Zibung: «Fresse halten und arbeiten»

  • Publiziert: 08.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Thomas Renggli

Auf der Allmend läuten die Alarmglocken. FCL-Trainer Morinini verströmt die grosse Ratlosigkeit. Jetzt ruft Goalie Zibung die Mannschaft in die Verantwortung.

Die Zeiten, als Eindringlinge in der Innerschweiz nichts zu lachen hatten, sich früher oder später mit dem heiligen Zorn und der Tapferkeit der Urbevölkerung konfrontiert sahen, sind Schnee von gestern. Die alten Eidgenossen gibts nicht mehr, und der FC Luzern, eigentlich der Stolz der ganzen Region, befindet sich im freien Fall Richtung Challenge League.

Gefordert wäre ein moderner Winkelried, ein Mann, der sich aufopfert und seine Teamkollegen aus der Sackgasse führt. Doch davon ist weit und breit nichts zu sehen. Auf dem Platz fehlen die Leader. Und Trainer Roberto Morinini, der Mitte August die Nachfolge von
Ciriaco Sforza angetreten hat, scheint mit seiner zurückhaltenden, intellektuellen Art als Troubleshooter eine Fehlbesetzung. In der Nachbetrachtung des 0:3 gegen den FCZ («wenn man solche Tore kassiert, ist es unmöglich zu gewinnen») verströmte er mehr Ratlosigkeit als Überzeugungskraft – wie ein Feuerwehrmann, der ohne Schlauch dasteht und nicht weiss, wo sich der Brandherd befindet.

Jetzt ergreift Goalie David Zibung, einer der wenigen waschechten Luzerner in der Mannschaft, die verbale Offensive: «Jeder einzelne Spieler steht in der Verantwortung. Wir müssen die Fresse halten und arbeiten.» Der 24-jährige ehemalige Junioren-Internationale, der noch vor kurzem in der Bundesliga ein Thema war, nun aber in seinem Klub von der Negativspirale erfasst wurde, will auch nichts von Sprachproblemen zwischen dem Tessiner Morinini und der Mannschaft wissen: «Herr Morinini spricht in der Kabine Deutsch. Er bereitet seine Statements sehr gut vor und wird garantiert von jedem verstanden. Die Fussballsprache ist sowieso international.»

Auch den Unmut des Publikums, das im Match gegen Zürich nur den Kameruner Jean-Michel Tchouga von den gesanglichen Verwünschungen («Ausser Tchouga könnt ihr alle gehn») ausschloss, kann Zibung verstehen: «Die Leute bezahlen und wollen eine Gegenleistung. Und die sind wir zuletzt schuldig geblieben.» Und wie beurteilt er die Situation, dass das nächste Meisterschaftsspiel erst in zweieinhalb Wochen stattfindet? «Wir müssen das als Chance sehen. Denn nun haben wir eine 17-tägige Vorbereitungszeit auf die wegweisende Saisonphase». Wegweisend ist in diesem Fall mehr als eine Floskel. Denn auf das Schlusslicht warten die direkten Konkurrenten aus Neuenburg und Bellinzona. «Sechspunktespiele», wie Zibung sagt.

Den dunklen Wolken, die momentan über der Allmend hängen, kann immerhin ein Luzerner entfliehen, der haitianische Verteidiger Frantz Bertin. Er spielt am Samstag mit der Nationalmannschaft seines Landes in Port-Au-Prince gegen El Salvador und eine Woche später auswärts gegen Surinam.

play Winkelried? Goalie David Zibung, einer der wenigen waschechten Luzerner im Team, geht verbal in die Offensive. (Toto Marti)

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