Sorry! Ich habe gestern nur die halbe Wahrheit erzählt. Ich war wohl etwas zu freundlich gestimmt. Jetzt sage ich, wie es wirklich war.
Im Tagebuch von gestern habe ich von der Spionage von FCB-Chefscout Ruedi Zbinden berichtet. Der Basler ist für die Partie der Berner gegen Metallurg Saporoschje am Freitag vier Stunden hin und ebenso viele zurück gereist. Zbinden versuchte inkognito zu bleiben und schaute sich das gesamte Spiel von seinem Auto – das er etwas abseits vom Spielfeld geparkte hatte – aus an.
Entsprechend erstaunt war der Basler dann, als er von BLICK auf seinen Besuch beim YB-Match angesprochen wurde. Zbinden brauchte einen längeren Moment, bis er zugab, dass er sich das Spiel angeschaut hatte. Und hatte dann die fantastische Ausrede auf Lager, er sei zur Beobachtung der Metallurg-Spieler angereist. Man wisse ja nie, ob man nicht einen finde, der zum FCB passe. Dass mit YB gleich der erste Meisterschaftsgegner der Bebbi Metallurgs Gegner war, sei ein guter Nebeneffekt.
Die ganze Wahrheit sieht nun aber so aus: Ruedi Zbinden kam schon am Donnerstag ans Testspiel von YB gegen Unterhaching, blieb auch da im Auto sitzen. Bei seiner Ankunft musste er feststellen, dass das Spiel schon im Gang war und war wohl noch erstaunter, als der Schiedsrichter die Partie nur eine Viertelstunde nach Zbindens Ankunft beim Spielfeld abpfiff.
Das Testspiel wurde wegen der schlechten Witterung vorverschoben und die Halbzeitpause verkürzt. Zbinden muss wohl ziemlich frustriert gewesen sein, diesen langen Weg umsonst gemacht zu haben. Gegenüber BLICK erklärte er, bei diesem Spiel nicht vor Ort gewesen zu sein. Doch er war es.
Sein Frust ist allemal verständlich, schliesslich war YB – Unterhaching das letzte Testspiel der Hachinger vor der Heimreise nach Deutschland.
News aus dem YB-Camp
ESTEPONA - BLICK-Reporter Benny Epstein ist mit den Berner Young Boys im Trainingslager unterwegs. In seinem Online-Tagebuch erfahren Sie, was in Estepona abgeht.
Liebes YB-Tagebuch - 26. Januar
Liebes YB-Tagebuch - 25. Januar
Gestern trugen die Young Boys ein Testspiel gegen Metallurg Saporischja aus. Das kampfbetonte Spiel endete mit 1:1 (Tor für YB: Seydou Doumbia) und je zehn Feldspielern. Schon in der ersten Halbzeit schickte der spanische Schiedsrichter Baykal Kulaksizoglu und seinen Gegenspieler nach einer Unsportlichkeit vom Platz.
Das Spiel zwischen dem Dritten der Super League und dem Sechsten der ukrainischen Premjer-Liga fand unter der Beobachtung eines Spions statt: Ruedi Zbinden, Chefscout des FC Basel, reiste extra vom FCB-Trainingscamp an (ca. 400 km).
«Ich schaue mir laufend Spiele an», erklärte Zbinden gegenüber BLICK. «Ich wollte mal schauen, ob es bei den Ukrainern einen Spieler gibt, der zu uns passt.» Wie bitte?! Sie sind wegen Metallurg zum Spiel gekommen? «Ja, es war natürlich auch noch praktisch, YB zu sehen.» Na also, geht doch. Zbinden bestätigte übrigens, dass er keinen Ukrainer entdeckt habe, den er nach Basel holen wolle.
Ruppige Gangart
Die Rote Karte gegen Baykal kommt nicht überraschend. Schon die Testspiele gegen Hertha Berlin und Unterhaching waren hart und zeitweise unfair geführte Partien. In beiden Spielen hätte der Referee YB-Akteure und jene des Gegners frühzeitig unter die Dusche schicken können.
Auch in den Trainings gehen die Berner voll zur Sache. Schliesslich hat noch nicht jeder seinen Stammplatz auf sicher und einige Bankdrücker melden Ansprüche auf einen Platz unter den ersten Elf.
Trainer Vladimir Petkovic mahnte deshalb zur Vernunft: «Rache gibt’s im Fussball nicht. Ein Revanche-Foul gibt Rot.»
Liebes YB-Tagebuch - 24. Januar
Seit Donnerstag in der Früh regnet es ohne Unterbruch. Das Morgentraining am Freitag fiel buchstäblich ins Wasser und wurde kurzfristig in den Kraftraum und den überdachten Aussenbereich des Hotels vor dem Pool verlegt.
