6'700 Fans feiern Schweizer Nati: Handballer mit Achtungserfolg gegen Frankreich

Auch eine klare Niederlage kann ein Erfolg sein. Die Schweiz fordert Frankreichs-Starensemble mehr als zuletzt Europas Top-Nationen.

Captain Schmid: «Ihr Goalie hat uns den Zahn gezogen»

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Natürlich sind sie letztlich chancenlos. 24:33 heisst das klare Ergebnis im EM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Frankreich. Doch die Handball-Nati zeigt im ungleichen Duell gegen das derzeit beste Team der Welt immer wieder starke Szenen, hält unerwartet lang dagegen.

Die Fans in der mit 6'700 Zuschauern restlos ausverkauften St. Jakobshalle danken es der Mannschaft durch ihre Unterstützung bis zur letzten Sekunde. Auch als die Franzosen zu im zweiten Durchgang endgültig davon ziehen, wird jede gute Szene der Schweiz lautstark bejubelt. Und davon gibt es einige.

Besonders auszeichnen kann sich der Zürcher Roman Sidorowicz (GC Amicitia) im linken Rückraum. Der 23-Jährige zeigt sich von den gegnerischen Weltstars völlig unbeeindruckt und verbucht mit neun Toren aus elf Versuchen eine überragende Trefferquote. Daneben glänzt auch der Thuner Nicolas Raemy (Wacker) mit vier Toren.

«Leider haben wir in der ersten Hälfte zwei Siebenmeter und ein paar freie Chancen beim Gegenstoss verworfen. Sonst wären wir zur Pause sogar auf Augenhöhe gewesen», so Nati-Coach Rolf Brack. Aber auch der 11:15-Rückstand nach den ersten 30 Minuten lässt die vorhandene Klasse des Schweizer Teams erahnen.

Zum Weltklasse-Niveau eines Nikola Karabatic (6 Tore), der bei seinen Angriffen unwiderstehlich ist, fehlt freilich noch ein gutes Stück. Doch in der Form dieses Spiels kann die Schweiz gegen Tschechien und im Rückspiel gegen Mazedonien durchaus mit breiter Brust auftreten.

Publiziert am 02.11.2014 | Aktualisiert am 03.11.2014
 «Es ist auch schön, mal der Underdog zu sein und nichts zu verlieren zu haben», sagt Andy Schmid vor dem Duell mit Frankreich. Benjamin Soland

Andy Schmid: «Ich halte meinen Kopf gerne für Niederlagen hin»

Auftaktniederlage in Mazedonien, und nun kommt ausgerechnet das beste Team der Welt nach Basel. Was ist gegen Frankreich möglich?
Andy Schmid: Wir werden nicht vor Ehrfurcht erstarren, auch wenn wir wissen, dass die Franzosen schwer zu schlagen sind. Wenn wir den vielen Fans unseren Willen und unser Leistungsmaximum zeigen, ist ein Teilziel schon erreicht.

Dennoch kann die EM-Quali schon nach zwei Spielen zur Mission Impossible werden, oder?
Das würde ich nicht sagen. Wir versuchen, so viele Punkte wie möglich zu hamstern, und schauen dann. Wichtig ist, dass wir unsere Heimspiele gegen Tschechien und Mazedonien gewinnen.

Sie sind es gewohnt, mit Ihrem Klub Rhein-Neckar Löwen 48 von 50 Saisonspielen zu gewinnen. Mit der Nati überwiegen die Niederlagen. Ist die Umstellung schwer?
Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Es ist auch schön, mal der Underdog zu sein und nichts zu verlieren zu haben.

Champions-League-Titel mit den Löwen oder EM-Quali mit der Schweiz – welcher Erfolg wäre Ihnen wichtiger?
Schwer zu sagen, deshalb ziehe ich den Joker. Am liebsten hätte ich beides. Der Champions-League-Titel ist das Grösste auf Vereinsebene. Aber die EM-Quali mit der Nati hätte sicher einen ähnlichen Stellenwert.

Und was ist wahrscheinlicher?
Es ist beides sehr schwer zu erreichen. Aber momentan ist es vielleicht ein bisschen einfacher, mit den Löwen einen Titel zu gewinnen.

Würden Sie auch in der Nati spielen, wenn die Teilnahme an grossen Turnieren aussichtslos wäre?
Klar. Im Moment geht es mir nicht primär darum, dass wir uns für ein Turnier qualifizieren, sondern dass wir im Schweizer Handball etwas bewegen. Damit der Handball wieder mehr Aufmerksamkeit im Sportland Schweiz erhält.

Also eine Art Aufbauhilfe?
Es so zu sehen, wäre vermessen. Aber ich möchte schon auch etwas zurückgeben. Ohne meine Jugendzeit in der Schweiz, meine früheren Trainer und Teamkollegen wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Als Bundesliga-Profi bei einem Spitzenklub.

Auch mit den Rhein-Neckar Löwen haben Sie nicht nur Erfolgserlebnisse. Die deutsche Meisterschaft haben Sie im Frühjahr sehr unglücklich verloren.
Das war die schlimmste Erfahrung in meiner bisherigen Karriere. Es war ja einige Spieltage vor Schluss schon klar, dass zwischen Kiel und uns das Torverhältnis entscheiden könnte. Ich habe wochenlang an fast nichts anderes gedacht. Bin morgens aufgewacht und hatte Torabstände im Kopf. Ich kann froh sein, dass mich meine Freundin Therese in der Phase nicht verlassen hat. Sie hält mir oft den Rücken frei, dafür hätte sie eigentlich mal wieder einen Blumenstrauss verdient.

