YB-Doumbia zeigt sein Sixpack!

  • Publiziert: 12.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Benny Epstein und Peter Pflugshaupt

YB-Stürmer Seydou Doumbia trifft und trifft und trifft. Diesmal trifft er BLICK.

Mittagessen im Stade de Suisse, im Stadion-Restaurant
Eleven. Seydou Doumbia setzt sich mit dem langzeitverletzten Teamkollegen Thierry Doubai ganz hinten in der Ecke an den Tisch. Beide gönnen sich einen Teller Spaghetti und ein saftiges Stück Fleisch. Zum Trinken gibts Wasser. Hätte sich Doumbia die selbe Portion gegönnt, wenn er da schon gewusst hätte, dass er später mit nacktem Oberkörper posieren wird?

«Wohin wollen wir?», fragt der 21-Jährige nach dem Essen. Von Star-Allüren und Arroganz keine Spur. «Ist es so gut?», will Doumbia wissen, als er sich vor der legendären YB-Uhr aus dem alten Wankdorf-Stadion räkelt. Doumbia, der Mann der Stunde. Ein Dutzend Schulkinder und Rentner stehen staunend rundherum. Ein Star – und doch so volksnah. «Nein, nein. Ich bin kein Star. Es ist alles so, wie es immer schon war.»

Nicht ganz. Auf seine jüngsten Leistungen im YB-Dress dürfte Doumbia ruhig ein bisschen stolz sein. Sieben Tore in den letzten fünf Pflichtspielen. Mit elf Meisterschafts-Treffern ist er inzwischen der zweitbeste Torschütze der Liga. Nur FCZ-Stürmer Eric Hassli hat noch zwei Tore mehr auf seinem Konto. Doch während Hassli im Schnitt 131 Minuten für ein Tor braucht, trifft der YB-Knipser alle 54 Minuten.

«Mama trägt zu Hause mein Trikot»
So bescheiden sich der Mann von der Elfenbeinküste gibt, so stolz ist seine Mutter. Seydou ist der Älteste von vier Söhnen. «Sie ist sehr stolz auf mich. Mama trägt zu Hause mein Trikot. Wenn ich meine Familie in Abidjan besuche, bringe ich immer YB-Leibchen mit meinem Namen mit.» Seydou telefoniert nach jedem Match mit Mama. In der Heimat kennt ihn jeder. «Ja klar, alle wissen, was in der Schweiz gerade los ist.» Doumbia fühlt sich wohl in der Schweiz.

Auf der Berner Allmend kriegt der Torjäger einen Fussball in die Hände. Einen Augenblick später jongliert er den Ball gekonnt über die Wiese. Stoppt ihn auf dem Kopf, jongliert ihn auf dem Oberschenkel, schiesst den Ball in die Höhe, stoppt ihn auf dem Nacken. Zirkusreif. «Als Kind spielte ich immer auf der Strasse», erzählt Doumbia.

«Darf ich dir den noch zeigen?» Mit Leichtigkeit rennt er gut und gerne fünfzig Meter über das Feld und jongliert dabei den Ball, ohne dass dieser auch nur einmal herunterfällt.

«Der beste Techniker bin ich nicht»
Der beste Techniker bei den Bernern sei er aber nicht. «Das ist ‹Häbi›. Was der draufhat, ist grosse Klasse.» Thomas Häberli selbst schwärmt für Doumbia: «Was er auf dem Platz abliefert, muss ich nicht kommentieren. Das sieht wohl jeder. Aber Seydou ist eben auch eine super Persönlichkeit. Er strahlt immer, auch wenn er auf die Bank muss. Ich habe ihn noch nie mit einem ‹Lätsch› gesehen.»

Modell-Athlet Doumbia zeigt uns seinen Oberkörper. Was für ein Anblick, Mister Sixpack!

In dieser Saison möchte Seydou «My Lord» Doumbia die Liga und den Cup gewinnen. Und sich in die ivorische Nati spielen. Die Konkurrenz im dortigen Zwei-Mann-Sturm ist gross: Didier Drogba, Salomon Kalou (beide Chelsea) und Boubacar Sanogo (Hoffenheim) sind nur drei von vielen klingenden Namen, die mit YB-Doumbia um die Plätze kämpfen. «Ich weiss, wie schwierig das ist.»

Doumbia verlangt seinen Kapuzen-Pullover zurück. «Ich friere, es ist einfach zu kalt in der Schweiz!» Einverstanden.

Also, los Doumbia, bring uns einen heissen Sommer!

Die Ivorer Young Boys

YB unterhält mit der Fussball-Akademie von Adjamé in der Elfenbeinküste eine Partnerschaft. Auch Doumbia lernte dort Fussball spielen.

Doumbia kam allerdings nicht direkt aus der Elfenbeinküste zu YB. Er wechselte im letzten Sommer auf Anraten Thierry Doubais hin zu den Bernern. Doumbia spielte bei Kashiwa in Japan, als einziger Afrikaner der Liga! Die Juniorenzeit absolvierte er zusammen mit Doubai bei der Fussball-Akademie von Adjamé.

YB unterstützt die Fussball-Schule von Adjamé in der Hauptstadt Abidjan seit 2007 mit einem jährlichen finanziellen Beitrag und mit Material. Dazu hat YB ein Vorkaufsrecht auf alle Spieler der Akademie. Neben Doubai, der nach seinem zweiten Kreuzbandriss voraussichtlich erst 2010 wieder spielen kann, und Doumbia, ist auch das 18-jährige Mittelfeldtalent Youssouf Traoré bei YB. YB-Sportchef Alain Baumann: «Die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Wir sind froh, wenn die Spieler möglichst jung zu uns kommen. Dann können sie sich besser an den europäischen Fussball adaptieren.»

Der Trainer und der Präsident der Akademie waren schon in Bern um sich Know-how zu holen. Dazu ist geplant, dass YB in nächster Zeit Trainer temporär nach Abidjan schickt, um Trainingseinheiten zu führen und bei der Ausbildung mitzuhelfen.

Die Partnerschaft läuft vorerst bis 2012, könnte sich aber als Investition für die Zukunft erweisen. Denn die Berner partizipieren auch bei Transfers von Adjamé-Spielern, die nicht zu YB kommen. Und aus der Elfenbeinküste stammen immer wieder Fussball-Diamanten: aktuell Topstars wie Didier Drogba (Chelsea), Kolo Touré (Arsenal) oder Yaya Touré (Barça).

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