
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Am Samstagabend um 21 Uhr klopft eine englische Lady an Röthlins Hotelzimmertür. Sie stellt sich als Dopingfahnderin vor – im Auftrag von Anti-Doping Schweiz. Der Zeitpunkt der Kontrolle, 12 Stunden vor dem London-Marathon, ist gezielt. «Der deutsche Radprofi Sinkewitz ist morgens um sechs mit Wachstumshormon erwischt worden. Später hätte man das nicht mehr entdeckt», sagt Anti-Doping-Schweiz-Boss Matthias Kamber.
Europameister Viktor Röthlin ist als Ausdauer-Athlet besonders im Visier der Dopingjäger. Und eines ist klar: Epo oder Wachstumshormone wirken am effizientesten, wenn sie in kleiner Dosierung in der Einschlafphase gegeben werden. Halt zu der Zeit, als es bei Röthlin an die Zimmertür klopfte.
Nach zwei Lungenembolien – mögliche Folgen von Epo-Doping – hat Vik 2009 zwar medizinisch nachgewiesen, dass bei ihm die Blutgerinnung genetisch gestört ist. Aber das schützt ihn nicht. Denn, wann ausser vor einem wichtigen Rennen würde Doping Sinn machen? Für Röthlin ging es in London um viel, sportlich wie wirtschaftlich. So betrug seine Startgage ursprünglich 112 000 Franken, wurde allerdings wegen der langsamen Zeit um die Hälfte gekürzt.
Nach seinen enttäuschenden 2:12:44 Stunden kritisierte Röthlin die Kontrolle: «Ich bin in der Wettkampf-Vorbereitung gestört worden.» Dopingjäger Kamber gibt ihm insofern recht, als die Probe nicht professionell ablief. Die Engländerin stocherte zwei Stunden mit der Nadel in Viktors Unterarm herum, bis sie Venen zur Abnahme der 16 Milliliter Blut fand. «Dafür entschuldige ich mich bei Röthlin», sagt Kamber. «Normal dauert das 20 bis 30 Minuten. Wir beschweren uns auch bei den Engländern, die das in unserem Auftrag machten. Immerhin stehen sie mit Olympia 2012 international im Schaufenster.»