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Lässig steckt die edle Zigarre im Mundwinkel, als sich der argentinische Nationaltrainer auf dem Trainingsgelände des Zweitligisten 1860 München mit seinem Superstar Lionel Messi unterhält.
Maradona ist es anscheinend egal, was seine Spieler denken. Und alle anderen können ihn sowieso mal. Wie ein aufdringlicher Fan, der den umstrittenen Coach mehrfach um ein Foto bittet. «Gleich bekommen alle ein Foto, nur du nicht. Du gehst mir auf die Eier», pöbelt Maradona ihn in spanisch-italienischem Kauderwelsch an. Seine Geste dagegen ist unmissverständlich. «El Diez» greift sich provokant in den Schritt.
So war er schon immer, auch als der wohl genialste Spielmacher aller Zeiten. So ist er auch als Trainer der «Albiceleste». Und so wird er wohl auch immer bleiben. «Ich bin schwarz oder weiss. Grau wird es bei mir niemals geben», sagt die legendäre Hand Gottes über sich selbst.
Was alleine seine Anwesenheit auslöst, sieht man in München. Selbst im Super-Nobel-Hotel Mandarin Oriental, wo die Argentinier vor dem Testspiel gegen Deutschland (heute, 20.45 Uhr/ZDF live) übernachten, geht man auf alle Sonderwünsche von Maradona ein.
Die beiden Suiten wurden extra umgebaut. In der einen (natürlich der von Diego) wurden eine Sauna und ein Jacuzzi eingerichtet. In der anderen steht jetzt ein Gym mit 17 Sportgeräten – verrückt!
Das Mandarin Oriental in der Münchner Innenstadt ist besser abgeriegelt als die Bank von England. Vier Türsteher bewachen den Eingang, um den sich den ganzen Tag Schaulustige mit Handys oder Kameras drängeln. Jeder, der rein will, wird ausgehorcht. Und, wie ich, dann freundlich abgewiesen. Der untere Bereich sei ohnehin gesperrt «für die argentinische Delegation», heisst es. Und die Bar sowie das Café seien hoffnungslos überfüllt. «Kommen Sie doch später noch mal wieder.»
Anscheinend gilt das nicht für alle. Während ich auf der anderen Strassenseite noch eine Zigarette rauche, fährt eine schwarze Limousine mit dem «verdächtigen» Kennzeichen vor: M-RM. Das RM steht für «Rekordmeister» – auch die Spieler von Bayern München haben dieses Nummernschild.
Doch nicht Mario Gomez oder Miroslav Klose steigen aus dem Auto, sondern eine hübsche Blondine mit endlos langen Beinen. Freundlich – und ohne Nachfragen – wird die Dame von den Securities ins Hotel begleitet.
Viel Rauch um Diego – auch in der argentinischen Heimat. Dort ist Maradona nach der holprigen WM-Quali äusserst umstritten. 102 Spieler hat er in seiner 16-monatigen Amtszeit aufgeboten, darunter 8 (!) verschiedene Goalies. «Es können auch 150 werden», lacht Maradona.
Seine Bilanz ist – vorsichtig formuliert – durchwachsen: 10 Siege, 6 Pleiten. Trotzdem glaubt Maradona: «Meine Mannschaft ist besser als die von 1986.»
Damals wurde Argentinien mit einem überragenden Maradona letztmalig Weltmeister. «Nach 24 Jahren ohne WM-Titel wollen wir diesen Fluch brechen», verspricht Diego.
Auf die Sieges-Zigarre freut er sich jetzt schon.