Voting Treu bis ins Grab hinab

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • von Marc Winter

HAMBURG – Was ist das Schlimmste für einen Fussballfan? Der Abstieg. Und danach? Der eigene Tod. Diesen kann man sich als Anhänger des HSV jetzt versüssen lassen – mit einer Fan-Beerdigung.

In der Kapelle erklingt die Klub-Hymne «Hamburg, meine Perle» (Wenn ich weit, weit weg bin / Ob bei Juve oder Rom / dann denk ich «Hamburg meine Perle» und singe / home sweet home!), die Trauergemeinde ist in blau-weiss-schwarz angetreten, der Sarg ist mit der Raute geschmückt und der Priester hat einen Fanschal um den Hals. Schöner kann ein Anhänger des Hamburger Sportvereins nicht aus der Welt scheiden.

Doch nachdem man sozusagen die ewige Rote Karte gesehen hat, gilt es auch, einen angemessenen Ruheplatz zu finden. Hier hat der HSV nun Abhilfe geschaffen: Fans des Hamburger Bundesligisten haben seit Anfang Juli die Möglichkeit, sich mit einem HSV-Begräbnis gleich beim Stadion beerdigen zu lassen.

«Die Bindung an Vereine oder Klubs ist manchmal sogar stärker als an die Familie», sagte eine Sprecherin des Grosshamburger Bestattungsinstitut (GBI). Das Unternehmen hat einen Lizenzvertrag mit dem Fussballverein abgeschlossen und bietet die aussergewöhnlichen Beerdigungen an. Der Erlös der Lizenzgebühren fliesst in den geplanten HSV-Friedhof in Altona, in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadions.

Auch der HSV hat sich bereits im vergangenen Jahr auf dem Altonaer Friedhof, in unmittelbarer Nähe des Stadions, ein Gräberfeld reserviert. «Wir wollen ein landwirtschaftliches Design, das an die Stadionstruktur erinnert», sagt HSV-Vorstandsmitglied Christian Reichert. Vorstellbar seien Pflanzen in der Rautenform des HSV-Emblems, Gedenksteine für berühmte HSV-Spieler oder eine halbrunde Anordnung der Gräber, die an die Form eines Stadions erinnert. Wegen fehlender Gelder verzögerte sich aber bislang die Errichtung des HSV- Friedhofs.

Die Resonanz habe gezeigt, dass Bedarf besteht. In den ersten Tagen hätten rund 20 hartgesottene Anhänger angerufen und Interesse bekundet. Die Beisetzungen im HSV-Stil kosten zwischen gut 800 und mehr als 3000 Euro. Bei der günstigeren Variante gibt es das Bier beim «Leichenmahl» wahrscheinlich stilecht aus Plastikbechern.

Ähnliche Angebote gibt es schon in anderen Städten. Ein Bestattungsunternehmer aus dem Ruhrgebiet erfüllt beispielsweise den letzten Willen von Schalke- oder Borussia-Dortmund-Fans und bietet sogar Urnen in Fussballform an. «In Holland gibt es eine Urnenwiese aus dem alten Rasen des Ajax-Amsterdam-Stadions», erklärt Peter Cardorff, Autor eines Buches über die Trauerkultur in der Fussballszene.

Und in der Nähe von Buenos Aires hat der Stammverein der argentinischen Fussballlegende Diego Maradona, Boca Juniors, einen eigenen Fan-Friedhof eröffnet. Boca Juniors war sogar der erst Verein, der sich die Treue seiner Anhänger auch über deren Ableben hinaus gesichert hat. Und bei Real Madrid gibt es sogar die Möglichkeit, sich unter der Tribüne des Bernabeu-Stadions beisetzen zu lassen.

Kamerun sucht neuen Teamchef per Internet

WIEN – Der Fussball-Verband von Kamerun sucht per Anzeige auf seiner Homepage einen neuen Nationaltrainer. Jules Nyongha, unter dessen Leitung das Team in drei Spielen drei Siege verbuchte, scheint trotz der erfolgreichen Qualifikation für den Afrika-Cup 2008 in Ghana keine Zukunft mehr zu haben. Laut Annonce müsse der neue Coach bereit sein, dauerhaft in Kamerun zu wohnen, was Nyonghas Vorgänger Arie Haan und Winfried Schäfer aufgrund der vielen in Europa spielenden Kameruner als wenig sinnvoll erachtet hatten.
So könnte der letzte Gang als HSV-Fan aussehen.- ZVG

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