«Verräter» kaltgestellt

  • Publiziert: 22.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Alain Kunz

Er ist vielleicht der beste Regisseur alter Schule in der Schweiz. Doch Goran Obradovic (32) sitzt zwischen Stuhl und Bank: ausgemustert in Sion. Mit YB zu hoch gepokert.

Es ist nicht so, dass Sion-Trainer Uli Stielike überhaupt nicht auf ihn setzen wollte: Gegen Vaduz hätte Obradovic spielen sollen. «Doch Goran meldete sich mit einer Wadenverletzung ab», sagt Sion-Präsident Christian Constantin. Alltag.

Doch was weit weniger alltäglich ist: «Goran war nicht wirklich verletzt. Er wollte bloss nicht spielen, weil er mit YB verhandelte. Und das kann ich nicht akzeptieren», behauptet CC. Und was das bei ihm heisst, lehrt uns die Geschichte. Zumal der Boss das Wort «Verrat» in den Mund nimmt. Und nachschiebt: «Es ist nicht mehr dasselbe zwischen uns.» Im Klartext: Obradovics Zeit in Sion ist abgelaufen.

Der Serbe fällt aus allen Wolken. «Natürlich war ich verletzt. Ich trainiere wie in Irrer, auch um den Kopf zu lüften. Denn das hier, das ist sehr, sehr schwierig.» Und er meint die plötzlichen Stimmungswechsel des Präsidenten, die innert 24 Stunden von «unverkäuflich» zu «Verrat» gehen können.

Auf der Kontingentsliste der Swiss Football League, auf welcher pro Saison bloss 25 Namen erscheinen dürfen, fehlt jener des Serben. Und Sion hat bloss noch drei Plätze frei. Einer für einen Schweizer, zwei für Ausländer. Geht man davon aus, dass CC in der Winterpause noch den einen oder andern Transfer tätigen will, so wird klar, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Name Obradovic je darauf erscheinen wird.

Bei YB wird er es auch nicht. Denn CC, der gut Informierte, sagt, Obradovic habe zu hoch gepokert mit seiner Forderung nach einem Zweijahresvertrag und seinen finanziellen Vorstellungen. «Das höre ich zum ersten Mal», sagt Obradovic. Wahr ist, dass die Messlatte hoch ist. Denn Obradovic ist in Sion hinter Olivier Monterrubio derjenige Spieler mit dem höchsten Grundgehalt.

Auch St. Gallen hatte Interesse an einer Rückkehr des Spielmachers in die Ostschweiz gehabt. «Wir haben uns vor zwei, drei Wochen erkundigt. Und mussten feststellen: viel zu teuer!», so Espen-Präsident Michael Hüppi.

Obradovic und Sion – eine Ehe in Scheidung. Und doch: Es würde nicht mal massiv erstaunen, wenn der Serbe morgen gegen den FCZ zum Einsatz kommen würde. So ist das in CC-Land.

play Goran Obradovic blickt einer unsicheren Zukunft entgegen. (Keystone)

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