Favre, Koller, Gross Verhöhnt, gegeisselt, entlassen

  • Publiziert: 04.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Häring

Sie sind mit die erfolgreichsten Schweizer Trainer aller Zeiten. Trotzdem haben Lucien Favre, Marcel Koller und Christian Gross ein Problem: Sie sind arbeitslos.

Ist bei den Schweizer Fussballehrern der grosse Generationenwechsel angebrochen? Fakt ist: Die erfolgreichsten Trainer der letzten zehn Jahre stehen derzeit ohne Job da.

Lucien Favre, Christian Gross und Marcel Koller führten ihre jeweiligen Teams in zehn Jahren zu acht Meistertiteln und sechs Cupsiegen. Insgesamt hat das Triumvirat ganze siebzehn nationale Titel eingeheimst (zehn Meisterschaften, dazu sieben Cupsiege).

Koller: Erstaunliche Erfolge

Christian Gross ist zweifelsfrei der erfolgreichste. Der Höngger hat sechs Meisterschaften und fünf Cuptrophäen auf seiner Visitenkarte stehen. Doch er ist auch der einzige, der im Ausland bisher keine Stricke zerreissen konnte. Sein Gastspiel bei Tottenham endete im Unfrieden.

Besser machte es Marcel Koller. Nach dem Abstieg mit Köln stieg der 48-Jährige mit Bochum auf und schaffte dreimal den Ligaerhalt. Das war dem VfL zuvor in 16 Jahren nicht mehr gelungen. Trotzdem muss Koller gehen.

Von den eigenen Fans verhöhnt

Nur wenige Tage später ist auch Lucien Favre seinen Job los. Trotzdem kann er sein erstes Engagement in der Fremde als Erfolg abbuchen. Mit bescheidenen Mitteln spielte der Romand in der abgelaufenen Spielzeit bis fast zuletzt um den Meistertitel mit.

Doch in der Haupstadt wollte man weiter sparen. Mit Folgen: Leistungsträger wie Marko Pantelic, Andrej Woronin und Joe Simunic sind nicht annähernd ersetzt worden. Nach sechs Liga-Pleiten in Serie muss Favre seinen Posten räumen.

Die besten Schweizer Trainer der letzten Jahre: Von den eigenen Fans verhöhnt, von der Presse gegeisselt, vom Vorstand entlassen. Trotzdem dürfte es nicht allzu lange dauern, bis Favre, Gross und Koller wieder einen neuen Arbeitgeber gefunden haben. Zu gut ist ihr Leistungsausweis.

Die Trainer-Talente

Jugend ist Trumpf im Schweizer Fussball. Die Schweizer Vereine setzen auf junge Trainer mit neuen Ideen. Der jüngste ist Uli Forte vom FC St. Gallen. Der Zürcher hat den Meister von 2000 im ersten Anlauf zum Aufstieg geführt. Er zählt erst 35 Jahre.

Auch bei GC setzt man auf einen Trainer-Frischling. Ciri Sforza (39) hat als Spieler fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Als Trainer hat er bisher aber noch keine Stricke zerrissen. Der Ligaerhalt mit Luzern ist sein bisher grösster Erfolg.

Jeff Saibene ist ebenfalls einer aus der Fraktion der «Jung-Trainer». Der 41-jährige Luxemburger bangt aber um seinen Job. Und in der Challenge League mischt Murat Yakin (35) an der Spitze mit.

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