Am Ende haben Sie den Titel um zwei Tore verpasst.
Das nagt heute noch an mir.

Als Spielmacher im Rückraum sind Sie im Verein wie in der Nati der Schlüsselspieler im Team. Heisst das, wenn Andy Schmid gut drauf ist, kann man jeden Gegner schlagen? Und umgekehrt ...
Das wäre etwas zu einfach gesagt. Trotzdem bin ich mir natürlich bewusst, dass ich mir keinen schlechten Tag erlauben darf, wenn wir gewinnen wollen. Aber die anderen sollten das auch nicht.

Ist Ihnen die Führungsrolle auf den Leib geschrieben?
Eigentlich bin ich kein besonders extrovertierter Typ. Andererseits verstecke ich mich auch nicht. Da bin ich Schweizer Mittelmass. Aber es ist ein Unterschied, ob ich zu Hause bin oder auf dem Feld stehe. Im Verein und in der Nati bin ich der Chef im Angriff. Und diese Rolle fülle ich aus.

Verstehen die Teamkollegen in der Schweiz Ihre Handball-Sprache?
Darin liegt vielleicht das grösste Problem: das blinde Verständnis aus dem Verein in die Nationalmannschaft zu übertragen. Da geht es um so viele kleine Details. Wenn da nicht alles stimmt, wird die Gefahr von Missverständnissen sehr gross.

Ist das nicht paradox, dass das Verständnis mit Deutschen und Skandinaviern grösser ist als mit den Schweizer Nati-Kollegen?
Wir haben hier einfach zu wenig Zeit. Im Verein spiele ich mit einigen schon vier Jahre zusammen. Mit der Nati haben wir rund um die Spiele gegen Mazedonien und Frankreich gerade mal eine Woche, um uns abzustimmen.

Ist das etwas Besonderes, in den Kreis der Schweizer Kollegen zurückzukommen?
Auf jeden Fall. Ich geniesse es, mal wieder Schweizerdeutsch reden zu können. Wir haben einen ähnlichen Humor und haben viel Spass zusammen. Noch besser wäre es natürlich, wenn wir regelmässig gewinnen würden.

Bei Niederlagen müssen vor allem Sie hinstehen. Finden Sie das ungerecht?
Es klingt vielleicht komisch, aber ich halte gern meinen Kopf für Niederlagen hin. Dafür werde ich ja auch gelobt, wenn wir gewinnen. Ich übernehme Verantwortung und habe es lieber in den eigenen Händen, statt auf andere angewiesen zu sein.

Von den Händen zu den Füssen: Wie kommt ein professioneller Handballer auf die Idee, Socken zu entwerfen und zu verkaufen?
Das ist zusammen mit meinem alten Mitbewohner Marko Vukelic und meinem jetzigen Teamkollegen Uwe Gensheimer entstanden. Der Gedanke war, mal etwas von Anfang bis Ende selbst auf die Beine zu stellen. Aus meiner Zeit in Skandinavien kam dann die Idee mit den bunten Socken, weil es dort immer spannende Mode-Entwicklungen gibt.

Wie läuft der Online-Versand von uandwoo.com?
Inzwischen sehr gut. Natürlich muss man so ein Unternehmen erst mal kostensparend aufziehen. Also haben wir am Anfang in meinem Keller in Heidelberg gesessen und Socken verpackt. Aber jetzt sind wir dabei zu expandieren. Ab Dezember wollen wir auch eine Unterwäsche-Linie lancieren.

Von Oliver Görz (Text) und Benjamin Soland (Fotos)

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5 Kommentare
  • Roman  Kern 03.11.2014
    Schade hat es nicht gereicht..!
    Aber es werden endlich wieder einmal gute Nachrichten über den Schweizerhandball berichtet :D
    Ich freue mich riesig...!!
  • Concolor  Shalako 02.11.2014
    Die Schweiz hat ohne Zweifel mit Herzblut gekämpft.
    Gratulation zum Spiel.
    Frankreich seinerseits, wurde nie ernsthaft geprüft und erledigte lediglich ihr ihre Aufgabe...
    Ein Dank an BLICK Live Stream das war echt super.
  • Marco  Denzler aus Arth
    02.11.2014
    Sehr cool!!! Handball live!! Merci vielmal fürs Übertragen! Go Schwiiz go
  • roland  kull 02.11.2014
    Cool, dass hier mal endlich etwas über Handball erscheint, Fussball wird überbewertet - schaut Euch mal einen Handball Match an- der ist bis am Schluss spannend und es fallen Tore..... ;
    Wünsche dem Natiteam viel Erfolg und leistet Widerstand so gut und so lange ihr könnt - toi toi toi
  • Roger  Gehrig aus Turgi
    02.11.2014
    Ein ganz toller Typ dieser Andy Schmid - nicht nur als sportlich als MVP der besten Handballliga der Welt und Schaltzentrale und geniales Hirn der Rhein-Neckar-Löwen und der Schweizer Natio-
    nalmannschaft einer der aktuell besten Aufbauspieler der Welt - auch als Mensch mit seinem bodenständigen Charakter, seinen intelligenten Aussagen, seiner Bescheidenheit und seinem feinen Humor - ein echtes Vorbild und der wichtigste Repräsentant des Schweizer Handballs!