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Nachdem Ljuobo Milicevic Ende Fabruar 2008 bei Melbourne Victory gefeuert wurde (siehe Box rechts), fiel der ehemalige YB-Spieler in eine tiefe Depression, die schon in Bern seinen Anfang genommen hatte. Dem australischen Ableger des Fachmagazins «Four Four Two» schilderte er kürzlich, was er alles durchmachte.
«Ich sass ein halbes Jahr nur auf der Couch, habe Pizza und Schokolade gegessen und Pornos geschaut. Ich wollte mit niemandem reden, nicht mal mit meiner Familie. Damals habe ich ernsthaft daran gedacht, zurückzutreten.»
Er kommt erst wieder auf die Beine, als er beginnt, für einen Freund im Garten zu arbeiten. «Für 100 Dollar am Tag. Das hat mir Spass gemacht, es gab mir eine Beschäftigung», sagt Milicevic. Schritt für Schritt gewöhnte er sich wieder an einen normalen Tagesablauf.
Thuner Champions-League-Held
Sein Fall war verdammt tief. Und das nur kurze Zeit, nachdem er mit dem FC Thun in der Champions League brilliert hatte.
Als sein Vertrag in Thun auslief, war Milicevic ein begehrter Mann. Er hatte Angebote aus Deutschland und England, wechselte dann aber zu YB, weil er in England keine Arbeitsbewilligung erhielt. Ex-YB-Trainer Gernot Rohr boxte den Transfer im Alleingang durch, nach dem der Vorstand bereits sein Veto eingelegt hatte.
Rohr machte Milicevic zum Captain, was teamintern nicht gut ankam. Der «Socceroo» war zudem stark übergewichtig. «Ich wog über 100 Kilo. Der Gang auf die Waage war jeden Tag eine Qual, aber ich konnte es nicht ändern. Ich war einfach nicht mit dem Herzen dabei. Das machte mich traurig. Ich konnte nicht zeigen, was ich wirklich kann.»
Aus YB-Kreisen wird kolportiert, Milicevic habe damals rund 400000 Franken Handgeld kassiert. Die Summe soll Investor Fritz Bösch aufgebracht haben. Milicevic sagt jetzt: «Es floss viel weniger Geld. Aber ich möchte den damaligen Unterschriftsbonus an die Investoren zurückzahlen.»
Neue Aufgaben und Ziele
In die Schweiz will Milicevic nicht mehr zurückkehren. «Ich will andere Länder und Kulturen kennenlernen», sagt er.
Sein Plan ist es, sich in Australien wieder für höhere Aufgaben zu empfehlen. Das Ziel heisst England. Milicevic ist zuversichtlich: «Ich habe hart trainiert und wiege nur noch 85 Kilo.»
Er hat der Welt schliesslich noch einiges zu beweisen.