Schweizer erhebt schwere Vorwürfe Skandal an der Handball-WM

  • Publiziert: 30.01.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Benny Epstein

Die Fehlentscheide gegen Deutschland sind nur die sichtbare Spitze eines Eisberges von Korruption und Betrug.

Auch für den Laien sind die Fehlentscheide, welche diese Handball-WM fragwürdig machen, klar ersichtlich. Deutschland hat es am härtesten getroffen. Das Team von Trainer Heiner Brand wurde von den krassen Fehlentscheiden der Schiedsrichter um seine Titelchancen gebracht.«Ich habe die Spiele selbst nicht im Stadion gesehen», erklärt Peter Mühlematter (64), Generalsekretär des Internationalen Handballverbandes IHF. «Aber ich habe mir die strittigen Szenen der beiden entscheidenden Spiele Deutschlands danach im Fernsehen angeschaut. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Aber das wundert mich nicht. Schliesslich ist der Turnierleiter der WM dieselbe Person wie der Schatzmeister der IHF.» Der Mann in doppelter Mission ist der Spanier Miguel Roca, der mit IHF-Präsident Hassan Moustafa unter einer Decke steckt.Der Ägypter – wegen seiner Alleinherrschaft und wohl auch aufgrund seiner markanten Nase «Pharao» genannt – steht seit 2000 an der Spitze der IHF. Schon seine Wahl zum höchsten Handballer der Welt war dubios und kam nur dank der Unterstützung von arabischen Ölscheichs zustande. Seit der Pharao auf dem Thron sitzt, wird der Verband mafiös geführt.Nun hat ein Schweizer die Nase voll: Peter Mühlematter, als Generalsekretär dem Pharao hierarchisch unterstellt. Der Berner fordert seinen Chef auf, das Amt niederzulegen. Die Vorwürfe, die er gegen Mustafa erhebt, sind happig: Moustafa habe für angebliche Dienstflüge Reisespesen von total 600000 Franken abgerechnet. Ohne Belege. «Eine Sache des Vertrauens», sagt der Ägypter dazu. Schon mehrfach habe Moustafa kurz vor einem wichtigen Spiel die vorgesehenen Schiedsrichter ab- und ein neues Schiri-Paar eingesetzt. Dieses pfiff in der Regel parteiisch mit teils haarsträubenden, offensichtlichen Fehlentscheiden. Moustafa verhindere den Kampf gegen Doping. Noch nie führte die IHF Trainingskontrollen durch, das A und O der Dopingbekämpfung. Dies verstosse gegen die IOC-Regeln und bedrohe somit den Olympia-Status des Handballs. Moustafa schulde der Schweiz viel Geld! Seit acht Jahren ist er Präsident der IHF, deren Sitz in Basel ist. Internationale Sportverbände müssen hierzulande keine Steuern bezahlen. Aber die einzelnen Arbeitnehmer entrichten eine Quellensteuer. «Aber Moustafa hat der Schweiz noch keinen Fünfer bezahlt», sagt Mühlematter.Von BLICK mit den Vorwürfen konfrontiert, kontert der angeschuldigte Präsident nur halbherzig, wortkarg: «Herr Mühlematter kann sagen, was er will. Die Wahrheit ist anders.» Unbestritten ist, dass der Schweizer Generalsekretär beim Verband als «das Gewissen» gilt.Anspruch auf den Thron hat er keinen. Doch der Berner will unbedingt verhindern, dass der Pharao im Juni 2009 wiedergewählt wird.Nach den neusten Vorfällen an der Weltmeisterschaft in Kroatien ist für Peter Mühlematter klar: «Nie war der Zeitpunkt, um reinen Tisch zu machen und Gerechtigkeit walten zu lassen, besser als jetzt.»

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