahr (7973 in Brixen/It) bereits für die EM in Helsinki qualifiziert. Der Zürcher will diesen Sommer als sechster Schweizer die Marke von 8'000 Punkten knacken. Für London 2012 wären 8'200 Zähler erforderlich.
Der belgische Überraschungsmann Hans van Alphen sicherte sich in Abwesenheit der US-Stars, die sich auf die Olympia-Trials vorbereiten, mit 8'519 Punkten den Sieg, knapp vor dem Holländer Eelco Sintnicolaas (8'506). Hochkarätiger war das Resultat bei den Frauen. Jessica Ennis gewann den Siebenkampf mit 6'906 Zählern. (Si)
Götzis (Ö). Mehrkampf-Meeting. Männer. Zehnkampf. 1. Hans van Alphen (Be) 8'519 (100 m 10,96/Weit 7,62/Kugel 15,23/Hoch 2,06/400 m 49,54/110 m Hürden 14,55/Diskus 45,45/Stab 4,96/Speer 64,15/1500 m 4:20,87). 2. Eelco Sintnicolaas (Ho) 8'506 (10,77/7,27/14,20/2,00/48,02/14,10/42,81/5,36/63,59/4:26,98). 3. Pascal Behrenbruch (De) 8'433 (11,11/7,09/16,26/2,03/48,64/14,19/47,99/4,86/66,72/4:36,88). 4. Rico Freimuth (De) 8'322. - Bemerkung: Aufgabe nach dem 1. Tag von Simon Walter (Sz) 2'999 (11,34/6,79/12,97/Nuller/50,67) wegen einer Fersenprellung. - 26 gestartet, 16 klassiert.
Frauen. Siebenkampf. Schlussklassement: 1. Jessica Ennis (Gb) 6'909 (100 m Hürden 12,81/Hoch 1,85/Kugel 14,51/200 m 22,88/Weit 6,51/Speer 47,11/800 m 2:09,00). 2. Tatjana Tschernowa (Russ) 6'774 (13,34/1,82/13,75/23,49/6,44/53,21/2:08,94). 3. Ljudmila Josipenko (Ukr) 6'501 (13,42/1,82/13,92/24,03/6,30/48,79/2:15,28). 4. Austra Skujyte (Lit) 6'493. 5. Lilli Schwarzkopf (De) 6'461. 6. Jessica Zelinka (Ka) 6'393. 7. Dafne Schippers (Ho) 6'360. 8. Jennifer Oeser (De) 6'345. 9. Natalja Dobrinska (Ukr) 6'311. - Ferner: 27. Elodie Jakob (Sz) 5'339 (14,36/1,64/11,63/26,11/5,58/41,52/2:22,93). - 28 gestartet.