Nach kurzen Aufwärmübungen neben dem Pool gings runter in den Kraftraum. Unter der Führung von Kondi-Trainer Martin Fryand und den Physios stählten die YB-Spieler ihre Körper. Trainer Vladimir Petkovic strampelte während der gesamten Trainingseinheit auf dem Home-Trainer.
Das Freundschaftsspiel musste auf den Trainingsplatz von YB verschoben werden. Der ursprünglich geplante Spielort steht unter Wasser, weil er kein Drainage-System besitzt. Doch obwohl die Berner mit dem Platz bestens vertraut sind, verloren sie gegen Unterhaching (2. Bundesliga) mit 2:3.
Positiver Lichtblick in einem schwachen Spiel war das 1:0 von YB-Junior Tolga Mertoglu. Der erst 17-jährige Mittelfeldspieler bezwang den Hachinger Keeper mit einem prächtigen Heber und stellte nicht nur in dieser Szene sein Talent unter Beweis. Petkovic über Tolga: «Kämpferisch muss er noch zulegen.» Oder anders gesagt: Technisch ist er stark, körperlich hat er noch Raum nach oben. Den Namen darf man sich ruhig mal merken.
Testspiel – 23. Januar
Pleite gegen deutschen 3.-Ligisten
YB unterliegt im zweiten Testspiel im Trainingslager in Spanien der Spielvereinigung Unterhaching (3. Liga Deutschland) 2:3.
Bei schwierigen Verhältnissen brachte Nachwuchsspieler Tolga Mertoglu die Berner mit einem Heber in Führung. Kurz vor der Pause führte ein hart gepfiffener Elfmeter zum Ausgleich. Die Vorentscheidung in diesem Spiel fiel innerhalb von 2 Minuten unmittelbar nach dem Seitenwechsel. Zwei Abstaubertore brachten Unterhaching 3:1 in Front. Nach etwas mehr als einer Stunde gelang Marco Schneuwly der Anschlusstreffer. Zu mehr reichte es den Young Boys nicht mehr. Trainer Vladimir Petkovic liess die elf Akteure 90 Minuten durchspielen.
Captain Thomas Häberli meinte nach dem Match: «Es war ein Kampfspiel, mit vielen Duellen und Grätschen. Der starke Wind hat dazu beigetragen, dass kein schönes Fussballspiel zustande kam. Unterhaching war am Schluss eher ein glücklicher Sieger.»
Bereits morgen Samstag steht für die Young Boys das nächste Testspiel auf dem Programm. Gegner wird die ukrainische Mannschaft Metallurg Zaporizhya sein.
YB Unterhaching 2:3 (1:1)
Benahavis, Marbella. 60 Zuschauer. Tore: 32. Mertoglu 1:0, 44. 1:1 (Penalty), 48. 1:2, 50. 1:3, 64. Schneuwly 2:3. YB: Collaviti Dürig, Ghezal, Bastians Mertoglu, Peev, Hochstrasser, Schneider Degen, Häberli, Schneuwly. Bemerkungen: Bastians und Schneider tauschten nach der Pause die Positionen.
Liebes YB-Tagebuch – 22. Januar
Es kümmert die YB-Kicker überhaupt nicht, dass die Spieler des FC Zürich einen freien Abend ohne Bettzeiten erhielten. «Wir stehen um sieben Uhr morgens auf», erzählt David Degen. «Um halb acht gehen wir laufen, da kannst du nicht am Vorabend Party machen.»
Sowieso scheint es, als seien die Berner am Abend völlig platt. Die einen lassen sich von den Physios pflegen, die anderen setzen sich in die Lobby.
Seydou Doumbia haut sich mit Musik in den Ohren aufs Sofa, Jung-Verteidiger François Affolter lässt seinen Monatslohn in der Internet-Ecke – 1 Euro für zehn Minuten – liegen.
David Degen ist ständig am Telefon und schaut den zwei Urgrossmüttern zu, die zu «I Just Want To Say I Love You» das Tanzbein schwingen. «Baykal, en Lappe (=100 Franken) wänd mit dene go tanze gosch», stichelt er Abwehr-Boss Baykal Kulaksizoglu an, doch der lehnt dankend ab.
Dieser bleibt lieber beim gemütlichen PSP-Gamen sitzen. Zu acht spielen sie, kabellos verbunden, Mario Kart. Der Schnellste ist Felix Bastians, der sich hauchdünn vor Mario Raimondi durchsetzt. Kurz nach zehn Uhr ist Schluss, die Jungs sind fix und fertig.
