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Wieder einmal ist England an einem Turnier gescheitert. Das zuvor wenig überzeugende «Three Lions»-Team lieferte einen grossen Kampf – und am Ende ein typisch englisches Drama. Wie schon an der EM vor zwei Jahren war für England, im Vorfeld als «bestes englisches Team aller Zeiten» gelobt, im Penaltyschiessen Portugal Endstation.
Zuvor waren während 120 Minuten keine Tore gefallen. Die Spannungskurve stieg dabei stetig an. Ereignislos verlief Halbzeit eins. Portugal kam in der 13. Minute erstmals gefährlich in den englischen Strafraum: Nach einem Freistoss leistet sich der ins Team zurückgekehrte Neville einen Fehler. Doch Tiago konnte nicht profitieren.
In der Folge wurden die Angriffe seltener – und waren nicht von Erfolg gekrönt: Sowohl Ronaldo (20.) als auch auf englischer Seite Lampard (21.) trafen das Tor nicht. Die beste Möglichkeit in Halbzeit eins besass Luis Figo in der 39. Minute: Von der Strafraumgrenze setzte er den Ball gut einen Meter am Tor vorbei.
Halbzeit zwei geriet spannender. Die Engländer nun mit frischer Energie: Sie machten mehr fürs Spiel. In der 51. Minute die letzte Aktion von David Beckham: Schuss an die Hand von Valente, der im Strafraum stand – doch Ref Elizondo pfiff zu Recht nicht. Anschliessend wurde der England-Captain ausgewechselt.
Für Beckham kam Aaron Lennon ins Spiel. Und der Mann mit dem berühmten Nachnamen sorgte für Musik: Durchspiel auf der rechten Seite, Pass auf Rooney, der kläglich verpasste – und auch Joe Cole traf den Ball nicht richtig. Mick Jagger auf der Tribüne applaudierte dennoch.
Dann die 61. Minute. Nun kam jene Dramatik ins Spiel, die zu Englands WM-Auftritten zu gehören scheint: Wayne Rooney sah Rot! Der «Pitbull» trat Portugals Carvalho nach einem Zweikampf zwischen die Beine.
Absicht? Jedenfalls sorgte der gut postierte Ref aus Argentinien dafür, dass England nun ohne Beckham und Rooney auskommen musste. Und er versorgte die englischen Boulevard-Blätter mit Schreibstoff.
Doch Portugal vermochte aus der Überzahl kein Kapital zu schlagen. Erst in der 78. Minute war es wieder Figo, der die erste richtig gefährliche Chance der Südeuropäer kreierte: Wieder von der Strafraumgrenze aus zwang er Robinson zu einer tollen Parade. Es sollte seine letzte Chance sein – sechs Minuten später musste auch Portugals Captain vom Platz (für Postiga).
England blieb auch zu zehnt gefährlich: Sieben Minuten vor Schluss trat Lampard einen Freistoss, Ricardo liess abprallen – doch Lennon konnte die Riesen-Chance nicht verwerten. Gegen Ende der Partie spielten jedoch nur noch die Roten, England wurde zunehmend eingeschnürt. Dennoch gehörte die beste Möglichkeit England: Terry vergab sie in der Nachspielzeit nach einer Hargreaves-Flanke.
Die folgende Verlängerung oder der Kampf der dezimierten Engländer, die unter allen Umständen ein Penalty-Schiessen verhindern wollten. Doch Portugal hatte die besseren Chancen – etwa ein Ronaldo-Weitschuss in der 105. Minute.
Eine Minute später eine weitere umstrittene Strafraum-Szene nach einem Zweikampf zwischen Lennon und Valente. Die Pfeife des Schiris blieb wohl zu Recht stumm. Zwei Minuten später zappelte der Ball im englischen Netz, Schütze Postiga war jedoch im Abseits gestanden.
Dann das Unvermeidliche – die Entscheidung im Penaltyschiessen. Lampard verschoss den ersten Elfer, doch auch Viana scheiterte am Pfosten. Dann verschoss Petit – Vorteil England. Gerrard jedoch vergab die grosse Chance zur Führung kläglich. Und weil auch Carragher verschoss, konnte Ronaldo Portugal ins Halbfinal schiessen.
Hüter Ricardo war wie bereits vor zwei Jahren der grosse Held mit drei gehaltenen Strafstössen. Und Englands doppelter Fluch blieb bestehen: Auch im dritten WM-Penaltyschiessen erfolglos und zum dritten Mal an einem Turnier an Trainer Scolari gescheitert. Eine unendliche Geschichte.
| WM-Stadion, Gelsenkirchen. -- 52 000 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Elizondo (Arg). -- Penaltyschiessen: Simao 1:0. Lampard scheitert an Ricardo. Viana schiesst an den Pfosten. Hargreaves 1:1. Petit schiesst an den Pfosten. Gerrard scheitert an Ricardo. Postiga 2:1. Carragher scheitert an Ricardo. Cristiano Ronaldo 3:1. |
| England: Robinson; Neville, Ferdinand, Terry, Ashley Cole; Hargreaves; Beckham (52. Lennon/118. Carragher), Gerrard, Lampard, Joe Cole (65. Crouch); Rooney. |
| Portugal: Ricardo; Miguel, Meira, Carvalho, Valente; Maniche, Petit; Figo (86. Postiga), Tiago (75. Viana), Ronaldo; Pauleta (64. Simao). |
| Bemerkungen: England ohne Owen (verletzt). Portugal ohne Costinha und Deco (beide gesperrt). 52. Beckham angeschlagen ausgewechselt. 63. Rote Karte gegen Rooney (Tätlichkeit). 108. Tor von Postiga wegen Abseits annuliert. Verwarnungen: 30. Terry (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 44. Petit (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 107. Hargreaves (Reklamieren). 111. Carvalho (Foul). |