Gipfeltreffen vor der WM-Auslosung Hitzfeld träumt von Deutschland

  • Publiziert: 04.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Andreas Böni aus Kapstadt

Unterwegs mit dem Schweizer Nati-Trainer. Am Tag vor der WM-Auslosung ist er noch ganz ruhig.

Hitzfelds Abenteuer-Reise nach Südafrika – sie beginnt am Mittwochabend um 21.30 Uhr. In Jeans, Hemd und Sakko trifft er am Flughafen Zürich ein. Aussentemperatur: 0 Grad.Der «Swiss»-Flug LX 0288 startet 45 Minuten verspätet, erst gegen 23.30 Uhr. Hitzfeld wirft eine Schlaftablette ein, nickt dann in der Business Class ein. Erwacht aber plötzlich mit Rückenschmerzen. «Bei diesen Flügen ist es jeweils schön, wenn sie vorbei sind», sagt er. Und beisst auf die Zähne.Bei der Zwischenlandung in Johannesburg um neun Uhr morgens sind die Schmerzen vergessen. Hitzfeld nimmt sein Gepäck, es steht der zweistündige Inland-Flug mit «South African Airways» nach Kapstadt an.Das WM-Stadion aus der VogelperspektiveDie Flugbegleiter sprechen nun kein Schweizerdeutsch mehr. Alles Südafrikaner. Beim eindrücklichen Abflug aus Johannesburg sieht man weit unten das Soccer-City-Stadion. Dort findet der WM-Final statt. Gedanken, mit denen sich Hitzfeld noch nicht befasst. Er liest im Flugzeug einen Krimi. «Unterhaltung», sagt er.Am frühen Nachmittag landet er endlich in Kapstadt, nach insgesamt rund 13 Stunden im Flugzeug. Aussentemperatur: 27 Grad. «Bei mir zu Hause in Lörrach lag zwar kein Schnee», sagt Hitzfeld, «aber es ist herrlich, fantastisch, hier an die Wärme zu kommen.»Ein Fahrer bringt Hitzfeld mit den mitgereisten Funktionären wie SFV-Boss Peter Gilliéron und Nati-Delegierter Peter Stadelmann ins Stadtzentrum. Auf der rund 40-minütigen Fahrt sind immer wieder Blechhütten zu sehen. Hier wohnen die Armen Südafrikas. Nur wenige hundert Meter weiter tut sich plötzlich eine andere Welt auf. Der Kontrast könnte grösser nicht sein: riesige Grundstücke mit Villen, Pools. Viele von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben.«Die Deutschen zu schlagen wäre ein Traum»Um 17.30 Uhr Ortszeit – in der Schweiz ist es eine Stunde früher – steht Hitzfeld lässig da, in blauem Hemd und Jeans. Er lässt beim Convention Center Fotos machen. Dort, wo heute um 19 Uhr Ortszeit die grosse Auslosung der WM-Gruppen stattfindet.Die Schweiz ist in Topf 4 eingeteilt. Ob Hitzfeld einen Wunschgegner hat? Er lächelt vielsagend: «Gegen Deutschland wäre es sicher eine emotionale Begegnung. Ich bin Deutscher, habe viele der Spieler trainiert.» Würde er bei Schweizer Toren jubeln? «Natürlich. Wenn wir die Deutschen kriegen, gibts nur eins: Nämlich sie zu schlagen. Das wäre ein Traum.»Nervös sei er überhaupt nicht, sagt Hitzfeld. «Ich kann ja eh nichts beeinflussen. Ich hoffe aber, dass die Los-Fee ein gutes Händchen hat.»Los-Fee? Die Kugeln zieht heute Abend das südafrikanische Hollywood-Schnuckelchen Charlize Theron.Starke Gruppen manchmal einfacherUm 18.20 Uhr muss Hitzfeld los. Sich schnell umziehen. Schwarzer Anzug, rote Nati-Krawatte. Er ist von der Fifa zum Dinner geladen worden. Ein weiteres bisschen Smalltalk, bevor es bald ernst gilt. Auch wenn Hitzfeld zum Abschluss ganz nüchtern sagt: «Freudenschreie oder Jammerei bringen nichts. Manchmal sind angeblich schwache Gruppen sehr schwer zu überstehen und angeblich starke einfacher zu bewältigen.»Später im Fifa-Hotel «Southern Sun The Cullinan» kann sich Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld fast nicht frei bewegen. Immer wieder will jemand mit ihm sprechen. Hitzfeld ist ein gefragter Mann.Italiens Weltmeister-Coach Marcello Lippi ist da, natürlich mit Zigarillo. Er fachsimpelt mit Hitzfeld. Oder Joachim Löw. Der Bundestrainer erscheint mit dicker schwarzer Sonnenbrille.Ein wahres Gipfeltreffen. Hitzfeld: «Es ist, wie wenn man alte Kollegen trifft. Man redet über den Gesundheitszustand des anderen, über die Spieler. Einfach Smalltalk.»

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