Beim FC Sion wird der Trainer nach vier Monaten entlassen. Im Schnitt. Vier Opfer reden über ihre Erfahrungen mit Klub-Boss Constantin.
Nestor Clausen, 2006 nach 125 Amtstagen abgetreten
«Grundsätzlich habe ich eine gute Erinnerung an Sion. Mir wurde alles zur Verfügung gestellt, um Erfolg zu haben. Vor allem ein gutes Team. Leider aber deckte sich meine Philosophie nicht mit jener des Präsidenten. Fussball ist ein Spiel. Und da gehört die Möglichkeit einer Niederlage einfach dazu. Doch das hat Constantin nie begriffen. Er hat nur permanent Druck aufgesetzt. Natürlich: Er ist der Patron. Deshalb darf er auch in die Kabine kommen, wie er das immer tut. Doch dann kommt es darauf an, was er dort sagt und macht. Er mischt sich aber derart ein, dass die Autorität des Trainers den Spielern gegenüber untergraben wird. Für mich als Argentinier war das schlimm. Deshalb habe ich den Bettel auch hingeschmissen. Was übrigens keine Kurzschlusshandlung war. Heute habe ich keine Beziehung mehr zu Constantin. Und ich werde auch niemals ins Wallis zurückkehren, solange er Präsident ist. Auch wenn er gerne ehemalige Trainer zurückholt. Constantin hat seine Methode, mit der er Meister und Cupsieger geworden ist. Er weiss also, dass er damit Erfolg haben kann. Deshalb wird er sich nicht ändern. Ich auch nicht.»
Marco Schällibaum, im November 2006 nach nur 44 Amtstagen entlassen
«Bei aller Kritik darf man eines nicht vergessen: Christian Constantin versteht viel von Fussball. Und er lebt für den Fussball, zumindest beim FC Sion. Allerdings hat er ein grosses Problem: Er vertraut niemandem. Und deshalb erhält ein Trainer, dem er bei der Verpflichtung eigentlich das Vertrauen schenkt, nur Rückendeckung, solange er Erfolg hat. Den Massstab für Erfolg legt Constantin selbst fest. Und wenn er diesen angestrebten Erfolg nicht hat, beginnt er zu toben, zu wüten, zu trotzen. In jenen Momenten erinnert mich Constantin an einen kleinen Buben, dem man sein Spielzeug wegnimmt. Dabei nimmt ihm niemand etwas weg. Im Gegenteil: Man will ihm helfen, dass er mit seinem Spielzeug glücklich wird. Anders gesagt: Das Problem beim FC Sion sind nicht die Trainer, das Problem beim FC Sion ist Constantin selbst. Solange er sein Misstrauen gegenüber Trainern nicht ablegen kann, solange wird es ziemlich schwierig sein, beim FC Sion ein solides Fundament zu legen.»
Gilbert Gress, an Ostern 2005 entlassen
«Ich möchte mich nicht über Monsieur Constantin äussern, wirklich nicht. Wir sind uns nach der Trennung nie einig geworden. Das ist nun vier Jahre her. Der Fall liegt noch immer vor Gericht. Ich habe keine Ahnung, wie lange das noch dauert. Aber warum sollte ich nachgeben? Schliesslich geht es um offene Rechnungen. Ich habe mit Sion in 18 Spielen nur einmal verloren, ein einziges Mal. Und dann bin
ich entlassen worden. Wer soll das verstehen? Ich habe mir in Sion nichts vorzuwerfen, habe all meine Pflichten erfüllt und alles für den Erfolg getan. Aber zu Monsieur Constantin werde ich nichts sagen, wirklich nicht.»
Christian Constantin, stellte sich im Cup-Halbfinal gegen Luzern wieder selbst als Trainer auf
«Eines ist klar: Ich hatte nie Probleme mit dem Präsidenten. Aber nach Spielen musste ich mir als Trainer auch schon eingestehen: Dieses und jenes hätte ich vielleicht anders machen können. Dann sprach jeweils der Präsident, der den Trainer zitierte. Naturgemäss waren die Kommunikationswege ziemlich kurz. Unzufrieden ist der Präsident mit der Bilanz des Trainers nicht. Schliesslich schaffte es dieser in den Cupfinal. Deshalb würde Präsident Constantin nicht ausschliessen, erneut auf Trainer Constantin
zurückzugreifen. Zum Beispiel dann, wenn sich ein Coach wieder einmal mit einem ärztlichen Zeugnis krank abmeldet.»