So stehlen die Spielerfrauen den Fussball-Stars die Show! Sylvie und Co. im Rampenlicht

  • Publiziert: 01.09.2008, Aktualisiert: 02.01.2012
  • von Matthias Greulich, Sportmagazin

Egal ob Sylvie van der Vaart in Madrid oder Sarah Brandner in München: Die Spielerfrauen stehlen den Fussball-Stars die Show. Warum?

«Noch nie wurde so viel über Spielerfrauen berichtet», sagt Christine Eisenbeis, 28. Sie muss es wissen, die Expertin hat die erste Diplomarbeit über «Spielerfrauen in den Medien» geschrieben.

Frau Eisenbeis, wer hat Victoria Beckham als Königin der Spielerfrauen beerbt?
Christine Eisenbeis: Coleen McLoughlin, die Frau von Wayne Rooney, bricht derzeit alle Rekorde. Sie ist 22 und hat schon einen Millionenvertrag mit Nike, dazu Verträge mit verschiedenen Modelabels. Sie moderiert eine eigene Fernsehshow, sie hat sich einen Bestseller über ihr Leben schreiben lassen. Und ihre Body-Workout-DVD verkauft sich ebenfalls prächtig.

Lange galt das Klischee des «blonden Manndecker-Dummchens», wie die Zeitschrift «Park Avenue» schrieb. Entspricht das dem negativen Image, das viele Spielerfrauen haben?
Ich denke schon. Ein Beispiel: In einem Interview in ihrem eigenen Buch wird McLoughlin gefragt, welche Partei sie wählt. Ihre Antwort: «Ich habe noch nie gewählt. Um ehrlich zu sein, weiss ich gar nicht, was die verschiedenen Parteien überhaupt bedeuten.» Wir reden von einer Stilikone, die scheinbar in ganz England von anderen Mädchen angehimmelt wird. So etwas kann man sich in Deutschland und der Schweiz nicht vorstellen. Noch nicht. Und das ist ja auch gut so.

Seitdem die Gefährtinnen der Nationalspieler bei der Weltmeisterschaft 2006 durch Shopping-Exzesse im noblen Baden-Baden unangenehm auffielen, heissen sie in England nur noch WAGs, die Abkürzung für Wives and Girlfriends (Ehefrauen und Freundinnen). Nun waren die WAGs notgedrungen mit ihren Männern im Sommerurlaub, anstatt bei der Euro auf Shoppingtour zu gehen. Wurden Frau Rooney und Co. würdig vertreten?
Die Russinnen haben sich grosse Mühe gegeben, die durch das Fehlen der Engländerinnen entstandene Lücke zu schliessen. Anna Semak, die Frau des russischen Kapitäns Sergei hat berichtet, dass ein Grossteil der Frauen sehr viel Geld beim Shopping ausgegeben hat und sie alle dicke Autos fahren. Sie meinte: Die eineinhalb Millionen Euro, die die Engländerinnen während der Weltmeisterschaft in Baden-Baden ausgegeben hätten, seien von den russischen Spielerfrauen in Österreich bestimmt übertroffen worden.

Welche Spielerfrauen sind noch aufgefallen?
International gibt es einige Top-Models, die mit Spielern liiert sind und die bei vielen Shootings zu sehen waren. Sylvie van der Vaart sieht natürlich unverschämt gut aus, aber auch Marta Cecchetto, die Freundin von Luca Toni, Alena Seredova (Freundin von Gianluigi Buffon), Eva Gonzalez (Iker Casillas), Helena Ibrahimovic und Claude Makeleles Freundin Noémi Lenoir spielen in der Top-Liga.

Täuscht der Eindruck, dass die Spielerfrauen bei der Euro das grosse Thema waren?
Nein, es wurde unheimlich viel über die Spielerfrauen berichtet, so viel wie noch nie. Man hat die Frauen auf der VIP-Tribüne im Stadion gezeigt. Die Holländerinnen haben nach dem Spiel ihre Kinder zu den Spielern aufs Spielfeld gereicht. Das hatte etwas von einem Familienfest und nichts von der Hühnerstange, wie die Tribüne abfällig genannt wurde. Mich hat das an Szenen aus der Leichtathletik erinnert, als amerikanische Athleten ihre Kids auf die Laufbahn geholt haben. Das fand ich positiv.

War die Berichterstattung insgesamt positiver als früher?
Ich finde ja. In Deutschland war Sarah Brandner, die Freundin von Bastian Schweinsteiger, nach einer Analyse von 235 Zeitungen und Zeitschriften der Medien-Liebling der EM. Die seriöse «Frankfurter Allgemeine Zeitung» druckte nach dem 3:2-Sieg im Viertelfinal gegen Portugal ein Foto von ihr, wie Schweinsteiger sie umarmt. Die Überschrift lautete «Der Brandner-Faktor». Sarah war zur Hauptperson geworden – und das in der FAZ. Im Magazin der «Süddeutsche Zeitung» wurde geschildert, wie Schweinsteiger dank seiner neuen Freundin aus der sportlichen Krise fand. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass Sarah einige schwule Freunde hat. So wurde das jedenfalls in diesem Bericht dargestellt. «Ihre besten Freunde sind Schwule» – für einen Fussballer hört sich das scheinbar unglaublich an.

Einige Zeitungen sorgten sich, ob die 19-jährige Brandner nach den EM-Spielen am nächsten Morgen auch um acht Uhr in der Schule war.
Der Rektor ihres Gymnasiums wurde von verschiedenen Medien zitiert. Sarah sei nach jedem Spiel am nächsten Morgen pünktlich in der Schule gewesen. Wenn das mein Rektor gewesen wäre, würde ich mich allerdings fragen, wieso er darüber Auskunft gibt. Obwohl Brandner in den Medien nicht viel sagt, wurde sie auch heftig kritisiert. Die Society-Expertin Sibylle Weischenberg fuhr einen Anti-Sarah-Kurs. Es sei peinlich, wie sich Sarah beim Shooting für «Vanity Fair» unter Bastian räkelt. Da sind die Meinungen geteilt. Unlängst war in der Presse zu lesen, dass Sarah Brandners Tagesgage als Model durch das grosse Medieninteresse während der Euro auf 15 000 Euro gestiegen sei. Wenn die Leute so etwas lesen, spielt Neid natürlich immer eine grosse Rolle.

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