Alles nur Zufall? Wenn Fussballer sterben

  • Publiziert: 08.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Eva Tedesco

Die Krankheit ist heimtückisch und unheilbar, das Ende grausam. Das Lou-Gehrig-Syndrom führt zum Verlust der Muskelkontrolle und schliesslich zum Tod. Bis zu 70 Fussballer sollen in den letzten Jahren so gestorben sein.

Gianluca Signorini wollte in seinem letzten Trikot begraben werden. In seinen Lieblingsfarben –denjenigen des FC Genua. Der «Capitano» war erst 42, als er im November 2002 an der heimtückischen Lou-Gehrig-Krankheit starb. Signorinis Tod hätte wohl keine hohen Wellen geworfen. Doch sein Fall machte den Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello neugierig.

Guariniello untersuchte 24 000 Profis, die zwischen 1960 und 1996 in den zwei höchsten italienischen Ligen spielten, und stiess auf 42 Fälle von ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) – besser bekannt als Lou-Gehrig-Syndrom (siehe Box). 33 Kicker verstarben daran. Weitere 40 Todesfälle könnten mit der Krankheit zu tun haben, darunter der Hinschied von Inters Vincenzi (†1997), Milans Rognoni (†1986) oder Torinos Minghelli (†2004).

Auch bei US-Footballern und Premier-League-Profis tritt ALS ungewöhnlich oft auf. 1980 starb ausserdem der österreichische Internationale Ocwirk daran, 2005 Wolfsburg-Profi Nowak, 2006 Celtic-Legende Johnstone.

«Unter Profi-Fussballern ist die Todesrate sechsmal höher als unter der normalen Bevölkerung», sagt Guariniello. Das wecke den Verdacht, dass es sich um Spätfolgen von Doping oder von giftigen Substanzen zur Rasenpflege handelt.

Sorge bereitet dem Staatsanwalt der exzessive Umgang mit Schmerzmitteln. Der ehemalige Sampdoria-Spieler Galeone dazu: «Bei all dem Zeug, dass ich jahrelang eingenommen habe, muss ich froh sein, dass ich noch lebe.». 2003 erschütterte die Aussage von Zinédine Zidane den Calcio: «Wenn wir mehr als ein Spiel in der Woche hatten, nahm ich in der Pause jeweils zwei Gramm Kreatin zum Aufbau von Muskelmasse.» Auch in der Schweiz war der Umgang mit «Spezial-Cocktails» oder «Europacup-Kügeli», wie ein ehemaliger FCZ-Profi ausplauderte, gang und gäbe.

«Die Mauer des Schweigens beginnt zu bröckeln», sagt Guariniello. Bestärkt in seinem Unterfangen startet der Turiner Staatsanwalt zu einer weiteren Phase, in dem er Kicker, die von 1970 und 2001 gespielt haben, unter die Lupe nimmt. Anfang September erhielt der Staatsanwalt Unterstützung. «Ich will kämpfen, um weiter zu leben», outete sich der ehemalige Fiorentina- und Milan-Star Borgonovo in einem Interview. Borgonovo ist 2005 an ALS erkrankt, seitdem gelähmt und muss künstlich beatmet werden.

Heute Abend treten ehemalige Fiorentina- und Milan-Stars in Florenz zu einem Benefizspiel an. Es werden unter anderen Roberto Baggio, Fatih Terim, Franco Baresi, Ruud Gullit, Francesco Toldo, Frank Rijkaard, Arrigo Sacchi, Roberto Donadoni und Alessandro Costacurta erwartet.

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