PS: Die Playstation 3 von Bastians (gestern im Tagebuch) funktioniert noch immer nicht. Bastians: «Es ist eine Tragödie! Dave (Degen, die Red.) hat extra noch ein Baller-Game gekauft, dass wir gemeinsam spielen wollten. Ich habe Fifa dabei und Pro Evolution, aber die Konsole läuft nicht. Wir haben sie schon im Nachbarszimmer ausprobiert, aber auch dort klappts nicht. Meine ist die Einzige, die nicht funktioniert.»
Na hoffentlich geht sie dann zu Hause in Bern wieder an. «Sonst krieg ich `nen Anfall!»
Liebes YB-Tagebuch - 21. Januar
Die 13 (!) Journalisten, die mit Hertha BSC Berlin nach Estepona reisten, logierten im gleichen Hotel wie YB. «Wenn die im Hotel sind, sitzen die andauernd in der Hotel-Lobby rum. Alle beschäftigt mit der PSP oder dem Handy», erzählte mir der Kollege von der «Berliner Morgenpost». Die Mini-Spielkonsole ist bei Fussballern ebenso beliebt wie bei Kindern.
Der grosse Bruder der PSP ist die Playstation – und auf die hatte sich YB-Flügel David Degen so gefreut. Felix Bastians, der deutsche Verteidiger, hat sie von zu Hause mitgeschleppt. Doch es war umsonst. «Die Playstation 3 funktioniert hier irgendwie nicht», erzählt der enttäuschte Degen.
Kein Nachtisch für Doumbia
Noch schlimmer erging es Seydou Doumbia. Der Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste freute sich gestern Mittag auf ein feines Dessert, machte die Rechnung aber ohne seine Teamkollegen. Zwei junge Spassvögel versalzten Doumbia den Nachtisch.
Ganz im Stil von GC-Präsident Roger Berbig, der mit BLICK-Reporter Max Kern aufs Velo stieg, kündigte YB-Sportchef Alain Baumann an, er wolle mit mir einmal vom Hotel zum Trainingsplatz rennen.
Um Überraschungen zu vermeiden, machte ich heute einen Testlauf, wobei ich mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatte. Das Streckenprofil hats in sich: Zuerst sieben Kilometer geradeaus und schliesslich ein kilometerlanger Schlussaufstieg, der die Spreu vom Weizen und hoffentlich den Epstein vom Baumann trennt ... ;-)
Liebes YB-Tagebuch - 20. Januar
Als ich heute Mittag in Malaga während der Landung aus dem Flugzeug schaute, freute ich mich richtig. Endlich Sonne – raus aus den eisigen Niederungen der Schweiz, rein in die Wärme der spanischen Costa del Sol.
Ich konnte es kaum erwarten, den Flughafen endlich zu verlassen und an die frische Luft zu kommen. Die Daunenjacke stopfte ich kurzerhand in den Koffer.
Kälte in der Mogelpackung
Doch dann kam der grosse Schreck: Ich bin voll in die Falle getappt. Der stahlblaue Himmel und die grelle Sonne haben mir einen Streich gespielt. Da war noch etwas Unsichtbares, das meine Stimmung gleich wieder in den Keller sausen liess: der Wind.
Nein, nein, liebes Tagebuch, nicht mal im Ansatz zu vergleichen mit der Bise, die Du aus der Schweiz kennst. Es brauchte schon meinen Glauben an die Physik, dass ich dem Thermometer im Taxi zum Testspiel von YB gegen Hertha (2:2, Torschützen Schneuwly und Doumbia) die 15 Grad Celsius glaubte. Dabei waren das gefühlte null. Genau wie in der Schweiz, nur in der Mogelpackung anstatt in Schnee und Wolken.
Abgehärtete Ukrainer
Da schaute ich also schlotternd und mit laufender Nase den Match, als nach zirka siebzig Spielminuten der Teambus von Dynamo Kiew auf dem Trainingsgelände von Marbella hielt.
Ich traute meinen Augen nicht: Sämtliche Spieler – bis auf die dunkelhäutigen Stars der Ukrainer – stiegen aus dem Car und krempelten als Erstes die Ärmel nach hinten.
Danke, liebe YB-Bosse, dass ihr das Trainingslager an der kalten Küste Spaniens und nicht in Kiew gebucht habt!
Serie
Die BLICK-Reporter begleiten GC, Luzern, YB, Basel und den FCZ in die Trainingslager. Im Online-Tagebuch auf Blick.ch erfahren Sie, ob der Lagerkoller ausbricht.













