Umberto Barberis, was tust du dir an?

  • Aktualisiert am 19.01.2012

Umberto Barberis war 93/94 sechzehn Monate Sion-Trainer – solange wie keiner. Jetzt erklärt er, warum er zum zweiten Mal beim «FC Kasperlitheater» anheuert.

BLICK: Ist Ihnen der Hörer aus der Hand gefallen, als Sie Christian Constantin angerufen hat?
Umberto «Bertine» Barberis:
Nein, das war ganz anders. Christian Zermatten hat mich angerufen und wollte mich an meinem Wohnort Lausanne treffen. Er wollte herausfinden, ob wir zusammenarbeiten könnten. Erst nachdem er Constantin berichtet hatte, dass wir beide ein gutes Gefühl hätten, rief mich der Präsident an.

Wie wird der Trainerjob zwischen Ihnen und Zermatten aufgeteilt?
Er wird mit den Trainings beginnen, weil er schon anderthalb Monate beim Team war. Er kennt ja alles aus dem Effeff. So habe ich Zeit, diese nicht gerade einfache Gruppe kennenzulernen. Entscheiden werden wir gleichberechtigt. Er hat Saft und ich die Erfahrung. Das ist das, was sich Constantin von mir erhofft.

Zwei gleichberechtigte Trainer, okay. Aber am Ende sagt ohnehin Constantin, wer spielt?
Als ich das erste Mal Trainer war, hat sich der Präsident nie in Aufstellungsfragen eingemischt.

Das wird nun aber anders sein.
Ich werde mich nicht verbiegen lassen, glauben Sie mir. Nach den Spielen werden wir mit Constantin die Taktik jederzeit besprechen, wie mit den Journalisten auch. Es wäre doch nicht normal, würde der Präsident sagen: Der und der muss spielen. Handkehrum werden wir die Aufstellung aber auch nicht vor ihm verheimlichen.

Haben Sie keine Bedenken, das Schicksal Ihrer vielen Vorgänger zu teilen?
Nein! Ich war ja arbeitslos, also nimmt man dann solch eine Riesenherausforderung gerne an. Zumal im Jubiläumsjahr des FC Sion*. Schwierig ist es im Fussball überall. Und wenn Christian und ich gemeinsam lachen, wenn er sagt, einzig der Totomat entlasse Trainer, so ist an diesem Spruch halt doch viel Wahres dran. Zudem hätte ich Nein sagen können. Niemand hat mich gezwungen. Und ich habe ja nicht für fünf Jahre unterschrieben, sondern bloss für sechs Monate. Da werde ich nach drei Monaten ganz gewiss nicht sagen: Du warst ein Idiot, diesen Job angenommen zu haben.

Sind Sie CC eigentlich noch böse, dass er Sie 1994 entlassen hat?
Nein, nein. Wir standen im WM-Jahr. Fast die gesamte Nati-Abwehr mit Lehmann, Quentin und Herr sowie Bonvin kam aus Sion. Die Jungs sind hundemüde aus den USA zurückgeflogen. Doch der Präsident forderte unerbittlich weiter, was sein gutes Recht ist. So regten sich alle künstlich auf, bis es halt zur Entlassung kam.

*Der FC Sion feiert heuer sein 100-Jahr-Jubiläum.

Umberto Barberis

Geboren: 5. Juni 1952
Karriere als Spieler: 1973 Sion, 74–75 GC, 75–81 Servette, 81–83 Monaco, 83–85 Servette.
Karriere als Trainer: 1987–93 Lausanne, 93–94 Sion, 95–96Servette, 2001–02 Lausanne, 04–07 Baulmes, 07–08 Lausanne.
Grösste Erfolge: Mit Servette Schweizermeister 1979 und 85; Cupsieger 78, 79, 84; Schweizer Fussballer des Jahres 75, 79, 80. Mit Monaco französischer Meister 82; bester ausländischer Spieler in Frankreich 81, 82.
Sion-Trainer Barberis: «Ich habe ja bloss für sechs Monate unterschrieben.»- Foto: EQ Images

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