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Es gibt in der Schweiz keinen Spieler, der sich so wenig um sein Image kümmert wie Carlos Varela, der meistgehasste Fussballer des Landes. Möglich, dass es Menschen gibt, die selbst beim Lesen dieser Zeilen einen Wutausbruch haben, so unbeliebt ist der Mann.
Berührt der in Genf aufgewachsene Spanier den Ball, toben die gegnerischen Fans und die Gegenspieler schäumen. Von den Rängen hagelt es Pfiffe und oft Gegenstände. Was Varela meist selber zu verantworten hat. Er provoziert gerne, sagt, die Pfiffe, die Emotionen würden ihn zusätzlich motivieren. Es macht ihm nichts aus, dass ihn viele Leute nicht ausstehen können. Servettes heutiger Sportchef Sébastien Fournier sagte einst: «Varela ist ein Kind.» Aaraus Ex-Captain Sven Christ ging noch weiter: «Varela ist der dümmste Fussballer der Welt.» Das stimmt natürlich nicht, zeigt aber, welche Feindseligkeit ihm entgegenschlägt.
Steht Varela auf dem Feld, wird es im Stadion bestimmt nicht langweilig. Dabei ist er abseits des Platzes eher ein zurückhaltender Typ.
Varela legt sich auch gerne mit den Schiedsrichtern an, diskutiert leidenschaftlich über jede Entscheidung. Und er ist ein Meister im «Trash Talk», brachte schon so manchen Gegner zum Ausrasten – und zum Platzverweis. Sein Manko: Wenn er gereizt wird, kann er sich kaum beherrschen und lässt sich schon mal zu einer Tätlichkeit hinreissen. Nicht umsonst hat er in seiner NLA-Karriere rekordverdächtige 93 Gelbe Karten gesammelt.
Aber Varela, der auch diesen Sommer wieder von Vereinen aus Frankreich und Spanien umworben wurde, sagt: «Ich habe mich gebessert und bin ruhiger geworden.» Trotzdem kann der Vulkan Varela jederzeit ausbrechen. Besonders gegen seinen Lieblings-Feind: den FCB. Am Freitag, beim 1:2, brauchte er nur 21 Sekunden für sein erstes Foul. Nach Abpfiff dann zog er in der «Mixed Zone» über «arrogante Basler» her, die «keinen Fussball» spielen würden. Als die FCBler wenig später in Richtung Kabine liefen, warfen ihm fast alle Spieler einen verächtlichen Blick zu. Nein, einen Beliebtheitspreis wird Varela in seiner Karriere nicht mehr gewinnen.
Das war schon immer so: bei Servette, Basel und Aarau. Bis zu seinem Wechsel zu YB 2005 war Varela auch in Bern ein rotes Tuch. Für seine umstrittene Verpflichtung, er war damals bei Aarau suspendiert und am Boden, hätte Ex-YB-Sportchef Marcel Hottiger eigentlich ein Orden verdient. Denn wer Varela nur als Provokateur begreift, macht es sich zu einfach.
Der Mann ist eine Attraktion, eine der wenigen, die unserer Mittelmass-Super-Liga geblieben sind. Ein begnadeter Fussballer auf der rechten Aussenbahn, eine Rakete mit toller Technik – einer mit seinen Qualitäten müsste eigentlich längst in der Nationalmannschaft spielen. Aber wer Varela kennt, weiss, dass er sich darüber keine Gedanken macht und sich erst recht nicht selber anbiedern würde. Bis heute besitzt er keinen Schweizer Pass. Es kümmert ihn ganz einfach nicht.