
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Unzufrieden Ist YB-Heisssporn Carlos Varela schon bald auf und davon? (Keystone)
Letzten Freitagnachmittag fuhr Carlos Varela nach Basel. Er übernahm dort das Dienstauto seines abgewanderten Kumpels Hakan Yakin (zu Al Gharafa).
Zu diesem Zeitpunkt dachte noch niemand daran, dass in Kürze Varelas Wagen verfügbar sein würde. Doch genau danach sieht es aus.
Wichtiger YB-Tag
Und deshalb wird der heutige Tag für YB zu einem der Wichtigsten des Jahres. Auf dem Programm steht die grosse Krisen-Sitzung mit Stadion-Boss Stefan Niedermaier, der sportlichen Leitung und Präsident Thomas Grimm. Dort soll der miese Saisonstart (zwei Niederlagen, ein Remis) analysiert werden.
In der Pflicht stehen Trainer Martin Andermatt und Sportchef Alain Baumann. Sie sollen Lösungen präsentieren, wie es mit YB wieder aufwärts geht. An der Sitzung soll auch entschieden werden, ob YB noch einen Spieler holt und was mit dem unzufriedenen Offensivspieler Alberto Regazzoni passiert, der zuletzt nicht mehr zum 18er-Kader gehörte.
Niedermaier muss Varela umstimmen
Der vielleicht wichtigste Termin für Niedermaier, der erst gestern aus den Ferien zurückkehrte, ist aber das Gespräch mit Carlos Varela.
Der «Fall Varela» ist ein weiterer Brandherd im Pulverfass YB. Der Spanier hat YB am Montagabend mitgeteilt, den Verein wechseln zu wollen. Varela ist frustriert und wieder einmal sauer auf die Liga («Ich bin ein Opfer») und die Schiedsrichter. Für seine angebliche Tätlichkeit an Ritzberger am Sonntag im Spiel gegen Vaduz (0:0) hatte Varela Rot gesehen. Gestern erhielt er dafür vom Einzelrichter nur eine Spielsperre aufgebrummt – quasi das Eingeständnis der Liga, dass der Platzverweis ein Irrtum war. Es war Varelas achte Rote Karte in seiner NLA-Karriere, zudem hat er 94 Mal Gelb gesehen.
In seinem alten Vertrag hatte Varela eine Klausel, die ihm automatisch bei jeder Karte einen empfindlichen Betrag von seinem Gehalt abzog. Als Varela im letzten Mai aber vorzeitig bis 2011 verlängerte, wurde die Klausel gestrichen.
Für Varela spielt das ohnehin keine Rolle mehr . Er will weg. Um jeden Preis. Zwar hat er schon mehrfach mit einem Wechsel kokettiert, diesmal scheint es ihm aber ernst zu sein. «Mir macht es keinen Spass mehr, hier Fussball zu spielen. Die Leute sehen nicht, wie ich leide.
Das alles ist eine grosse Belastung für mich», sagt der Heisssporn, der auch über YB-Sportchef Alain Baumann verärgert ist.
Varela hat sich mit Ajaccio geeinigt
Baumann liess sich in den Medien zitieren, Varela würde sich nicht bessern und sein Verhalten werde Konsequenzen haben. Varela fragte: «Was für Konsequenzen?» Baumann antwortete: «Wir werden eine Lösung finden müssen.» – Varela: «Was für eine Lösung?» – «Eine Ausleihe wäre eine Möglichkeit», sagte Baumann darauf – gemäss Varela. Der sagte: «Kein Problem» – und griff zum Telefonhörer.
Gegenüber BLICK bestritt Baumann einen solchen Dialog: «Das stimmt so nicht.» Diese Aussage bringt wiederum Varela auf die Palme. «Baumann hat mir diese Türe geöffnet, er kann sie jetzt nicht einfach zuschlagen.» Einer von beiden kann nicht die Wahrheit sagen...
In «weniger als zehn Minuten» einigte sich Varela jedenfalls mit Ajaccio, dem Verein von Ex-YB-Trainer Gernot Rohr. Die Korsen spielen zwar nur in der zweiten Liga, zahlen aber dennoch mehr Lohn.
«Wir wollen ihn mit einer Kaufoption für ein Jahr ausleihen», sagt Rohr. Und: «Das wäre eine gute Sache für Carlos und YB. Er müsste sich keine Sorgen mehr machen und YB würde einen ruhiger gewordenen Varela zurückbekommen.» Allerdings ist auch der wesentlich finanzkräftigere Ligue-1-Aufsteiger Le Havre interessiert.
Das Problem: Baumann kann ein solches Geschäft sowieso nicht entscheiden, das kann nur Chef Niedermaier. Und der sagt: «Varela ist der letzte Spieler, den wir abgeben. Das kommt nicht in Frage.»
In zwei langen Telefongesprächen versuchte er bereits gestern Varela umzustimmen – erfolglos.
Fans würden rebellieren
Heute wird der Stadion-CEO den nächsten Anlauf nehmen. Niedermaier weiss: Gäbe YB nach Superstar Hakan Yakin auch noch Varela ab – die ohnehin schon sehr unzufriedenen Fans würden rebellieren.
Niedermaiers grosse Hoffnung: Varelas Aussagen kommen nur aus einer Laune heraus, der Spanier werde sich schon wieder beruhigen.
Doch Varela sagt: «Ich will nicht mehr der Prügelknabe für alle sein, ich bleibe hart. Es kann jetzt alles sehr schnell gehen. Vielleicht räume ich noch diese Woche meine Sachen aus der Garderobe.»