3-Tage-Comeback beim schwächsten Team der Schweiz Timo Konietzka riecht wieder den Stallgeruch

  • Publiziert: 15.04.2011, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Andreas Böni (Text) und Sven Thomann (Fotos)

EBIKON - LU - Zwei Jahre lang hat Ebikon 3 kein Spiel mehr gewonnen. Nun hilft Trainer-Legende Timo Konietzka (72).

Mai 1994. Timo Konietzka hört als Trainer beim FC Luzern auf. Übernimmt danach nie mehr eine Mannschaft.

14. April 2011. Konietzka steht erstmals wieder auf dem Trainingsplatz. Er soll die dritte Mannschaft von Ebikon LU retten. Vor der Bilanz der Schande. Letzte Saison in der 5. Liga: 18 Spiele, 18 Niederlagen, 97 Gegentore. Diese Saison: 10 Spiele, 10 Pleiten, 49 Gegentore. Das schlechteste Team der Schweiz.

Nach 17 Jahren hält Konietzka (72) wieder eine Einheit ab. Seine Mission: Am Samstag um 20 Uhr beim Heimspiel gegen den Weggiser SC den ersten Sieg seit zwei Jahren einfahren.

Um 18.48 Uhr begrüsst er seine Spieler per Handschlag in der Kabine, hält eine launige Ansprache. Erzählt, wie er bei einem Promi-Spiel schon den Turner Donghua Li trainierte. «Den hatten wir aber nur, damit er sechs, sieben Flickflacks machen konnte, wenn wir ein Tor schossen.»

Dann fügt er an: «Konditionell seid ihr gut drauf. Ihr könnt diesen Sieg schaffen. Wichtig ist, dass wir Ordnung haben. Verlieren kann nur einer: Ich. Aber bitte, tut mir das nicht an!» Gelächter in der Kabine. Auf dem Platz herrscht ab 19.01 Uhr Ruhe.

21 Hütchen hat er aufgestellt, mahnt immer wieder zu Tempo und sauberer Ballführung. Eineinhalb Stunden schlaucht er die Spieler. Lässt fast alles mit Ball machen.

Damit es mit dem Coup am Samstag klappt, verordnet er den Spielern striktes Alkohol-Verbot. Zu BLICK sagt er: «Ich kenne ja die Stammbeizen in Ebikon und werde am Tag vor dem Spiel ab 22 Uhr rigoros kontrollieren.» Obwohl Alkohol für die Teambildung gut sei.

«Als ich bei 1860 München Meister wurde unter Max Merkel, hatten wir zwei Gruppen: wir, die Bier soffen, und jene, die Milch tranken. Im Training haben wir Alkoholiker sie mit 7:0 weggefegt. Da sagte Merkel: ‹Saufts weiter …›»

Am Samstag kommts zum Trainer-Comeback des Jahres. Nur Konietzkas Frau Claudia sorgt sich ein wenig um Timo. «Claudia hat Angst, dass ich auf der Bank wieder eine Herzattacke bekomme», sagt Timo lachend. «Sie hat mir vom Comeback abgeraten, aber der sture Schädel setzt sich durch.»

Führt Timo Konietzka Ebikon (5. Liga) wieder auf die Siegerstrasse?»

  • 62,0% Ja! Timo schafft das
  • 38,0% Nein! Da ist Hopfen und Malz verloren