Tihinen: «Ich will besser jassen als Sulander»

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Thomas Renggli aus Oliv Nova
Zwiespalt: Mit der finnischen Nati kämpfte Hannu Tihinen gegen die Schweiz. Der Verteidiger fühlt sich allerdings sehr wohl hier.- Keystone

OLIVA NOVA – FCZ-Captain Hannu Tihinen (32) ist eine Ausnahmeerscheinung. Die Popularität des Finnen ist so gross, dass ihm ein Fan aus Belgien nach Spanien nachgereist ist.

Der FC Zürich bereitet sich quasi undercover auf die zweite Saisonphase vor. Abgesehen von BLICK ist keine Zeitung im Trainingscamp vertreten. Auch die sonst reisefreudigen Fans aus der Südkurve haben auf den Abstecher verzichtet.

Captain Hannu Tihinen kann trotzdem auf einen persönlichen Support zählen. Denn aus Belgien, wo Tihinen zwischen 2002 und 2006 die Farben des RSC Anderlecht trug, ist ihm einer seiner grössten Fans nachgereist – Nico van Lancker, ein Fabrikangestellter aus Brüssel, der bei den Anderlecht-Spielen stets eine Finnland-Flagge schwenkte und in den letzten zwei Jahren 16 Partien des FC Zürich besucht hat.

«Es gibt so viele Fussballer, die nichts für die Fans übrig haben. Hannu ist da ganz anders. Er ist immer zu einem Gespräch bereit und hat stets ein offenes Ohr», sagt van Lancker, der über eine Sammlung von 1000 belgischen Fussball-Tickets und eine eigene Homepage (www.fff-ontour.be) verfügt.

Fast perfektes «Züridütsch»

Die Episode spiegelt Tihinens Sonderstellung. Denn der Innenverteidiger führt das Klischee des schweigsamen und zurückgezogenen Finnen ad absurdum. Er bewegt sich mit einer erfrischenden Normalität durchs öffentliche Leben, fährt mit dem ÖV zu den Trainings und hat sein «Züridütsch» schon fast perfektioniert: «Ich bin jetzt seit zehn Jahren im Ausland beschäftigt und weiss, wie wichtig es ist, sich so schnell wie möglich zu integrieren – die Sprache zu lernen und sich mit der Landeskultur zu befassen.»

So ist Tihinen, der Max Frisch als seinen Schweizer Lieblingsschriftsteller bezeichnet, innerhalb von zweieinhalb Jahren zur wichtigsten Integrationsfigur des Stadtklubs avanciert. Die Verlängerung seines auslaufenden Vertrags hatte über die Jahreswende im Letzigrund höchste Priorität.

Doch weshalb einigte man sich vorerst nur auf eine Zusammenarbeit bis 2010? Tihinen: «Ich weiss nicht, in welcher körperlichen Verfassung ich dann bin. Ein weiteres Jahr ist fair für beide Seiten. Nachher schauen wir wieder.»

Und wie schätzt der Captain die kurzfristigen Erfolgsaussichten mit dem FCZ ein? Er macht auf Understatement: «Basel ist immer der Favorit. Denn Basel ist Meister und Cupsieger. Doch aufgrund der Ausgangslage liegt alles in unseren Händen.»

Hannu gegen Ari als Highlight 2009?

Neben dem Fussballplatz verfolgt Tihinen auch andere Projekte. Seit drei Monaten besucht er zusammen mit seiner Frau einen Russischkurs: «Es war schon immer mein Traum, diese Sprache zu lernen.»

Und wie steht es um seine Affinität zu helvetischen Spezialitäten? «Mein grosses Ziel ist es, besser Jassen zu lernen als ZSC-Goalie Ari Sulander. Wenn ich erst einen guten Lehrer finde, sollte das in zwei Monaten möglich sein», sagt Tihinen mit viel Selbstvertrauen. – Ein finnisches Duell an einem Jasstisch wäre zweifellos einer der grossen Höhepunkte des Zürcher Sportjahres 2009.

Hannu Tihinen bleibt mindestens bis 2010 in Zürich. «Züridütsch» spricht er bereits jetzt.- Keystone

Top 3

1 Shaqiri zum Bayern-Transfer «Halb Europa hat Jagd auf mich gemacht»bullet
2 Transfer geklappt Bayern-Heynckes: «Xherdan verstärkt uns mit seinen...bullet
3 Vorfreude bei Fans Shaqiri bereits im Bayern-Trikotbullet

Fussball