Ein Mann – drei Herzen

  • Publiziert: 11.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Hans-Peter Hildbrand

Sein Ziel mit einem kaputten Herzen war Überleben. Jetzt will er mit dem dritten Herzen auf die grosse PGA-Tour. Man staune: Profi-Golfer Erik Compton (28) schlägt den Ball so weit wie Tiger Woods.

Dieser Schwung! Wer Erik Compton auf dem Golfplatz sieht, bewundert seinen Schwung. «Einer der besten, den ich je gesehen habe», sagt Trainer-Guru Jim McLean. Fünfeinhalb Monate nach der zweiten Herztransplantation spielte Erik Compton am vergangenen Sonntag beim US-PGA-Turnier «Childrens Miracle Network Classic» (Sieger Davis Love III) auf den geteilten 60. Rang. Mit einem Preisgeld von 10 000 Dollar.

«Noch habe ich mein Lebensziel nicht erreicht», sagt der Amerikaner auf der Anlage des Magnolia Golfclub in Lake Buena (Florida). Er will in ein paar Wochen die begehrte PGA-Tourkarte holen. Compton steht in der zweiten Runde der Qualifikationsschule – 450 Profis spielen um die begehrten 25 Plätze.

Lässig sitzt er auf dem Stuhl, strahlt über das ganze Gesicht. Dieser schmächtige Mann (1,72 m gross, 62 kg leicht) drivt den Ball vom Tee locker auf die 280-m-Marke. Er zeigt auf seine Brust, spricht vom Geschenk, das er immer mit sich trägt. Das Polo-Shirt versteckt die 20 cm lange Narbe, die über die ganze Brust läuft.

Erik Compton kam mit einer angeborenen chronischen Herzinsuffizienz auf die Welt. Das Herz war zu gross, um genügend Blut zu pumpen, hatte nur noch 15 Prozent Leistung. 1992, im Alter von 12 Jahren erhält er das erste Spenderherz. Von einem Mädchen, das bei einem Autounfall ums Leben kam.

Drei Monate später, während Erik noch im Spital lag, verwüstete ein Hurrikan das Haus seiner Eltern. Die Familie zog aufs Land, in die Nähe des Golfclubs von Doral. Sportarten mit Körperkontakt kamen für ihn nicht mehr in Frage, so spielte er Golf. Und das ausgezeichnet: Er war die Weltnummer 1 der Junioren, wechselte 2001 zu den Professionals.

Compton spielt auf der Nationwide-Tour (die zweite Liga hinter der US-PGA-Tour). Ein verpasster Cut (Teilung des Feldes nach 2 von 4 Runden) rettete ihm im letzten September das Leben.

Kaum zu Hause, hatte er Mühe beim Atmen. Er stieg ins Auto und fuhr ins Spital. Beim Unterschreiben der Versicherungspapiere brach der Ami zusammen – die linke Herzarterie war zu. Eine Notoperation hielt ihn am Leben. Doch er brauchte ein drittes Herz. Im Mai verunglückte eine junger Mann mit dem Motorrad – Erik bekam in einer 14-stündigen Operation das Herz. «Dank ihm lebe ich noch», sagt Compton. Er hofft, eines Tages die Eltern des Spenders zu treffen.

Fünfeinhalb Monate später spielt er wieder Profi-Golf – mit einer Ausnahmegenehmigung. Statt die rund 8 Kilometer pro Runde zu laufen, darf er den Golfwagen benützen. Für 6 Monate hat er ein medizinisches Attest. «Eriks ganzes Leben ist ein Wunder», dankt Mutter Eli Compton.

Ihr Sohn muss sein Leben lang Medikamente schlucken. Um den Blutspiegel hoch zu halten. Diese wirken stark nierenschädigend, weshalb er täglich im Minimum drei Liter trinken muss. Nebenwirkungen sind Bluthochdruck, oft ein Zittern der Hände, ein verstärkter Haarwuchs und Zahnfleischwucherungen. Kortison gehört zur täglichen Ration dazu. Das dünnt die Knochendichte aus und drückt sich häufig ebenfalls in einem Vollmondgesicht, Muskelschwäche und Bluthochdruck aus. Im langfristigen Verlauf besteht die Gefahr von Sehstörungen durch Linsentrübungen und erhöhtem Augendruck.

Im ersten Jahr sterben durch operationsbedingte Probleme ungefähr ein Fünftel der Herzempfänger. Daran denkt Erik Compton nicht. Selbstvertrauen und Stärke strahlt er aus. Das macht ihn besser. Er will alle ausdriven. Er will besser putten als alle. Im Golf holt er
Stärke fürs Leben.

Ehefrau Barbara erwartet im Februar das erste Kind. Es soll am 26. Februar auf die Welt kommen. Am gleichen Tag, als 1992 Eriks zweites Herz zu schlagen begann. «Das ist ein Wunder. Ich hätte nie geglaubt, dass ich mit all meinen Medikamenten überhaupt Vater werden kann.»

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