Aufstand der Zwerge an der WM

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Oskar Beck

Die WM in Südafrika wird zur grossen Bühne der Kleinen. Lionel Messi, Franck Ribéry, Xavi - die Mini-Kicker gestalten die Maxi-Show.

Wenn der Wandspruch, dass in der Kürze die Würze steckt, je zutraf, dann auf Lionel Messi. Der explosive Antritt, die enge Ballführung, die Richtungswechsel, alles geht ruckzuck. Wo andere einen langen Schritt machen, macht Messi vier kurze, zackige Bewegungen, und diese gottgegebenen Hebelverhältnisse ermöglichen ihm die unfassbarsten Tore.Die Vorfreude auf die nahende WM in Südafrika ist gross und hat diverse Namen. Messi. Xavi. Lahm. Wright- Philipps. Vonlanthen. Diego. Ribéry. Allen ist eines gemeinsam: Sie müssen zwar ein Zimmer zweimal betreten, bevor sie gesehen werden – aber auf dem Fussballplatz übersieht sie keiner, zu spektakulär ist ihre Kleinkunst auf Höhe der Grasnarbe.Wenn Crouch sich an Ostern die Beine erkältet, kriegt er erst an Pfingsten SchnupfenWas ist der Vorteil der Kleinen? Eine Antwort liegt im Nachteil der Grossen. Beispiel Peter Crouch. Wenn das lange Elend der Engländer sich an Ostern die Beine erkältet, kriegt er erst an Pfingsten Schnupfen – denn zwei Meter lang ist der Weg bis hoch zu seiner Nase, und in den Fussball übersetzt heisst das: Bis das Grosshirn über die lange Leitung seinen Befehl endlich an den kleinen Zeh durchgibt, ist der Ball weg.Der Ball fühlt sich bei den Kleinen wohler. Sie sind, sagen wir es salopp, nicht viel grösser als er selbst, er fühlt sich als ihr Spielkamerad und springt einem Messi niemals vom Fuss. Er klebt an ihm, am Schuh, am Schenkel, am Schienbein, überall gehorcht er ihm und erlaubt Messi voller Rasanz die intuitivsten Ideen, frechsten Dribblings und perfidesten Schüsse.Ein Kleiner lässt sich nicht klein kriegenIm Übrigen entwickelt jeder zu kurz Geratene einen eisernen Willen. Der kann Berge versetzen und Zwerge über sich hinauswachsen lassen – sie sind wild entschlossen, der Welt zu zeigen, dass ein kleines Etwas besser ist als ein grosses Nichts.Auf dem Fussballplatz sowieso. Ein Kleiner, der hoch hinaus will, lässt sich nicht klein kriegen, und diesen Vorwärtsdrang personifiziert perfekt der deutsche Verteidiger Philipp Lahm. Er versteckt sich nicht in den hinteren Reihen, sondern dribbelt an der Kalklinie rauf und runter.Ribéry hat drei BeineWie Franck Ribéry, der Franzose. So sehr wir Thierry Henry und dessen ungeahndetes, aber entscheidendes Handspiel in der WM-Barrage gegen Irland gegeisselt haben, so sehr freuen wir uns nun auf die Rückkehr Ribérys. Einer wie er darf an der WM nicht fehlen, obwohl der Schweizer Verteidiger Ludovic Magnin einmal meinte: «Der hat auch nur zwei Beine.» Hat Ribéry nicht doch eher drei? Man weiss es nicht. Er ist für das menschliche Auge zu schnell.Fast hätten wir jetzt Xavi vergessen, der bei den Spaniern die Blitzideen aus dem Zylinder zaubert, die Bälle verteilt oder sie in Barcelona dem Messi in den Lauf spielt, oder in den Fuss, irgendwas macht der dann schon daraus. Manchmal, wie im Endspiel um die Champions League, sogar ein Kopfballtor.

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