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Mittagessen im Stade de Suisse, im Stadion-Restaurant
Eleven. Seydou Doumbia setzt sich mit dem langzeitverletzten Teamkollegen Thierry Doubai ganz hinten in der Ecke an den Tisch. Beide gönnen sich einen Teller Spaghetti und ein saftiges Stück Fleisch. Zum Trinken gibts Wasser. Hätte sich Doumbia die selbe Portion gegönnt, wenn er da schon gewusst hätte, dass er später mit nacktem Oberkörper posieren wird?
«Wohin wollen wir?», fragt der 21-Jährige nach dem Essen. Von Star-Allüren und Arroganz keine Spur. «Ist es so gut?», will Doumbia wissen, als er sich vor der legendären YB-Uhr aus dem alten Wankdorf-Stadion räkelt. Doumbia, der Mann der Stunde. Ein Dutzend Schulkinder und Rentner stehen staunend rundherum. Ein Star – und doch so volksnah. «Nein, nein. Ich bin kein Star. Es ist alles so, wie es immer schon war.»
Nicht ganz. Auf seine jüngsten Leistungen im YB-Dress dürfte Doumbia ruhig ein bisschen stolz sein. Sieben Tore in den letzten fünf Pflichtspielen. Mit elf Meisterschafts-Treffern ist er inzwischen der zweitbeste Torschütze der Liga. Nur FCZ-Stürmer Eric Hassli hat noch zwei Tore mehr auf seinem Konto. Doch während Hassli im Schnitt 131 Minuten für ein Tor braucht, trifft der YB-Knipser alle 54 Minuten.
«Mama trägt zu Hause mein Trikot»
So bescheiden sich der Mann von der Elfenbeinküste gibt, so stolz ist seine Mutter. Seydou ist der Älteste von vier Söhnen. «Sie ist sehr stolz auf mich. Mama trägt zu Hause mein Trikot. Wenn ich meine Familie in Abidjan besuche, bringe ich immer YB-Leibchen mit meinem Namen mit.» Seydou telefoniert nach jedem Match mit Mama. In der Heimat kennt ihn jeder. «Ja klar, alle wissen, was in der Schweiz gerade los ist.» Doumbia fühlt sich wohl in der Schweiz.
Auf der Berner Allmend kriegt der Torjäger einen Fussball in die Hände. Einen Augenblick später jongliert er den Ball gekonnt über die Wiese. Stoppt ihn auf dem Kopf, jongliert ihn auf dem Oberschenkel, schiesst den Ball in die Höhe, stoppt ihn auf dem Nacken. Zirkusreif. «Als Kind spielte ich immer auf der Strasse», erzählt Doumbia.
«Darf ich dir den noch zeigen?» Mit Leichtigkeit rennt er gut und gerne fünfzig Meter über das Feld und jongliert dabei den Ball, ohne dass dieser auch nur einmal herunterfällt.
«Der beste Techniker bin ich nicht»
Der beste Techniker bei den Bernern sei er aber nicht. «Das ist ‹Häbi›. Was der draufhat, ist grosse Klasse.» Thomas Häberli selbst schwärmt für Doumbia: «Was er auf dem Platz abliefert, muss ich nicht kommentieren. Das sieht wohl jeder. Aber Seydou ist eben auch eine super Persönlichkeit. Er strahlt immer, auch wenn er auf die Bank muss. Ich habe ihn noch nie mit einem ‹Lätsch› gesehen.»
Modell-Athlet Doumbia zeigt uns seinen Oberkörper. Was für ein Anblick, Mister Sixpack!
In dieser Saison möchte Seydou «My Lord» Doumbia die Liga und den Cup gewinnen. Und sich in die ivorische Nati spielen. Die Konkurrenz im dortigen Zwei-Mann-Sturm ist gross: Didier Drogba, Salomon Kalou (beide Chelsea) und Boubacar Sanogo (Hoffenheim) sind nur drei von vielen klingenden Namen, die mit YB-Doumbia um die Plätze kämpfen. «Ich weiss, wie schwierig das ist.»
Doumbia verlangt seinen Kapuzen-Pullover zurück. «Ich friere, es ist einfach zu kalt in der Schweiz!» Einverstanden.
Also, los Doumbia, bring uns einen heissen Sommer!